Fricktal

Bibliotheksleiterin: «Unsere Budgets sind sehr knapp bemessen. Da fällt jeder Franken ins Gewicht»

Mit dem Bibliotheksvelo machen die Fricktaler Bibliotheken (im Bild das Team von Möhlin) derzeit auf sich aufmerksam.

Mit dem Bibliotheksvelo machen die Fricktaler Bibliotheken (im Bild das Team von Möhlin) derzeit auf sich aufmerksam.

Die Bibliotheken machen sich Sorgen wegen der angekündigten Pro-Litteris-Abgabe. Die Fricktaler Bibliothekarinnen sind vor allem auch deshalb verärgert, weil sie sich für die Leseförderung stark einsetzen.

Bibliotheken landauf, landab sind alarmiert: Im vergangenen Dezember hat die Schiedskommission in einem Urteil festgehalten, dass Bibliotheken künftig eine Urheberrechtsentschädigung an die Verwertungsgesellschaft Pro Litteris zahlen müssen, wenn sie Mitgliederbeiträge und Jahresgebühren erheben (siehe Zahlen-Box unten). «Bibliotheken müssen sich vorsehen», heisst es dazu in einer Stellungnahme des nationalen Verbands Bibliosuisse. Und Andrea Voellmin, Leiterin Bibliothek und Archiv Aargau, sagt: «Die öffentlichen Bibliotheken auf Gemeindeebene sind klar am stärksten betroffen.»

Andrea Fischler, Leiterin der Bibliothek Möhlin, befürchtet, dass die neue Abgabe für die Gemeindebibliotheken verheerend sein könnte. «Unsere Budgets sind sehr knapp bemessen. Da fällt jeder Franken ins Gewicht», sagt sie. Ähnlich klingt es auch bei anderen Fricktaler Bibliotheken. «Mit dieser Abgabe kommt einmal mehr kostenmässig etwas auf uns zu», sagt Claudia Oberli, Leiterin der Bibliothek Eiken-Münchwilen-Sisseln. Zwar würde die Abgabe in Eiken wohl nur etwa 600 Franken pro Jahr betragen, «doch das Geld fehlt dann doch irgendwo. Wir kämpfen ohnehin um jeden Franken.» Dieses Gefühl kennt auch Gesa Reimann, Leiterin der Bibliothek Wittnau. Schon jetzt sei es nicht einfach, ein attraktives Angebot zu finanzieren. «Jede zusätzliche Gebühr belastet unser Budget.» 

Leseförderung als Hauptaufgabe

Die Fricktaler Bibliothekarinnen sind vor allem auch deshalb verärgert, weil sie sich für die Leseförderung stark einsetzen. «Mit unseren Aktivitäten animieren wir Kinder und Jugendliche zum Lesen», betont Andrea Fischler. Damit leiste man die Basisarbeit dafür, dass auch im Erwachsenenalter gelesen werde und schaffe so einen Absatzmarkt für die Bücher der Autoren. «In meinen Augen ist das die Hauptaufgabe von Bibliotheken», betont Fischler weiter. Wichtig sei deshalb auch, dass sich jeder ein Bibliotheksabo leisten könne. «Wir können die Gebühren deshalb nicht beliebig anheben.» Dies bestätigt Claudia Oberli. «Die Beiträge müssen sich auch Familien leisten können.» Andernfalls würden wohl die Mitgliederzahlen sinken.

Weniger Neuanschaffungen?

Die elf Fricktaler Bibliotheken werden grösstenteils durch die Gemeinden finanziert. Deren Beiträge für das laufende Jahr sind mit dem Budget genehmigt worden. Kurzfristige Aufstockungen seien deshalb nicht realistisch, sagen mehrere Bibliothekarinnen. Wo sie Einsparungen tätigen werden, wenn sie die Abgabe berappen müssen, haben sie noch nicht entschieden. «Wir warten ab, bis der Entscheid über die Abgabe endgültig ist», sagt Eveline Dillinger, Leiterin der Bibliothek Laufenburg. «Am einfachsten wären weniger Neuanschaffungen», ergänzt Andrea Fischler.

Noch haben die Bibliothekarinnen aber die Hoffnung nicht aufgegeben, dass die Abgabe noch gekippt wird. «Wir hoffen natürlich, dass das Urteil angefochten wird und der Bibliotheksverband Bibliosuisse sich dagegen wehrt.» Tatsächlich prüft der Verband einen Weiterzug ans Bundesverwaltungsgericht und hat politische Hebel in Bewegung gesetzt. Hat die Abgabe jedoch Bestand, würde dies die Bibliotheken sehr treffen, ist auch Dillinger überzeugt. Längerfristig könnte dies der Anlass sein, «über vertieftere Zusammenarbeiten von Bibliotheken in der Region nachzudenken und zu diskutieren».

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