Verkehr

«Der Strassenbelag ist lebensgefährlich»: Obermumpfer bemängelt Strassenbau – das sagt der Kanton

Ein Einwohner beschwert sich über den Strassenbelag zwischen Mumpf und Obermumpf – dieser sei brandgefährlich. Der Kanton weiss um die Problematik und prüft Massnahmen.

Er versteht die Schweiz nicht mehr. «Dass auf der Kantonsstrasse zwischen Mumpf und Obermumpf keine Leitplanke gebaut werden darf, ist das eine», ärgert sich der Obermumpfer. «Aber der Strassenbelag ist aus meiner Sicht für alle Verkehrsteilnehmer lebensgefährlich.»

Was den Hauswart, der fast täglich auf der Kantonsstrasse zwischen Mumpf und Obermumpf unterwegs ist, derart in Rage bringt: Auf einem rund 300 Meter langen Teilstück endet der Strassenbelag abrupt und mit einer steilen Kante. Mehr als fünf Zentimeter tiefer folgt dann ein zweiter Belag, der bis zu den Betonriegeln und den Randleitpfosten reicht. Dieser Bereich zwischen Strasse und Strassenrand nennt man Strassenbankett. «Zum Teil beträgt der Niveau-Unterschied bis zu zehn Zentimeter», hat der Obermumpfer nachgemessen und belegt es mit Fotos.

Im Auto sehe man die Kante nur schlecht, gerade auch nachts und bei Regen, hat er selber festgestellt. Und: «Wenn jemand mit dem Auto über die Kante hinauskommt, hat er unter Umständen Mühe, sein Fahrzeug überhaupt wieder auf die Strasse zurückzubringen», glaubt er und erzählt von auf einem Fall in der Region, bei dem ein Lieferwagen über eine ähnlich steile Kante hinausgekommen ist und dann mit einem Traktor zurück auf die Strasse gezogen werden musste.

Velofahrer an den Rand gedrängt

Aber auch für die Velofahrer sei die Situation «brandgefährlich». «Weil der Autofahrer den Niveauunterschied nicht sieht, besteht die Gefahr, dass er den Velofahrer zur Seite drängt.» Stürze seien so programmiert. Der Rennrad-Fahrer schüttelt den Kopf. «Auf meinen 160 000 Velokilometern in ganz Europa ist mir noch nirgends eine so gefährliche Situation begegnet.»

Beim Kanton weiss man um die Problematik – und verspricht Besserung. «Wir sind uns bewusst, dass die Situation für die Radfahrenden nicht optimal ist», sagt Kreisingenieur Stefano Donatiello auf Nachfrage der AZ. Die Strecke zwischen Mumpf und Obermumpf sei für die Radfahrenden ohnehin gefährlich. «Aus diesem Grund hat der Kanton in Zusammenarbeit mit den Gemeinden vor ein paar Jahren eine rückwärtige Radwegverbindung von Mumpf via Obermumpf bis nach Schupfart realisiert.»

Dies sei ein Grund, weshalb dem Randabschluss in der Projektierung zu wenig Beachtung geschenkt wurde, so Donatiello. «Uns ist in der Zwischenzeit auch bewusst, dass es mit diesem Absatz zu gefährlichen Situationen kommen kann und wir werden eine Möglichkeit zur Verbesserung der Situation prüfen.» Konkret prüfe man derzeit eine Möglichkeit, um die Situation für die Radfahrenden zu entschärfen.

Randlinie kommt noch

Eine Verbesserung der Situation verspricht sich Donatiello auch vom Anbringen der Randlinie, die derzeit noch fehlt. Das werde den Verkehrsteilnehmern den Strassenverlauf auch bei Dunkelheit besser signalisieren und dafür sorgen, dass sie den Randabschnitt besser als Bankett wahrnehmen.

Zwei Fragen bleiben allerdings: Weshalb nimmt man, erstens, überhaupt eine derart steile Kante in Kauf, die der rennradbegeisterte Obermumpfer schlicht als «wahre Katastrophe» bezeichnet? In der Regel werde das Strassenbankett mit Mergel ausgeführt und liege rund drei Zentimeter tiefer als der Deckbelag, erklärt der Kreisingenieur.

Ursprünglich habe die Strasse in der Projektierung ein anderes Gefälle gehabt, deshalb sei der Bankettriegel nun an gewissen Stellen rund zehn Zentimeter tiefer als der Strassenbelag. «Weil die Strasse in diesem Strassenabschnitt ein starkes Längsgefälle aufweist, würde der Mergel bei starken Regenereignissen ausgewaschen werden.» Deshalb habe man sich entschieden, das Bankett mit Belag zu versehen.

Und die zweite Frage: Weshalb kommt eine Leitplanke, die nicht nur der Hauswart, sondern auch andere Obermumpfer für «absolut notwendig» erachten, nicht infrage? Stefano Donatiello bestätigt, dass passive Schutzeinrichtungen schon öfters ein Thema waren. «Gemäss Norm bedarf es auf dieser Strecke mit diesem Verkehrsaufkommen und den gegebenen Geländeverhältnissen keiner weiteren Massnahmen», erklärt er und hält fest: «Eine passive Schutzeinrichtung wird es nicht geben.»

Reagiert hat der Kanton aber gleichwohl. «Wir haben an gewissen Stellen die Abstände der Randleitpfosten verringert, damit auch nachts die Linienführung der Strasse zusammen mit der Randlinie besser ersichtlich ist.»

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