Nach dem Ende der Ausgrabungen in Frick und Laufenburg ist die Kantonsarchäologie um viele Erkenntnisse reicher. Sicher lässt sich sagen: Beide Fricktaler Gemeinden waren von den Römern vom ersten bis zum dritten Jahrhundert nach Christus bewohnt. Vermutlich sind sie nicht früher gekommen, vielleicht sind sie aber länger geblieben. «Weggegangen sind die Römer an sich ohnehin nie», sagte am Samstag Kantonsarchäologe Georg Matter, der die Diskussion im Pfarreizentrum Rampart moderierte. Auf dem Podium sassen auf Einladung der Fricktalisch-Badischen Vereinigung für Heimatkunde Jakob Baerlocher, Fabio Tortoli, Beat Wigger, Luisa Galioto, Tina Lander und Peter-Andrew Schwarz.

Schmiedekunst in Frick

Baerlocher und Galioto konnten den Zuhörern am meisten Konkretes berichten. Wissen die Experten doch von den ein Jahr dauernden Ausgrabungen im Fricker Gänsacker, dass die Römer dort in mehrgeschossigen sogenannten Streifenhäusern wohnten – bis zu 23 Meter lang und mit dem Giebel zur Strasse ausgerichtet. Wohnen, Gewerbe und Handel waren darin vereint. «Über Generationen hinweg wurde dort auch Schmiedekunst betrieben,» erklärte Grabungsleiter Baerlocher. «Das wissen wir aufgrund der dort gefundenen Schlackereste.»

Wie die Römer in Laufenburg wohnten, weiss die Archäologie aber bis heute nicht. Lassen doch laut Tortoli sowohl die Grabungen 1999 im Schimelrych, als auch die vom vergangenen Jahr im Bereich Baslerstrasse keine Rückschlüsse auf die Siedlungsstruktur zu. Das hängt damit zusammen, dass die dortigen Reste aus der Römerzeit nur ganz gering mit Erdreich bedeckt und so der Erosion ausgesetzt waren. In Frick indes konnten sie die Jahrhunderte, geschützt und konserviert unter einer meterdicken Schicht, gut überdauern.

Was Laufenburg und Frick vereint und in der Archäologie als bemerkenswert gilt, sind die in beiden Gemeinden entdeckten mit Steinen ausgemauerten Schächte. Welchen Zweck sie hatten, ist unter den Experten aber umstritten. Dass darin Lebensmittel lagerten, ist nur eine Annahme.

Test im Römer-Schacht

Matter kündigte ein Experiment auf dem Fricker Grabungsgelände an. Im dort freigelegten Schacht sollen über den Winter Obst und Gemüse eingelagert werden. Ob verdorben oder noch essbar – das zeigt sich im nächsten Frühjahr. Am Samstag beflügelte das die Fantasie der Diskussionsteilnehmer. Einer sagte, vielleicht hätten die Römer die Schächte mit Eis oder Schnee gefüllt und sie so als Kühlschränke genutzt.

Vieles mussten am Samstag auch die Experten vage lassen. Ob die Fricker Streifenhäuser tatsächlich so ausgesehen haben wie auf der angefertigten Rekonstruktion, wissen die Archäologen ebenso wenig wie den exakten Verlauf der Römerstrasse in Laufenburg.

Rolle Laufenburgs unbekannt

Offen blieb, welche Verbindungen Frick und Laufenburg zur Grosssiedlung Augusta Raurica (Kaiseraugst) und zum Militärlager Vindonissa (Windisch) hatten und in welche Handelsnetze beide eingebunden waren. Kontrovers blieb die damalige Bedeutung des Hochrheins als Schifffahrtsweg und welche Rolle Laufenburg als Warenumschlagplatz spielte. Den Wissenschaftlern fehlen schriftlichen Quellen. Unklar ist bis heute auch der Stellenwert der ländlichen Kleinsiedlungen in antiker Zeit, die in Oeschgen, Ueken und Zeihen gefunden wurden. Jakob Baerlocher brachte es in der Diskussion auf den Punkt: «Das römische Fricktal ist noch lange nicht entdeckt, es könnten dort noch Generationen von Archäologen beschäftigt werden.»