Magden

Die letzten Stunden eines Dorfes – Freilichtspiel lässt die Geschichte wieder auferstehen

Während Hermann (Ruedi Kaiser, ganz links) die Deschliker für seine Zwecke instrumentalisiert, appelliert Hans (Erich Schweizer, ganz rechts) an Vernunft und Gerechtigkeit.

Während Hermann (Ruedi Kaiser, ganz links) die Deschliker für seine Zwecke instrumentalisiert, appelliert Hans (Erich Schweizer, ganz rechts) an Vernunft und Gerechtigkeit.

«Deschliken 1437» erzählt die Geschichte eines Dorfes, in dem sich ein Machtspiel zwischen gierigen und idealistischen Dorfbewohner abspielt. Ein eindrückliches Theatererlebnis.

Genauso neugierig wie die Freiberger Pferde, die ihre Köpfe über den nahen Zaun streckten, wartete das Publikum auf der ausverkauften Tribüne auf die Premiere von «Deschliken 1437 – Letzte Stunden eines Dorfes». Ab und zu durchdrang ein Pferdeschnauben die Stille unter den Zuschauerinnen und Zuschauern, die gespannt auf die Bühne, bestehend aus den grünen Matten und Obstbäumen des Hutgrunds, blickten.

In der Rahmenhandlung zu Beginn des Stücks führt Autor Roland Graf das Publikum zurück in das 15. Jahrhundert. Anselm, verkörpert von Roland Graf persönlich, zieht mit seiner Mutter über den Halmet, um seine Schwester zu besuchen. Bei einer Rast wird er von Halmetfeen in die Vergangenheit zurückgeführt und begegnet den Bewohnern von Deschliken, dem untergangenen Dorf.

Ungläubig darüber, ob das Gesehene Wirklichkeit oder Traum sei, erzählt er der Mutter das Erlebte. Sie konfrontiert ihn mit seinem Schicksal als einem der wenigen Überlebenden der Verschüttung Deschlikens. Sein Vater Hans spielte in den letzten Stunden des Dorfes die entscheidende Rolle.

Der Holzpreis steigt im Jahr 1437 und die Gier in der Bevölkerung, allen voran verkörpert durch Hermann, wächst stetig an. Ein Grossteil des Dorfes will den Wald auf dem Halmet fällen und das Holz gut verkaufen. Als Allgemeingut darf der Hügel nur bei Einstimmigkeit gerodet werden und es beginnt ein Machtkampf um die letzten Stimmen. Der Protagonist Hans, hervorragend gespielt von Erich Schweizer, warnt vor der Rodung und Zerstörung des Heimes der guten Halmetfeen, denen er seine Kinder geweiht hat.

«E paar Zuefäll dört, e paar schlaui Wort…»

Ruhig und gekonnt präsentierte die dreissigköpfige Truppe, bestehend aus ständigen Mitspielerinnen und Mitspielern beim Theater Magden und Schauspielern anderer Theatervereine der Region, das Stück. Keine Figur fiel ab, keine spielte die andere an die Wand. Besonders fallen die weiblichen Hauptfiguren Anna (Lili Müller), Leni (Klara Sasse) und Elisabeth (Anita Graf-Emmenegger) sowie die beiden männlichen Figuren, Hans (Erich Schweizer) und Hermann (Ruedi Kaiser) auf. Im Kontrast zum Antagonisten Hermann, macht die Figur der Leni durch ihre widersprüchlichen Gefühle gegenüber Hans eine starke Wandlung innerhalb der Geschichte durch. Diese schauspielerische Herausforderung meistert die junge Magdenerin Klara Sasse hervorragend.

Eine Augenweide war die Choreografie der drei bezaubernden Halmetfeen (Giulia Kim, Marta Sasse und Angela Vogel), Frucht einer Kollaboration mit der professionellen Tanzlehrerin Ester Croci-Steiner. Gekonnt ins Stück fügte sich die Musik ein. Während über zwei Stunden ging die Uraufführung des historischem Theaterstücks über die Bühne. Im Mittelpunkt stehen jene Triebfedern des Menschen, die sowohl im Mittelalter als auch heute gelten: aufrichtiger Glaube an das Gute, Liebe und Hoffnung einerseits, Gier nach Reichtum und Macht, verletzte Gefühle, Rachsucht und Intrigen andererseits.

«E paar Zuefäll dört, e paar schlaui Wort, und alli glaube an Häxerei», bringt es Hermann auf den Punkt. Wissend darum, dass sich Menschen, im Mittelalter wie heute, in diesem Punkt keinen Deut verbessert haben, applaudierte das Publikum nach dem eindrücklichen Ende. Die Standing Ovation am Schluss zeugte von einem gelungenen Auftakt. Nun folgen am 21., 23., 24., 25., 28., 30. und 31. August jeweils um 20 Uhr sieben weitere Aufführungen.

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