Prozess

Der Volg-Räuber, der mit einem Deo und zwei Pack Zigaretten flüchtete

Der Volg in Hornussen: Hier versuchte der junge Mann im Juli 2012 sein Glück als Räuber. (Archiv)

Der Volg in Hornussen: Hier versuchte der junge Mann im Juli 2012 sein Glück als Räuber. (Archiv)

Vor drei Jahren versucht ein damals 22-jähriger Deutscher, den Volg in Hornussen zu überfallen. Doch das ging schief. Nun stand er, der damals unter Drogeneinfluss war, vor dem Bezirksgericht Laufenburg.

Als die Polizei ihn wenige Minuten nach dem Überfall stoppte, hatte David C. (Name geändert) die Beute noch bei sich: ein Deo und zwei Packungen Zigaretten. «Als sie Nein zur Geldherausgabe gesagt hat, war ich dermassen perplex, dass ich fluchtartig den Laden verlassen habe.»

Mit sie meint der junge Mann, der sich vor dem Bezirksgericht Laufenburg verantworten muss, die Verkäuferin des Volg in Hornussen. Jenes Geschäfts, das er am frühen Abend des 20. Juli 2012 überfallen hat.

Aufrecht sitzt der Angeklagte auf dem Stuhl. Die Füsse in den zu grossen Clogs bleiben trotz mehrstündiger Verhandlung immer am gleichen Fleck. Er wirkt ruhig und gefasst. Die Anspannung wird dann und wann bemerkbar, wenn er die angewinkelten Arme auf die Tischplatte fallen lässt, sich mit den Händen über das Gesicht streicht.

«Ich kannte Hornussen nicht»

Nach einer ziellosen Autofahrt, an die er sich nach eigenen Angaben wegen Drogen nur bruchstückweise erinnert, hielt er vor dem Volg in Hornussen an «Ich war vorher noch nie in Hornussen, kannte es nicht.»

Der Angeklagte ist Deutscher, lebte bis zu seiner Verhaftung im Raum Lenzburg. Er war von einer Temporärfirma angestellt, verfügte über die Aufenthaltsbewilligung L.

Es stimme nicht, wie in der Anklageschrift festgehalten, dass er die Verkäuferin angeschrien habe. «Sie hat mich, als ich ‹Überfall› gesagt habe, nicht verstanden. Deshalb wiederholte ich es nochmals und lauter.»

Er habe auch nicht den Eindruck vermittelt, dass er in seiner Jackentasche eine Waffe oder ein Messer dabei habe, so der Beschuldigte weiter. Hingegen bestreitet David C. auf Nachfrage von Gerichtspräsident Beat Ackle nicht, dass er zum Zeitpunkt des Überfalls unter dem Einfluss von Kokain gestanden habe.

Das habe er auch während der Fahrt konsumiert. Drogen, vielmehr das dafür benötigte Geld, hätten ihn ja zum Überfall auf das Hornusser Geschäft bewogen. Der Entschluss dazu sei während seiner Fahrt entstanden.

«Fast stündlich», antwortet der junge Mann auf die Frage, wie oft er Drogen konsumiert habe. Und ja, auch während der Arbeit, gemeinsam mit Kollegen.

Erhalten habe er die Drogen von einem Bekannten. Mit diesem, ebenfalls temporär angestellten Mann, habe er Kurierfahrten nach Dortmund und Freiburg unternommen.

In seiner Ersteinvernahme hat sich der Angeklagte selbst schwer belastet, indem er zu Protokoll gab, dass er nebst dem Bedarf für den Eigenkonsum auch Betäubungsmittel in grösseren Mengen für den Verkauf über die Grenze gebracht habe. Die Aussage bezüglich Verkauf widerrief er später.

Der deutsche Kollege hingegen habe mit den Drogen in der Schweiz gedealt. Gerichtspräsident Ackle wollte vom Staatsanwalt erfahren, ob gegen diesen Bekannten ermittelt beziehungsweise eine Fahndung eingeleitet worden war. Der Staatsanwalt verneinte.

Zu seinen Falschaussagen bei der Ersteinvernahme erklärte der Beschuldigte, dass er unter psychischen Problemen litt, auch bereits mehrere Suizidversuche hinter sich habe. Und er wollte gestoppt werden. «Ich war damals einfach froh, aus dem Verkehr gezogen zu werden. Meinem extensiven Konsum musste endlich ein Ende gesetzt werden.»

David C. bedauerte seine Tat, entschuldigte sich dafür. Unterstützung und Kraft erhält er von seiner Schweizer Freundin. Mit ihr ist er seit zwei Jahren zusammen. Sollte er, wie dies auch Gerichtspräsident Ackle als Möglichkeit in Betracht zog, vom Amt für Migration nach seiner Haftverbüssung ausgewiesen werden, so würde die Freundin mit ihm kommen.

David C. verhehlte nicht, dass er zum heutigen Zeitpunkt den totalen Entschluss, ganz von den Drogen zu lassen, noch nicht fassen konnte. Er bat deshalb auch darum, das Angebot einer weiteren, strengen stationären Therapiemassnahme nutzen zu können.

Das Urteil

Vier Jahre und sechs Monate Gefängnis, unter anderem wegen Raubüberfall, Führen eines Fahrzeuges unter Betäubungsmitteleinfluss, Konsum und Einfuhr von Betäubungsmitteln für deren Verkauf, hatte die Staatsanwaltschaft gefordert.

Das Laufenburger Bezirksgericht sah den Tatbestand der Einfuhr von Drogen für den Verkauf als nicht bewiesen an. Auch handle es sich nicht um einen Raubüberfall, sondern um versuchten Raub. Gerichtspräsident Ackle betonte hierbei aber, dass dies keine Bagatelle sei.

Der Angeklagte hat bisher keine Vorstrafen in der Schweiz. In Deutschland nur eine wegen Sachbeschädigung. Das Gericht setzte die Strafe mit drei Jahren Gefängnis sowie 500 Franken Busse plus Verfahrenkosten fest.

Durch den vorzeitigen Massnahmenvollzug hat David C. bereits ein Grossteil seiner Strafe abgesessen. Mit der Weiterführung – der nun freiwilligen – stationären Therapiemassnahme will er sein Leben und seine Zukunft in die richtige Bahn lenken. «So, wie ich war, möchte ich nicht mehr werden.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1