Gipf-Oberfrick

«Die Baute ist eine völlige Fehlkonstruktion»

RollhockeyPLATZ IN gIPF-oBERFRICK

Zur Lärmsenkung bekommt der Rollhockeyplatz in Gipf-Oberfrick neue Banden.

RollhockeyPLATZ IN gIPF-oBERFRICK

Beim Dach des Rollhockeyplatzes war an der Gemeindeversammlung Feuer im Dach: Die Frage, wie der Lärmpegel für die Anwohner gesenkt werden kann, sorgte für eine lange Diskussion. Dabei war auch von einer Fehlplanung und einer Fehlkonstruktion die Rede. Schliesslich entschied die Versammlung, (vorerst) nur die Banden zu erneuern.

Gipf-Oberfrick ist eine Hochburg im Rollhockeysport. Die erste Mannschaft spielt in der Nationalliga B. Auf den Club, der 50 bis 60 aktive Spieler hat, sind die Gipf-Oberfricker stolz – und stimmten 2006 dem Bau eines Rollhockeyplatzes ebenso zu wie 2014 dessen Überdachung. Kostenpunkt für Platz und Dach: Knapp 600 000 Franken, woran sich Rollhockeyclub und Sportfonds mit rund 200 000 Franken beteiligten.

Doch mit dem Dach kamen auch die Probleme. Stieg der Lärm, den der Ball beim Aufprall an die Baden verursacht, vorher in den Himmel, wird er nun abgelenkt – direkt in die Häuser der, inzwischen genervten, Anwohner. «Wir haben manchmal das Gefühl, wir wohnen neben einem Schiessstand», beschrieb ein Anwohner am Freitag an der Gemeindeversammlung den Lärmpegel und ein anderer sagte: «Draussen kann man sich bisweilen nicht unterhalten.» Der Lärm liege teilweise weit über den gesetzlichen Grenzwerten.

Die Anwohner reichten daraufhin bei der Gemeinde eine Lärmimmissionsklage ein. Diese wurde nach ersten Messungen abgewiesen, nach weiteren Messungen und Expertisen dann aber doch zugelassen. Der Gemeinderat prüfte daraufhin verschiedene Varianten. Die Einfachste und Kostengünstigste ist der Ersatz der Banden. So kann der Lärmpegel um fünf bis zehn dBA gesenkt werden. Mit baulichen Massnahmen, die allerdings nur im Gesamtpaket wirken, oder mit einer Volleinwandung der Halle könnten die Lärmimmissionen zwar weiter gesenkt werden – doch zu Kosten von 450 000 bis 750 000 Franken, was Gemeinderätin Verena Buol am Freitag als «unverhältnismässig» taxierte. Der Gemeinderat beantragte deshalb, lediglich die Banden zu erneuern, danach weitere Messungen vorzunehmen und, gegebenenfalls, dann weitere Massnahmen zu prüfen.

Platz zusätzlich einzäunen

Die Anwohner, welche zumindest die baulichen Massnahmen realisiert haben wollten, erklärten sich bereit, diesen «Versuch», wie es ein Anwohner formulierte, zu wagen. Allerdings unter der Prämisse, dass der Platz zusätzlich für 20 000 Franken eingezäunt und damit für die öffentliche Nutzung geschlossen wird. Denn seit der Überdachung hat sich der Platz bei Jugendlichen zum beliebten Festplatz entwickelt. Der Platz sei zur Partyhalle mutiert, klagte ein Anwohner, oft werde noch nach Mitternacht gegrölt und laut Musik gehört. Schlaflos in Gipf-Oberfrick. Deshalb solle der Platz nur noch für den Rollhockeyclub und für die Schule zugänglich sein. Buol hielt diese Einschränkung der öffentlichen Nutzung für «vertretbar». Diese hätte man auch bei einer Volleinwandung.

In der Diskussion zeigte sich, dass in Sachen Dach wirklich Feuer im Dach ist. «Die Baute ist eine Katastrophe, eine völlige Fehlkonstruktion», urteilte beispielsweise Ignaz Heim, der im letzten Herbst ebenfalls als Gemeinderat kandidierte, bei der Wahl aber gegen Verena Buol unterlag. Nur mit einer neuen Bande lasse sich die Physik nicht austricksen, das sei reine Pflästerlipolitik. Er fragte, ob man als Lösung auch eine Bepflanzung geprüft habe, und forderte fundiertere Abklärungen. Fundierte Abklärungen seien, konterte Buol, bereits erfolgt. Eine Lärmschutz-Bepflanzung erachtete sie als schwierig, zumal man ja schon eine Hecke gepflanzt habe. «Im Winter hat sie leider keine Blätter.» Sie machte zudem nochmals klar: «Vom Lärm wurden wir nach der Überdachung alle überrascht.»

Dies wiederum liess einen anderen Votanten daran anzweifeln, ob die Planer wirklich Ahnung von dem gehabt haben, was sie gebaut haben. Nachdem dann auch noch Christian Consoni, Präsident des Rollhockeyclubs, erklärte, dass das Dach nur bedingt wirke – es regnet nämlich trotz Dach rein –, war das Unverständnis bei den 109 Anwesenden (von insgesamt 2496 Stimmberechtigten) hörbar noch grösser. Man solle prüfen, ob man die Planer dieser Fehlbaute nicht haftbar machen könne, regte ein Votant an.

Als zweiter Streitpunkt, man kann auch sagen: als zweiter Steilpass in den Sturm entpuppte sich die Frage der öffentlichen Nutzung. Diese sei sowohl beim Bau des Platzes wie des Daches ein wichtiges Argument gewesen, dass die Stimmberechtigten den Baukredit gesprochen hätten, wandte Christoph Zehnder, Präsident der Finanzkommission, ein. Die Kommission unterstütze deshalb den Zusatzantrag, den Platz einzuzäunen, nicht. «Die Gemeinde hat zusammen mit den neuen Banden fast eine halbe Million Franken ausgegeben – und die Allgemeinheit kann den Platz nur noch beschränkt nutzen.» Das gehe nicht und Einschränkungen bei der Benutzung könne der Gemeinderat auch mit richterlichen Verboten regeln.

Banden beschädigt

Diese Haltung wiederum stiess bei andren auf wenig Verständnis. Mit der öffentlichen Nutzung habe man damals Anlässe der Gemeinde gemeint «und sicher nicht das, was jetzt abgeht». Was abgeht, schilderten Clubmitglieder: Beschädigte Banden, verschmutzte Spielfläche, demolierte Beleuchtung.

Die Diskussion, bei der man sich zeitweise in den Wahlkampfmodus zurückversetzt fühlte, war lang und wurde teilweise emotional geführt. Nach rund einer Stunde Diskussion sagte ein hörbar aufgewühlter Anwohner, man sei bereit, einen Kompromiss einzugehen. Wenn dieser nicht ergriffen werde, scheue man sich nicht davor zurück, nach Aarau zu gehen und die Gerichte entscheiden zu lassen.

In der Abstimmung, wo drei Anträge gegeneinander ausgemehrt wurden, setzte sich schliesslich der «Antrag plus» durch: Die Banden werden erneuert und der Platz wird zugleich eingezäunt.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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