Fricktal

«Das geht an die Substanz» – das sagen Fricktaler Ladenbesitzer zum Lockdown

Claudine Hirt muss ihren Laden schliessen.

Claudine Hirt muss ihren Laden schliessen.

Fricktaler Ladenbesitzer machen sich wegen des Notstands existenzielle Sorgen – und prüfen, welche Angebote sie weiterführen können.

Am Samstag hatte der Konzeptladen «trag-werke» in der Rheinfelder Marktgasse zum vorerst letzten Mal offen. Die Corona-Krise war an diesem Tag schon deutlich spürbar. «Es kamen merklich weniger Kunden als an anderen Tagen», sagt Geschäftsführerin Claudine Hirt. Trotzdem: Als sie den Laden nach Feierabend schloss, dachte sie nicht, dass er nun wohl gleich für einige Wochen zu bleiben würde.

Nach dem Bundesratsentscheid von Montagabend, in der ganzen Schweiz den Notstand zu verhängen, passiert nun aber genau das. Praktisch alle Läden bleiben zu. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Lebensmittelgeschäfte und Apotheken. Überraschend kam der Entscheid für Hirt nicht mehr. Nach den Entwicklungen vom Wochenende – als unter anderem der Kanton Basel-Landschaft bereits den Notstand verhängte – sei dies «fast absehbar» gewesen, sagt sie.

Es drohen grosse Umsatzeinbussen

Auch wenn der Entscheid letztlich nicht überraschte – einfacher macht das die Lage der Ladenbesitzer nicht. Gerade finanziell wird die Schliessung für sie sofort spürbar. «Es geht um die Existenz», sagt Hirt. «Es wird zu massiven Umsatzeinbussen kommen», sagt auch Mario Kalt, Geschäftsführer des Elektronikspezialisten Multimedia Fricktal in Frick. Ähnlich tönt es bei Sybille Bachmann, Geschäftsführerin des Spielwaren- und Babyartikelgeschäfts Binkert in Frick. «Der Notstand wird finanzielle Konsequenzen für uns haben», sagt sie. «Einerseits fällt der Umsatz weg. Andererseits müssen unsere Angestellten normal entlöhnt werden.»

Läden rüsten sich für den Notstand (16.3.2020)

Läden rüsten sich für den Notstand (16.3.2020)

Die Geschäfte aus der Region stellen sich auf den Stillstand ein und bangen teilweise um ihre Existenz. In den Bibliotheken müssen derweil Bücher nicht mehr zurückgebracht werden.

Zum Thema wird dabei die Kurzarbeit. Aber: «Die Kurzarbeitsentschädigung deckt dabei keine Lehrlingslöhne und nur einen Teil der Lohnkosten. Die übrigen Fixkosten sind nicht gedeckt. Das geht an die Sub­stanz und ist einschneidend», sagt Bachmann offen. Auch die anderen befragten Ladenbesitzer werden die Einführung von Kurzarbeit prüfen.

Inwiefern sie Kurzarbeit beantragen, ist eine der Fragen, welche die Ladenbesitzer in den nächsten Tagen zu klären haben. Eine weitere Frage ist, welche Bereiche vom bundesrätlichen Entscheid betroffen sind. «Die Reparaturwerkstatt ist glücklicherweise nicht davon betroffen und ist wie gewohnt in Betrieb», sagt Bachmann. So können Service und Reparaturen telefonisch angemeldet und Maschinen abgeholt werden. Der Spielwaren- und Babyartikelhändler wird ausserdem prüfen, ob auch Bestellungen für bestimmte Artikel per Mail oder Telefon entgegengenommen werden und auf Abholung abgegeben werden können. Auch bei Multimedia Fricktal werde geprüft, inwiefern Servicedienstleistungen und Reparaturen weiter ausgeführt werden können, sagt Kalt.

Daneben werden die Ladenbesitzer den Fokus auf Arbeiten im Hintergrund legen. Beim «trag-werke» in Rheinfelden etwa soll bald eine neue Internetpräsenz aufgebaut werden. «Wir werden uns nun intensiv darum kümmern», sagt Claudine Hirt. Damit sie parat ist, sollten in einigen Wochen auch die Ladentüren wieder öffnen.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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