Anfang April sprachen die Fricktaler Landwirte von einem frühen Kirschenjahr. Dank warmer Temperaturen und viel Sonne setzte die «Chriesibluescht» zwei Wochen früher ein als im vergangenen Jahr – mindestens. Auch im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt könne von einem «frühen Jahr» gesprochen werden, bestätigte Othmar Eicher, beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg verantwortlich für Obstbau, damals den Eindruck der Produzenten.

Jetzt, gut zweieinhalb Monate später, sieht es schon wieder ganz anders aus. «Inzwischen sind wir eher etwas im Verzug», sagt etwa Adrian Schreiber, Landwirt in Wegenstetten. Und auch bei Hansruedi Burkart in Obermumpf tönt es so. Das kühle und regnerische Wetter der vergangenen Wochen habe die «Bluescht» sowie die Wachstums- und Reifezeit der Kirschen etwas verzögert. Die ganz frühen und frühen Sorten erreichen nun in diesen Tagen die Erntereife. In rund einer Woche könne er mit der Ernte beginnen, sagt Burkart.

Ernte leicht über Durchschnitt

«Schweizweit gehen die Produzenten von einer Ernte aus, die rund fünf Prozent über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegt», sagt Othmar Eicher. Ausfälle gebe es auch im Fricktal nur vereinzelt und sehr lokal zu beklagen – dort, wo die Kirschblüten und jungen Früchte gerade der späteren Sorten unter dem Frost gelitten haben. Anders als im schlimmen Frühling 2017 mit den enormen Frostschäden habe es dieses Jahr allerdings keinen Polarfrost sondern einen Strahlungsfrost gegeben, erklärt Eicher. Kann der Polarfrost – er entsteht durch eine Wetterlage mit Zufuhr polarer, bisiger Kaltluft – flächendeckend für grosse Schäden sorgen, trifft der Strahlungsfrost meist nur einzelne Gebiete. «Dieser tritt vor allem lokal in Mulden oder Senken auf», sagt Eicher.

Er geht daher davon aus, dass es auch im Fricktal eine gute Kirschenernte gibt. Tatsächlich: Auch die Fricktaler Kirschenproduzenten erwarten eine durchschnittliche bis gute Ernte. Sowohl, was die Menge als auch was die Qualität angeht. Der Behang sei zwar nicht ganz so gross wie im vergangenen Jahr, dafür aber seien die einzelnen Kirschen schön gross, sagt etwa Adrian Schreiber. «Es ist spürbar, dass die Bäume stets genug Feuchtigkeit hatten. Das war im letzten Jahr ganz anders.»

Im Frühsommer 2018 fehlte den Bäumen nämlich vor allem eines: Niederschlag. Die Landwirte mussten die Plantagen deshalb bewässern. Die Hitze führte damals aber auch dazu, dass die Kirschsorten allesamt fast gleichzeitig die Erntereife erreichten. «Durch die Hitze war es eine zeitlich komprimierte Ernte», sagt Eicher. Dieses Jahr hingegen geht er von einer «sieben bis acht Wochen dauernde Ernte» aus, weil nach und nach die verschiedenen Sorten reifen. Für die Produzenten sind das gute Aussichten. Einerseits, weil sie die Ernte so besser koordinieren können. Andererseits, weil sie über Wochen stets frische Ware anbieten und verkaufen können. «Das sind zwei Vorteile», sagt Adrian Schreiber.

Gefahr durch Starkregen

Das Thema Frost ist für dieses Kirschenjahr abgeschlossen. Sorgen machen müssen sich die Produzenten allenfalls noch bei Gewittern mit Starkregen oder ausgeprägten Regenfällen. Gefahr droht dann weniger von den Tropfen selber. Die meisten Kulturen sind schliesslich durch Hagelnetze oder Blachen geschützt. Vielmehr kann ein anderes Phänomen für Schäden sorgen. «Der Boden wird bei starken Regenfällen stark durchnässt. Dadurch nehmen wiederum die Bäume viel Wasser auf – und auch die Früchte», erklärt Eicher. Das kann, gerade bei den frühreifen Sorten, sogar dazu führen, dass die Kirschen aufplatzen.

Vor allem bei ungeschützten Hochstamm-Kirschen hat dieses Phänomen in den vergangenen Wochen schon zu Ausfällen geführt. Die geschützten Anlagen hingegen blieben bisher verschont. «Dadurch, dass die Anlagen gedeckt sind, lässt sich der Wasserhaushalt besser regulieren», sagt Hansruedi Burkart. Die Landwirte sind so guter Dinge, dass ihnen eine gute Erntezeit bevorsteht – wenn auch leicht später als einst erwartet.