Der neue «Rebstock»-Wirt heisst Samet Rustemi. Der gebürtige Mazedonier, der seit zehn Jahren Schweizer ist und seit 17 Jahren auf dem «Hirschen» in Gipf-Oberfrick wirtet, wird die Fricker Traditionsbeiz am 1. Oktober übernehmen. Der «Rebstock» wird damit in eine Pizzeria umfunktioniert. Neben der italienischen Küche will Rustemi auch gutbürgerliche Schweizer Gerichte anbieten.

Die Resonanz auf den neuen «Rebstock»-Wirt fällt mehrheitlich positiv aus. «Es ist gut, dass der ‹Rebstock› ein Restaurant bleibt und im Herbst wiedereröffnet wird», sagt Franziska Bircher, Präsidentin von Gewerbe Region Frick-Laufenburg. Es sei wichtig, dass die Hauptstrasse weiter belebt werde. Rustemi selber räumt sie gute Chancen ein, dass er den «Rebstock» zum Laufen bringt. Zum einen, weil er in der Region bereits einen Namen habe und ihm die Stammkundschaft sicher treu bleibe. Zum anderen «funktioniert die italienische Küche generell gut».

Damit nimmt Bircher jenen Kritikern den Wind aus den Segeln, die sagen: «Noch eine Pizzeria!» Ähnlich sieht es Martina Welti, die zusammen mit Philipp Weiss Fricks Monti führt. «Italienisch isst man immer gerne», ist sie überzeugt. «Die italienische Küche ist in der Schweiz breit abgestützt und funktioniert.»

Pächter für «Hirschen» gesucht

Bleibt die Frage: Braucht die Region eine weitere Pizzeria oder kommt es langsam, aber sicher zu einem «Pizzeria-Overkill»? Denn eines scheint klar: Der «Hirschen» wird auch nach dem Weggang von Rustemi eine Pizzeria bleiben. Dies bestätigt «Hirschen»-Eigentümer Anton Rebmann gegenüber der az. Er habe bereits zwei oder drei Interessenten, sagt der Unternehmer aus Kaisten. Sein Ziel ist es, dass der «Hischen» nahtlos weiterbetrieben wird. In Gipf-Oberfrick hört man das gerne. «Für die Gemeinde ist wichtig, dass der ‹Hirschen› ein Restaurant bleibt», sagt Gemeindeschreiber Urs Treier.

Ob es damit in absehbarer Zeit zu einem Pizzeria-Overkill rund um Frick kommt, kann Martina Welti nicht beurteilen. Der Markt werde sich selber regulieren, ist sie überzeugt. Rustemi beschreibt sie als guten und sympathischen Geschäftsmann, der in Gipf-Oberfrick gezeigt habe, dass er wirten könne. «Ich freue mich, dass jemand den ‹Rebstock› übernimmt, der sein Metier versteht», sagt Welti. Sie ist überzeugt: «Es hat für alle Platz.» Man werde gut aneinander vorbeikommen, «auch wenn der Markt natürlich nicht grösser wird».

Ebenso beurteilt es Markus Kunz, der gleich vis-à-vis dem «Rebstock» sein Café betreibt. «Wir ergänzen uns gut», ist er überzeugt. Für Frick sei es «super», so Kunz, dass der «Rebstock» wieder ein Gasthaus werde. Dass aus dem «Rebstock» eine Pizzeria wird, stört auch ihn nicht. Zum einen werde Rustemi ja auch Schweizer Gerichte auf der Karte haben, so Kunz. Zum anderen «funktioniert die italienische Küche in der Schweiz besser als viele andere Angebote». Hart könnte es, so schätzt Kunz, für andere Pizza-Anbieter werden. Denn die Lage des «Rebstocks» sei optimal.

Was Kunz etwas stört, ist die «eher generöse Pacht», wie er es nennt. Der Wirt muss der Gemeinde, die den «Rebstock» im Dezember 2015 für 1,65 Millionen Franken gekauft hat und ihn nun für 1,27 Millionen saniert, pro Monat 5000 Franken Pachtzins zahlen. Er möge Rustemi diesen tiefen Zins gönnen, sagt Kunz, «auch wenn es den Markt etwas verzerrt».

Das sieht Gemeindeschreiber Michael Widmer anders; er glaubt nicht, dass der Zins marktverzerrend ist. Der Gemeinderat habe die Pacht zusammen mit einem Gastroexperten festgelegt, sagt Widmer. «Die Gemeinde will durchaus eine Rendite erzielen. Aber dem Gemeinderat ist es auch wichtig, dass der Wirt leben kann», so Widmer.