Die erste Frau an der Spitze des Kaiseraugster Gemeinderats wird wiederum durch eine Frau abgelöst. Seit Sonntagnachmittag ist klar, dass die bisherige Vizepräsidentin Françoise Moser die Nachfolge der im Frühjahr überraschend zurückgetretenen Sibylle Lüthi antritt. Moser schaffte bei der Ersatzwahl als einzige angemeldete Kandidatin 719 Stimmen – und übertraf damit das absolute Mehr von 443 Stimmen deutlich.

«Ich freue mich sehr über die Wahl», sagte Moser wenige Minuten, nachdem die Resultate bekannt wurden. Sie habe zwar schon im Vorfeld der Wahl viele positive Rückmeldungen erhalten und daher mit einem positiven Resultat gerechnet. «Ein grosses Dankeschön geht aber an alle, die mich nun tatsächlich gewählt haben. 719 Stimmen hören sich toll an.»

Respekt vor emotionaler Kritik

In die positiven Gefühle vom Sonntag mischte sich bei Moser allerdings auch etwas Wehmut über Lüthis Rücktritt. Sie habe die Arbeit in den letzten Monaten als «aufreibend und unbefriedigend» empfunden, begründete Lüthi im Frühling ihren Entscheid. «Ich kenne diese Vorgeschichte natürlich und finde das sehr schade», sagte Moser und fügte an: «Ich habe Respekt vor manchmal allzu emotional geäusserter Kritik und werde versuchen, sie möglichst gelassen entgegenzunehmen.»

Für die neue Präsidentin geht es jetzt darum, die laufenden Projekte in der Gemeinde nahtlos fortzuführen. «Es stehen unter anderem mit der Überarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung sowie dem Entscheid zum Hallenbad wichtige Geschäfte an», sagte Moser. Seit dem Bekanntwerden von Lüthis Rücktritt hätten die beiden «sehr eng zusammengearbeitet.» Sie sei daher bereits gut auf ihre kommende Aufgabe vorbereitet, so Moser.

Nur zu viert im Gremium

Das Amt als Präsidentin wird Moser mit einem vierköpfigen Gremium beginnen. Bei der Ersatzwahl für den fünften Sitz erreichte keiner der drei Kandidaten das absolute Mehr von 451 Stimmen. SVP-Parteipräsident Jean Frey schaffte 411, Andreas Heller (parteilos) 339 und Armin Leuppi (parteilos) 113 Stimmen.

Er sei enttäuscht, aber «nicht am Boden zerstört», sagte Frey kurz nach der Wahl. Er habe gehofft, dass es ein Kandidat schon im ersten Wahlgang schaffe, damit das Gremium nicht dezimiert starten müsse, betonte er. «Aber natürlich war klar, dass es mit drei Kandidaten im ersten Wahlgang schwierig werden würde.» Das sah auch Andreas Heller so. Er sprach von einem «keineswegs schlechten Resultat». Beide kündigten am Sonntag bereits an, beim zweiten Wahlgang am 23. September aller Voraussicht nach wieder zu kandidieren. Armin Leuppi wollte dazu hingegen noch keine Stellung nehmen. «Ich bin enttäuscht, vor allem, weil es mir nicht gelungen ist, die Wähler in der Liebrüti an die Urne zu bringen», sagte er.