Fricktal

Bald hat es der «Schweizumrunder» geschafft – er hat das Ziel vor Augen

Roland Gröflin (rechts) mit Mosh Manga, «dem besten Begleiter, den ich mir wünschen konnte»

Roland Gröflin (rechts) mit Mosh Manga, «dem besten Begleiter, den ich mir wünschen konnte»

Roland Gröflin über den Abschied von den Bergen, das Etappenziel im Privatareal – und weshalb er in der Schesaplana-Hütte im Bett stand.

Etwas Wehmut ist schon dabei: Roland Gröflin, der beherzte Schweizumrunder aus dem Fricktal, hat die letzten happigen Bergetappen hinter sich gebracht. Es war «ein Abschiednehmen von den Bergen», erzählt der 56-Jährige, inzwischen am Bodensee angelangt, und zugleich «ein Zeichen, dass es nun definitiv nach Hause geht».

54 der 61 Etappen hat Gröflin auf seinem 2000-Kilometer-Lauf rund um die Schweiz bereits absolviert. Es lief ihm – abgesehen von einem Sturz am Anfang der Tour – rund.

Das war bei der Königsetappe letzte Woche nicht anders. Sie führte ihn über drei Pässe, 3000 Höhenmeter und 78 Leistungskilometer von Sur En auf die Bieler Höhe. «Die Etappe war happig», blickt der Rheinfelder zurück. Auch, weil das Wetter kurz vor der Bieler Höhe umschlug, ihn ein Gewitter überraschte und die Hänge dadurch rutschig wurden. «Für einen Kilometer brauchte ich deshalb fast 40 Minuten», erzählt er. Angekommen sei er so erst kurz vor dem Eindunkeln.

Feueralarm ging los, als alle im Bett lagen

Letzteres erlebte er zwei Tage später hoch oben auf der Schesaplana-Hütte. «Ein toller Abend», sagt Gröflin, der als Kind im Sommer ein «Hütten-­Bube» war. Seither habe er aber kaum mehr in SAC-Hütten übernachtet. «Es passte alles.» Das Wetter, das Essen, die Leute. «Ich lernte dort ein Ehepaar aus Arbon kennen», erzählt er. Dieses hat er gestern, als er auf seiner Tour in Arbon vorbei kam, kurz besucht.

Eingeschlafen sei er nach dem anstrengenden Tag in der Schesaplana-Hütte schnell, erzählt Gröflin – und stand um 23 Uhr im Bett: Der Feueralarm ging los. «Zum Glück war es ein Fehlalarm.»

Der Acht-Meter-Camper blieb an diesem Abend im Tal; ein Teammitglied brachte dem Ausdauerläufer die Kleider in die Hütte. Gröflin weiss: Der Lauf ist nur dank des Engagements ganz vieler Menschen möglich, allen voran seines Betreuers Mosh Manga und seiner Familie. Sie ermöglichen ihm «dieses einmalige Erlebnis, das ich immer in mir tragen werde». Es sei «ein grosser Luxus», ist sich Gröflin bewusst.

Wie er dieses Erlebnis mit anderen teilen wird, lässt er offen. Er habe schon erste Anfragen für Vorträge erhalten, erzählt er. Das freut ihn und dafür ist er auch offen. Selber eine Vortragsreihe auf die Beine stellen und damit durch die Schweiz tingeln, will er indes nicht. «Ich will mich niemandem aufdrängen», sagt er.

Spannend wäre ein Vortrag von Gröflin fraglos, das zeigen die wöchentlichen Gespräche der AZ mit dem Schweizumrunder. Er hat unglaublich viel zu erzählen – und erzählt packend. Von der Natur, den einsamen Touren durch die Berge, den überraschenden Begegnungen mit Mensch und Tier, dem ersten Schritt, den man machen muss, um etwas zu verändern oder zu bewirken.

Was tun, wenn das Ziel in einem Privatareal liegt?

Auch lustige Episoden sind stets dabei. Etwa jene vom Montag, als er in Rorschach eintraf – und das Ziel 70 Meter innerhalb einer privaten Ferienanlage lag. Was tun? Er erklärte die Situation kurzerhand dem Portier. Dieser hatte ein Einsehen und liess ihn in die Anlage hinein, damit er die Etappe fertig laufen konnte. «Er achtete aber auch darauf, dass ich die Anlage wieder verliess.» Danach ging es in den Bodensee. «Ein Highlight», so Gröflin.

Speziell wird für Gröflin das Etappenende auch heute Mittwoch. Da erreicht er Steckborn, wo seine Mutter aufgewachsen ist und wo er als Kind öfters bei den Grosseltern war. «Meine Cousine hat ein Zieleventfest organisiert», erzählt er. «Darauf freue ich mich riesig.»

Auch wenn er jede Sekunde seines Laufs in vollen Zügen geniesst – aufs Zuhause freut er sich ebenfalls bereits. Heute in einer Woche wird er in Rheinfelden zurück sein. Was wird er als Erstes tun? Gröflin lacht. «Den Camper putzen, denn den müssen wir wieder abgeben.» Er überlegt kurz, fügt dann hinzu: «Zu Hause ankommen» sei das Erste, was er mache. Seine Familie geniessen, den Garten – «und ein Bett, das nicht gleich schaukelt, wenn sich jemand bewegt».

Bereits gut 20'000 Franken für Stiftung gesammelt

Mit seinem Lauf erfüllt sich Gröflin nicht nur einen Lebenstraum, er will damit auch helfen und hat deshalb eine Spendenaktion lanciert. Bislang sind gut 20000 Franken zusammengekommen.

Das Spendenziel von 22'000 Franken ist damit in Griffweite gerückt. Mehr noch: Im «Wettkampf» zwischen Gröflin und dem Spendenbarometer hat Letzteres die Führung übernommen. Während Gröflin knapp 90 Prozent der Strecke zurückgelegt hat, liegt das Barometer bereits bei über 90 Prozent.

Gröflin lacht. «Das Spendenbarometer darf gerne vor mir im Ziel sein.» Er hofft, dass das Spendenbarometer im Finish nicht noch einen Hungerast erleidet. «Wir müssen beide unseren Lauf nach Hause bringen.»

Mit dem Erreichten ist er «mehr als zufrieden», sagt er, auch wenn er das Spendenziel am Anfang höher angesetzt hatte. Es sei schön, dass so viele Menschen seine Idee vom ersten Schritt unterstützen würden.

Das gesammelte Geld geht an die Laureus Stiftung. Diese will mit Hilfe des Sports Kindern und Jugendlichen ein positives und selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Auch da zählt jeder Schritt – und Franken.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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