Sulz/Gansingen

Der «Pfingstsprützlig» fällt dieses Jahr ins Wasser

Der «Pfingstsprützlig» ist ein alter Brauch.

Der «Pfingstsprützlig» ist ein alter Brauch.

Der Brauch in Sulz und Gansingen muss wegen Corona pausieren.

Der «Pfingstsprützlig» landet eigentlich jedes Jahr im Wasser. Ein Brauch will es, dass jeweils am Pfingstsonntag eine in Laub gehüllte Gestalt von Dorfbrunnen zu Dorfbrunnen zieht. Der «Pfingstsprützlig», wie die Gestalt genannt wird, soll durch das Wasserspritzen für Fruchtbarkeit und eine gute Ernte sorgen. Der Brauch war einst wohl im ganzen Fricktal bekannt, wird heute aber nur noch im Laufenburger Ortsteil Sulz sowie in Gansingen gepflegt. Dieses Jahr aber landet der «Pfingstsprützlig» nicht im Wasser – er fällt ins Wasser. An beiden Orten musste der Anlass wegen der Coronapandemie abgesagt werden.

Die am Mittwoch bekannt gegebenen Lockerungen des Bundesrats ändern daran nichts mehr. «Wir wissen nun zwar, dass wir ab dem 6.Juni wieder Veranstaltungen durchführen dürften. Dies war jedoch zum Zeitpunkt der Absage noch nicht klar, weshalb wir keine Verschiebung planen konnten», erklärt Benjamin Leu von der Jugendgruppe Gansingen/Oberhofen, die für die Organisation in Gansingen zuständig ist. Ausserdem, so Leu, «sollte die Veranstaltung nur an Pfingsten stattfinden, da die Tradition so stark mit dem Feiertag verbunden ist». Gleich tönt es in Sulz, wo Mitorganisator Dave Obrist sagt: «Der Pfingstsprützlig ist ein Brauch, der explizit am Pfingstwochenende stattfindet und somit war für uns die Entscheidung schnell klar.»

Im nächsten Jahr dann doppelt motiviert

Leicht gefallen ist die Entscheidung allerdings nicht. Schliesslich ist die Zeremonie nicht nur für die teilnehmenden Jugendlichen ein Highlight, sondern auch für die Dorfbevölkerung und zahlreiche Besucher von auswärts. «Als Sulzer fiebert man regelrecht auf das Pfingstwochenende hin», sagt Obrist. «Es ist schade», findet auch Leu. «Wir sehen jedoch die Notwendigkeit ein.»

Sorgen machen müsse sich bezüglich Fruchtbarkeit und Ernte aber niemand, glauben die Organisatoren. Auch wenn die Zeremonie ausfällt. «Ich denke, der Geist des ‹Pfingstsprützligs› drückt dieses Jahr ein Auge zu und beschert uns trotzdem eine gute Ernte», sagt Obrist. Er kündigt ausserdem an, dass der «Pfingstsprützlig» dafür nächstes Jahr «doppelt motiviert mit seiner Schöpfkelle die Brunnen leeren wird». Genau so tönt der Plan auch in Gansingen.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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