Corona-Virus

Der Schliessungsentscheid wird zum Stresstest für die Schulen im Fricktal

Ein Schulgebäude in Möhlin. (Archivbild)

Ein Schulgebäude in Möhlin. (Archivbild)

Nach dem Schliessungsentscheid starten die Schulen heute mit der Notfallbetreuung – die Ausgestaltung ist noch offen.

Überrascht war Urs Ammann schon, als am Freitag der Bund anordnete, dass an den obligatorischen Volksschulen der Präsenzunterricht bis zu den Frühlingsferien eingestellt wird und der Kanton verlauten liess, dass die Schulen für ein Betreuungsangebot zu sorgen haben. «Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch», sagt der Gansinger Primarschulleiter hinsichtlich der angeordneten Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus.

Zum einen, so Ammann, müsse man ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen mit allen Mitteln vor der Ansteckung schützen, andererseits seien die Kontakte der Kinder, die sie untereinander pflegen, nicht zu vernachlässigen. «Ich habe mehrere Nachrichten von Schülern bekommen, in denen sie sich fragen, wann sie denn ihre Mitschüler wieder sehen können», sagt Ammann.

Auch Markus Obrist, Schulleiter der Primarschulen in Sisseln und Münchwilen, hat nicht damit gerechnet, dass die Schulen ab heute geschlossen sind. «Wir haben nach der Nachricht umgehend damit begonnen, die Eltern zu informieren», sagt er. Dabei habe man gemerkt, dass man noch nicht so gut digitalisiert sei. Zwar habe man einige Eltern per E-Mail informieren können, dennoch waren Whatsapp-Nachrichten, Telefonate und Briefe notwendig, um ein vollständiges Erreichen aller Eltern sicherzustellen.

Gegenüber den Eltern habe man kommuniziert, dass sich die Notfallbetreuung ausschliesslich an Kinder richtet, deren Eltern an einzelnen Tagen keine private Notfallbetreuung zur Verfügung stehen haben, so Obrist. Kontrollieren, ob dies auch tatsächlich der Fall ist, würde die Schule nicht, sofern man nicht das Gefühl bekomme, dass das Angebot ausgenutzt werde. «Schliesslich geht es ja auch darum, dass so wenig wie möglich in die Schule kommen, damit die Schutzmassnahme Wirkung zeigt», so Obrist. Bei der Betreuung der Kinder durch die Lehrpersonen gebe es in der Gestaltung eine Menge Möglichkeiten. Die Kinder können etwa in der Bibliothek lesen, Gesellschaftsspiele machen, Theater spielen oder sich sportlich betätigen – «jedoch ohne Körperkontakt», sagt Obrist.

Betrieb muss sich erst ­einpendeln

Die Schule Möhlin – rund 1500 Schüler werden in sechs Schulhäusern und 13 Kindergärten unterrichtet – hat seit Samstag ein Online-Tool eingerichtet, in dem Eltern ihre Kinder zu Betreuung anmelden können. «Wir wissen noch nicht, wie viele Schülerinnen und Schüler kommen werden und wie viel Personal wir in den nächsten drei Wochen benötigen», sagt Astrid Zeiner, Schulleiterin Steinli. So müsse sich der Betrieb im Laufe der nächsten Tage erst einpendeln.

Klar ist jedoch, dass sich während der Betreuungszeiten nie mehr als zehn bis zwölf Personen in einem Raum aufhalten werden, sagt Zeiner, die nachschiebt, dass die Betreuung – sofern es das Wetter zulässt – im Freien stattfindet. Zeiner geht davon aus, dass es weniger die Schüler aus der Oberstufe sein werden, sondern eher diejenigen aus der Primarstufe, die betreut werden müssen. Falls aus der Primarstufe das Lehrpersonal für die Betreuung nicht ausreiche, könne man etwa Lehrern der Oberstufe Betreuungsaufgaben übertragen, so Zeiner. «In dieser Krise stehen die Lehrer der Schule solidarisch zusammen.» Lehrer, die aufgrund ihres Alters oder Konstitution zur Corona-Risikogruppe gehörten, würden jedoch keine Betreuungsaufgaben übernehmen.

Geistigen Stoff für Schüler bereithalten

Für Ammann ist es wichtig, dass sich die Schüler fernab des regulären Unterrichts mit geistigem Stoff beschäftigen. «Klar ist, dass kein neuer Stoff vermittelt werden darf, eine Frage ist aber, inwiefern denn der bisherige Stoff auf Basis der Freiwilligkeit geübt oder vertieft werden kann und darf», so Ammann. Diese Frage soll unter anderem heute im Kreis der Schulleiter der Kreisschule Regio Laufenburg diskutiert werden.

Enerviert hat sich Ammann ein wenig über die Stimmen, die da behaupteten, die Schliessung der Schulen sei ja für die Lehrer eine ganz angenehme Sache. Das Gegenteil ist der Fall, versichert Ammann. «Die Lehrer wünschen sich, wieder ganz normal unterrichten zu dürfen. Sie wollen den Alltag so schnell wie möglich zurückhaben.»

Autor

Dennis Kalt

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