Vor der Unterzeichnungszeremonie machte sich die kantonale Delegation, zusammen mit Vertretern des Forstes und des Gemeinderats Magden, vor Ort unter Führung des Rheinfelder Stadtoberförsters Kurt Steck ein Bild über die Magdener Eichenvorkommnisse.

Wie Gemeindeammann Brunette Lüscher betonte, hätten sich die Verhandlungen bis zum Vertragsabschluss nun über 10 Jahre hingezogen. Doch nun sei man mit dem Kanton einige geworden, was allseits begrüsst wurde.

Eichenwaldreservat in Magden

Eichenwaldreservat in Magden ist vertraglich gesichert

Zustimmung der Ortsbürgergemeinde

Die Ortsbürgergemeindeversammlung vom 7. Juni hatte in einer Freiluft-Gemeindeversammlung im Magdener Wald bei der Feuerstelle Niderwald den Verträgen mit grosser Mehrheit zugestimmt.

Nachdem die Referendumsfrist Ende Juli unbenützt abgelaufen war, sind diese Beschlüsse denn auch rechtskräftig geworden, war von Gemeindeschreiber Michael Widmer zu erfahren.

Die eigens zur Vertragsunterzeichnung angereiste Kantonsdelegation wurde aus dem Leiter der Abteilung Wald, Alain Morier, dem Leiter der Sektion Koordination und Ökologie, Marcel Murri, sowie Kreisförster Nils Osterwalder gebildet.

Der Magdener Waldanteil am Eichenwaldreservat umfasst 161 Hektaren. Davon sind 40 Hektaren den Kernzonen Eichen-Altholz zugewiesen. Mit der Reservatsbildung soll der Reichtum an Eichen in den Wäldern der Ortsbürgergemeinde Magden erhalten werden.

Dazu ist die Ernte von älteren Eichen in den nächsten 50 Jahren zu reduzieren. Bei der Jungwaldpflege und bei Durchforstungen sind die vorhandenen Eichen zu fördern. Innerhalb der 50-jährigen Vertragsdauer soll im Vertragsperimeter der Ortsbürgergemeinde Magden 20 Hektaren neuer und eichenreicher Jungwald begründet werden.

Der Vorrat an starkem, stehendem und liegendem Totholz soll innert 15 Jahren auf mindestens 15 Kubikmeter pro Hektare erhöht werden. Totholz ist für den Mittelspecht ein wesentliches Merkmal des Habitats. Der Anbau von Nadelhölzern und Gastbaumarten darf im Reservatsteil maximal 30 Prozent der Verjüngungsfläche ausmachen.

Leistungen des Kantons

Der Kanton bezahlt nach der Unterzeichnung des Vertrags über die Bildung eines Eichenwaldreservats einen pauschalen Beitrag von 65 000 Franken über die ganze Vertragsdauer.

Die Vereinbarung gilt vom 1. Juli 2013 bis zum 30. Juni 2063 (50 Jahre). Die Pflegeleistungen (Begründung von jährlich 0,5 Hektaren neuem Eichenjungwald) wurden in einem zusätzlichen Pflegevertrag geregelt und mit einer Zahlung von 18 000 Franken pro Jahr abgegolten. Der Pflegevertrag wurde für eine Dauer von 15 Jahren abgeschlossen und soll nach einer Standortbestimmung verlängert werden.

Investition in die Nachhaltigkeit

Mit der Eichenwaldreservatsbildung wird der grosse ökologische Wert von eichenreichen Wäldern anerkannt. Eichen mit ihren borkigen Rinden bieten einer Vielzahl von Insektenarten einen Lebensraum.

Die Eiche gilt dabei als beste Wirtin unter den einheimischen Bäumen. Auch zahllose Vögel schätzen ihre Gastfreundschaft.

Die Eiche wird im Magdener Wald als wertvolle Baumart seit mehreren Förstergenerationen besonders gefördert. Dies ist auch daran abzulesen, dass heute ein grosser Anteil an Eichen vorhanden ist, die im nutzreifen Alter oder kurz davor stehen.

Mit dem Abschluss der Vereinbarung über die Bildung eines Eichenwaldreservats verpflichtet sich die Ortsbürgergemeinde auf einen Nutzungsverzicht, der jedoch angemessen entschädigt wird.

Zudem bietet der Kanton mit dem Abschluss des Pflegevertrags Hand, die Förderung der Eiche bei der Begründung neuer Jungwaldbestände und bei Verjüngungsmassnahmen finanziell zu unterstützen.

Die Wälder in der Region zeichnen sich durch grosse Eichenbestände aus. Eichenreiche Wälder bieten vielen seltenen und gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wertvollen Lebensraum.

Davon profitiert unter anderem der Mittelspecht als Schirmart eichenreicher Wälder. Die Eiche wird im Wald der Ortsbürgergemeinde Magden seit mehreren Förstergenerationen speziell gefördert und gehegt. Der vorhandene Eichenreichtum soll erhalten bleiben.

Eichenwälder werden deshalb vom Kanton Aargau gefördert. Dazu soll ein Eichenwaldreservat Rheinfelder Berg gebildet werden, welches Wald der Ortsbürgergemeinden Kaiseraugst, Magden und Olsberg, der Bürgergemeinden Giebenach BL und Olsberg sowie den Staatswald Frauenwald in Olsberg umfasst.

Die Gesamtfläche des Reservats wird 555 Hektaren betragen, wenn auch die Ortsbürgergemeinde Rheinfelden einem Eichenwaldreservat zustimmt.

Der Magdener Waldanteil umfasst 161 Hektaren, wovon 40 Hektaren den Kernzonen Eichen-Altholz zugewiesen werden sollen.

Der Reichtum an Eichen in den Wäldern der Ortsbürgergemeinde Magden soll erhalten werden. Dazu ist die Ernte von älteren Eichen in den nächsten 50 Jahren zu reduzieren. Eichen, die auf natürliche Art und Weise absterben und im Wald belassen werden, gelten nicht als genutzt.

Die Ortsbürgergemeinde Magden verpflichtet sich, für die Dauer von 50 Jahren auf die Nutzung von 450 der 950 nutzbaren, als Einzelbäume inventarisierten Eichen mit einem Bruttoholz-Durchmesser von mehr als 40 Zentimeter zu verzichten.

Dementsprechend dürfen im Vertragszeitraum total 500 der inventarisierten Eichen genutzt werden, was durchschnittlich 10 Eichen mit einem Holzvolumen von 90 Kubikmeter Stehendmass pro Jahr entspricht.

Dort, wo viele alte Eichen vorhanden sind, die für den Mittelspecht einen wichtigen Lebensraum bieten, werden sogenannte Kernzonen Eichenaltholz ausgeschieden. Diese Kernzonen dürfen bis Ende Juni 2028 nicht verjüngt werden. Die zulässigen Eichennutzungen sollen in diesem Zeitraum vor allem ausserhalb der Kernzonen erfolgen.

Beschränkung des Nadelholzanteils

Der Anbau von Nadelhölzern und Gastbaumarten ist auf ein verträgliches Mass zu beschränken. So darf im Reservatsteil das Nadelholz maximal 20 Prozent der Verjüngungsfläche ausmachen, der Anteil an Gastbaumarten maximal 10 Prozent.

Diese Beschränkung ist hinfällig, wenn der Kanton die Eichenförderung nicht mehr in einem vergleichbaren Ausmass wie im Pflegevertrag vereinbart unterstützt.

Der Gemeinderat Magden beabsichtigt, in folgenden Gebieten Altholzinseln auszuscheiden: Hirzehübel-Chüller2,3 Hektaren, Unter de Felse-Halmet 3,7 Hektaren, Sunnefrooholde-Oensberg12,6 Hektaren.

Die Waldeigentümerin hat sich dabei zu verpflichten, in den bezeichneten Waldbeständen auf jegliche Holznutzung als auch auf Pflegeeingriffe zu verzichten und der natürlichen Entwicklung freien Lauf zu lassen.

Auch tote Bäume und Äste sind im Wald zu belassen. Entlang von Strassen sind Pflegeeingriffe aus Sicherheitsgründen weiterhin möglich.

Der Kanton Aargau richtet für die 50-jährige Vertragsdauer vom 1. Juli 2013 bis zum 30.Juni 2063 für das Gebiet Hirzehübel-Chüller eine Entschädigung von 8000 Franken aus, für das Gebiet Unter de Felse-Halmet eine solche von 11 000 und für die Altholzinsel im Bereich Sunnefrooholde-Oensberg 50 000 Franken, total also 69 000 Franken.

Die genannten Gebiete eignen sich sowohl aufgrund der topographischen Lage als auch wegen der bereits vorhandenen ökologischen Werte besonders für die Ausscheidung von Altholzinseln.

Beim Gebiet Sunnefrooholde-Oensberg ist es denkbar, dass in absehbarer Zeit auf der angrenzenden privaten Waldfläche der Christoph Merian-Stiftung eine weitere Altholzinsel ausgeschieden wird, womit eine grosse zusammenhängende Naturwald-Reservatsfläche entstehen könnte.