Möhlin

«Der Entscheid ist eine Niederlage»: Gemeindeammann über das Nein zur Mittelschul-Testplanung

Die Zukunft des Entwicklungsschwerpunkts ist nach dem Möhliner Entscheid offen.

Die Zukunft des Entwicklungsschwerpunkts ist nach dem Möhliner Entscheid offen.

Gemeindeammann Fredy Böni sieht die Chancen auf eine Mittelschule nach dem Möhliner Nein zur Testplanung schrumpfen.

An so manchem Abend ging es in der Möhliner Steinlihalle schon emotional zu und her. Normalerweise wenn der TV Möhlin um Punkte kämpft. An diesem Donnerstagabend nun aus ganz anderem Anlass: der Gemeindeversammlung. Während fast zwei Stunden legten Befürworter und Gegner ihre Argumente zur Testplanung beim Entwicklungsschwerpunkt Rheinfelden Ost/Bahnhof Möhlin dar. Sie sei «eine Chance, die Zukunft nach unseren Wünschen mitzugestalten», hiess es auf der einen Seite. Vom «Startschuss für eine Mega-Überbauung auf Kosten von Kulturland» sprach die andere Seite.

Mittendrin in der Diskussion gab Gemeinde­ammann Fredy Böni das Resultat aus Rheinfelden bekannt – ein klares Ja. Kurz nach 22 Uhr fiel dann auch in Möhlin der Entscheid: 133 der 302 anwesenden Stimmberechtigten nahmen den Kreditantrag zur Testplanung an, 147 lehnten ihn ab. Wie bei einem Handballmatch wurde anschliessend gejohlt und geklatscht – zumindest auf der einen Seite.

«Der Entscheid ist eine Niederlage – für den Gemeinderat, für das Dorf und für unsere strategische Zusammenarbeit mit der Stadt Rheinfelden», sagt Fredy Böni, nachdem er eine Nacht darüber geschlafen hat. Man habe im Vorfeld der Versammlung versucht, die Bedeutung der Testplanung aufzuzeigen und die Bevölkerung mit ins Boot zu holen. «Dahinter steckte sehr viel Arbeit. Es tut weh, wenn dies mit teils schwammigen Anträgen und fadenscheinigen Argumenten zunichtegemacht wird.»

Ein schlechtes Signal in Richtung Aarau

Enttäuscht zeigt sich am Tag danach auch der Rheinfelder Stadtammann Franco Mazzi. «Ich bedauere diesen Entscheid, denn beide Gemeinden haben im Vorfeld der gestrigen Versammlungen einen grossen planerischen Aufwand mit vielen Informationsveranstaltungen und Partizipationsmöglichkeiten betrieben», sagt er. Wesentliche Punkte daraus seien in die vorgesehene Testplanung aufgenommen worden. Und: «Die Kandidatur für den Fricktaler Mittelschulstandort wurde in der vor kurzem erfolgten Bevölkerungsbefragung in Möhlin deutlich begrüsst.»

Das Möhliner Nein zur Testplanung habe nun allerdings «eine klare Signalwirkung in Richtung Aarau», befürchtet Böni. «Die Wahrscheinlichkeit, dass ein anderer Standort berücksichtigt wird, ist immens gestiegen.» Im Rennen sind auch Stein und Frick.

Eine Ansiedlung der Schule auf Möhliner oder Rheinfelder Boden hält er unter diesen Umständen für «unrealistisch, selbst wenn von Seiten des Kantons politische Instrumente bestünden». Ob es eine sinnvolle Möglichkeit gibt, die Schule nur auf Rheinfelder Boden zu bauen, muss geklärt werden. Wobei zumindest ein gewisser zeitlicher Druck besteht: Die Schule muss spätestens 2029 in Betrieb gehen. Der Standortentscheid des Kantons soll 2021 fallen.

Die Ortsparteien prüfen ein Referendum

In einem ersten Schritt werden nun die beiden Verwaltungen und Gemeinderäte das Resultat analysieren und besprechen, auch gemeinsam. «Wir haben weiterhin offene Ohren und suchen das Gespräch. Letztlich sind wir – bleibt es bei diesem Entscheid – aber auf das Wohlwollen der Rheinfelder Verantwortlichen angewiesen», sagt Böni. Bei den Besprechungen soll auch das weitere Vorgehen festgelegt werden. «Dazu gehören auch Gespräche mit dem Kanton bezüglich der vorgesehenen Mittelschule», sagt Franco Mazzi. Ebenso sind Gespräche mit den Schweizer Salinen als hauptsächliche Landeigentümerin und Mitfinanziererin der Testplanung vorgesehen. Für das weitere Vorgehen eine gewichtige Rolle spielt, ob ein Referendum zustande kommt.

Die Befürworter des Geschäfts zeigen sich diesbezüglich mehr als offen. «Aufgrund des knappen Ergebnisses werden wir das prüfen», sagt SVP-­Präsidentin Désirée Stutz. Gleich tönt es bei GLP und der FDP. «Das Thema hat schliesslich eine grosse Bedeutung für die Zukunft der Region», sagen GLP-Co-Präsident Dominik Pfoster und Martin Frana von der FDP. Über das Wochenende wollen sich die Befürworter nun absprechen und einen Entscheid fällen. Rund 680 Unterschriften müssten sie bis zum 12. Oktober sammeln.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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