Fricktal

Berufsbildungszentrum: «Es braucht ein solidarisches Zeichen»

Christoph Grenacher kämpft für den Erhalt des Berufsbildungszentrums. twe

Christoph Grenacher kämpft für den Erhalt des Berufsbildungszentrums. twe

Der Rückhalt in der Bevölkerung für das Berufsbildungszentrums Fricktal ist gross. Diesen braucht es im Kampf um den Erhalt auch.

Der Widerstand gegen eine allfällige Schliessung des Berufsbildungszentrums Fricktal (BZF) in Rheinfelden wächst stetig: Bereits 781 Personen haben die Online-Petition von Rolf Schmid für den Erhalt des BZF bis gestern Abend unterschrieben – und das in nur gut zwei Wochen. «Ich bin sehr zufrieden, wie es läuft», sagt Schmid zur AZ. Er ist denn auch zuversichtlich, sein Sammelziel, «eine vierstellige Zahl», in den verbleibenden zwölf Tagen zu erreichen.

Liest man die Kommentare bei der Online-Petition, so tauchen vier Argumente immer wieder auf: Das Fricktal brauche das BZF, erstens, weil es ein ökologischer Unsinn sei, quer durch den Kanton zu pendeln – vom Zeitverlust ganz zu schweigen. Zweitens sei Sparen in der Bildung ohnehin der komplett falsche Weg.

Drittens habe das Fricktal sonst schon keine höhere Schule – ergo: Das BZF muss bleiben. Viertens gehöre zu einem Kanton der Regionen, dass auch die Schulen in den Regionen sind. «Das Fricktal als Region ist wirtschaftlich stark», schreibt alt Gemeinderat Hugo Sacher aus Stein. «In diese wirtschaftlich starke Region gehört auch der sichere Standort des BZF.» Beat Adler, ebenfalls aus Stein, bringt es in seinem Online-Kommentar auf den Punkt: «Ansonsten müsste man sich, mindestens im unteren Fricktal, einen Anschluss Richtung Basel überlegen.»

Es brauche jetzt «ein solidarisches Zeichen der Region», ist Christoph Grenacher überzeugt. Dies sei mit der Online-Petition möglich. Ein erstes solches Zeichen hat Grenacher selber vor Wochenfrist gesetzt: Er überreichte, flankiert von Fricktaler Unternehmern und Politikern, eine Petition mit 276 Unterschriften für den Erhalt des BZF an Regierungsrat Alex Hürzeler. Die Unterschriften stammten vorab von Unternehmern, die zusammen 6500 Angestellte und 500 Lehrlinge beschäftigen.

Er habe viele Reaktionen erhalten, sagt Grenacher, «ausschliesslich positive». Er werde sich auch weiterhin dafür einsetzen, dass das Fricktal ein attraktiver Standort bleibt. «Dafür brauchen wir keine Pinkelstätten an der Autobahn, sondern Bildungsstätten in der Region», erklärt Grenacher in Anspielung auf die vagen Pläne, im Fricktal eine Autobahnraststätte zu errichten.

Derzeit heisst es für Grenacher, frei nach Beckett: En attendant le Conseil d’état. Denn der Regierungsrat berät derzeit das «Standort- und Raumkonzept Sekundarstufe II». Nur in einer der drei Varianten, die er in die Vernehmlassung geschickt hat, bleibt das BZF als selbstständige Schule erhalten. Welche Lösung der Regierungsrat schliesslich präferiert und als Vorlage an den Grossen Rat schickt, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

«Es braucht alle»

Je nach Ergebnis wird auch Grenacher wieder aktiv werden. Fällt das BZF ausser Rand und Traktanden, «gilt es, mit den vereinten und geeinten Kräften der Fricktaler Grossräte für die Sache BZF zu lobbyieren», schliesslich entscheide ja der Grosse Rat, wohin die Schulreise gehe.

Nach dem Entscheid des Regierungsrates seien eine kluge Analyse, eine clevere Strategie und eine wertschöpfende Taktik vonnöten, um das BZF «zu erhalten und auszubauen». Dazu brauche es die Politik, die Wirtschaft, die Verbände, die Gemeinden, die Einwohner. «Kurzum: alle.»

Grenacher warnt davor, sich angesichts des grossen Supports für die beiden Petitionen in Sicherheit zu wiegen, denn: «Das Fricktal ist nicht die einzige Aargauer Region, die um den Fortbestand der Berufsschule kämpft.»

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