Herznach

Das Kernzenziehen findet nun schon zum 30. Mal statt

Das Herznacher Kerzenziehen erfreut sich grosser Beliebtheit – bei privaten Besuchern wie auch bei Schulklassen. Bild: zvg

Das Herznacher Kerzenziehen erfreut sich grosser Beliebtheit – bei privaten Besuchern wie auch bei Schulklassen. Bild: zvg

In Herznach findet ab dem 16. November wieder das Kerzenziehen statt – es erfreut sich über das Dorf hinaus grosser Beliebtheit.

Es ist ein Erlebnis, das Bernhard Hehlen nicht mehr vergessen wird. Vor über 30 Jahren kam der inzwischen pensionierte Lehrer auf die Idee, in Herznach ein Kerzenziehen zu organisieren. «Ziel war es, mit den Schülerinnen und Schülern einen Zustupf für ein Klassenlager zu sammeln», erzählt er. Gerechnet hatte er mit einigen gemütlichen Stunden in der provisorischen Wachsküche in einem Werkraum der Schule. 

Aber: «Wir wurden heillos überrannt», sagt Hehlen und lacht. Die Pfännchen auf den Plattenrechauds waren ständig im Einsatz, die Schüler kamen kaum mit dem Nachfüllen der Wachsbehälter nach. Am Ende war nicht nur das komplette Klassenlager bezahlt. Es blieb sogar noch ein Batzen für eine Spende an eine wohltätige Organisation.

Neues Team hat die Leitung übernommen

Seither findet in Herznach jedes Jahr jeweils im November ein Kerzenziehen für das Klassenlager statt. Bernhard Hehlen und seine Frau Edith – auch sie unterrichtete lange Jahre im Dorf – organisierten dieses während 25 Jahren. Im Jahr ihrer Pensionierung gaben sie die Leitung dann ab. Ein Team bestehend aus Lehrpersonen und Schulleitung organisiert das Kerzenziehen seither. «Dafür sind wir sehr dankbar», sagen Hehlens. Sie helfen im Hintergrund weiterhin mit und sind beim Kerzenziehen am «Schnitztisch» anzutreffen – also dort, wo die Kerzen ihre Verzierungen erhalten.

Das Kerzenziehen erfreut sich über das Dorf hinaus grosser Beliebtheit. Sogar Schulklassen aus Deutschland melden sich dafür jeweils an. Die Infrastruktur in der Wachsküche wurde laufend ausgebaut. Rund 400 Kilogramm Wachs werden inzwischen jedes Jahr zu Kerzen geformt. Dabei handelt es sich um ein Gemisch aus Paraffin und Stearin. Damit die Kerzen gut zu formen sind, wird etwas Bienenwachs beigemengt.

Natürlich faszinieren Hehlens die Arbeit mit dem Material, die schier unendlichen Möglichkeiten beim Kerzenziehen und das anschliessende Schnitzen der Verzierungen. «Jede Kerze ist ein Unikat», sagt Edith Hehlen. Aber da ist auch noch etwas anderes: Der Kontakt zu den Besuchern, die besondere Stimmung und die Hilfsbereitschaft untereinander – wenn etwa Schüler den Erwachsenen Tipps geben. In der Wachsküche entstehen so nicht nur schöne Kerzen, sondern auch schöne Geschichten. Wie jene vom pensionierten Arzt, der jedes Jahr rund 50 Kerzen selber macht. «Er ist inzwischen ein guter Freund geworden», sagt Bernhard Hehlen. Oder jene von einem Paar, das seine Hochzeitskerze in Herznach gezogen hat. «Beide gingen einst bei uns zur Schule. Wir waren später zur Hochzeit eingeladen. Das war ein sehr spezieller Moment», sagt Edith Hehlen. Es sind Erlebnisse und Geschichten, die jede Sekunde Einsatz und Arbeit wettmachen. Erlebnisse, die bleiben.

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