Wahlen im Herbst

Der Nachhaltige: Wofür sich Grünen-Grossrat Andreas Fischer stark machen will

Andreas Fischer (links) lancierte zusammen mit anderen Politikern und Verbandsvertretern im letzten Frühjahr die Aargauische Klimaschutzinitiative zur CO2-Reduktion im Gebäudebereich.

Andreas Fischer (links) lancierte zusammen mit anderen Politikern und Verbandsvertretern im letzten Frühjahr die Aargauische Klimaschutzinitiative zur CO2-Reduktion im Gebäudebereich.

Andreas Fischer (Grüne) aus Möhlin will einen Kanton, an dem sich auch seine Kinder noch erfreuen können. Dafür will er sich künftig starkmachen.

Andreas Fischer geht den Dingen gerne auf den Grund. Das gilt im Beruf – Fischer ist Archäologe und leitet den Bereich Archive und Öffentlichkeitsarbeit bei der Archäologie Baselland – und in der Politik. Hier sitzt Fischer seit fünfeinhalb Jahren für die Grünen im Grossen Rat und setzt sich für einen «zukunftsfähigen, nachhaltigen Aargau» ein, einen Kanton, «an dem sich auch meine Kinder noch freuen können». Fischer ist Vater von drei Kindern und lebt in Möhlin.

An diesem Zukunftskanton möchte der 42-Jährige weiter mitarbeiten – und tritt im Herbst bei den Grossratswahlen wieder an. Anders als einige seiner Ratskollegen legt sich Fischer auch in Sachen Amtszeit bereits fest: Er beabsichtige die volle Legislatur, also bis Ende 2024, zu machen, sagt er der AZ.

Über die laufende Amtsperiode, die noch bis Ende Jahr dauert, zieht Fischer gesamtkantonal eine durchzogene mässige Bilanz. Die letzten drei Jahre seien von zahlreichen Abbaumassnahmen geprägt gewesen, «was in vielen Bereichen zu einem wahren Stillstand geführt hat». Der Kanton sei dadurch in vielen Bereichen ins Hintertreffen geraten, ist Fischer überzeugt und nennt als Beispiele die Bildung und den Umweltschutz respektive den Kampf gegen den Klimawandel.

Dass viele Entscheide nicht nach seinem Gusto ausfallen, hängt auch damit zusammen, dass die Grünen nur 10 der 140 Sitze im Grossen Rat besetzen. Als Mitglied einer kleinen Fraktion am linken Rand des Parlamentes könne die Arbeit «manchmal sehr frustrierend sein», sagt Fischer. Er habe oft erlebt, dass seine Ideen und die seiner Partei ohne grosse Diskussionen – «wohl einfach aufgrund des Absenders» – abgelehnt worden sein.

Keinen Erfolg hatte Fischer unter anderem mit Vorstössen, die eine stärkere und kritische Kontrolle der alten Atomkraftwerke in Beznau und Leibstadt durch den Kanton forderten. «Ich kann nur hoffen, dass uns dies nicht irgendwann um die Ohren fliegt», warnt Fischer.

In den Ohren liegen die Fricktaler Grossräte derweil jeweils geschlossen der Regierung, wenn es um regionale Anliegen geht. Der Zusammenhalt sei parteiübergreifend sehr gut, bilanziert Fischer. Dies spiegle sich auch in den zahlreichen gemeinsam eingereichten Vorstössen. «Dafür werden wir von anderen Regionen oft beneidet.»

Mittelschule für das Fricktal ist ein Erfolg

Für Fischer der grösste Fricktaler Erfolg in der laufenden Legislaturperiode war der Entscheid der Regierung, im Fricktal eine Mittelschule zu ­planen. Dass die Regierung diese «Lücke in der Schullandschaft», wie er es nennt, nun endlich schliesse, führt er nicht zuletzt auf die gemeinsame Interpellation vom Mai 2018 zu der angekündigten Schliessung des Gymnasiums Muttenz zurück.

Auch den Erhalt der beiden Fricktaler Regionalspitäler in Laufenburg und Rheinfelden führt Fischer nicht zuletzt auf das Zusammenstehen der Fricktaler Grossräte zurück. Diese Wir-Identität zeigten die Grossräte ebenfalls beim Tarifverbund Nordwestschweiz. Hier wollte die Regierung die finanzielle Beteiligung kappen, worauf die Fricktaler Grossräte, unterstützt von Herbert Lützelschwab aus Zeiningen und seiner Petition, auf die Barrikaden stiegen und siegten. Der Kantonsbeitrag blieb im Budget.

Beim Berufsbildungszen­trum Fricktal (BZF) kam nicht ganz heraus, was die Fricktaler wollten. Das BZF bleibt zwar erhalten, verliert aber die gewerblich-industriellen Berufe. Es behält die kaufmännischen Berufe und wird neu zur Aussenstation der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales in Brugg. Es sei zumindest gelungen, eine Schliessung zu verhindern, sagt Fischer und mahnt: «Man wird hier aber sicher die Entwicklung verfolgen müssen.»

Alles in allem steht das Fricktal für den Grünen «nicht schlecht da», vieles ist, könnte man sagen, im grünen Bereich. Eine orange Karte gibt er jedoch dem Kanton: Das Fricktal «dürfte auf der anderen Seite des Kantons durchaus mehr Beachtung finden», ist er überzeugt.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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