«Stricken ist ein sinnliches Erlebnis», sagt Irene Antonini, Besitzerin der Strickeria Gomitolo in Rheinfelden. In Farben und Materialien schwelgen sei Teil der Faszination am Stricken. Und: «Stricken ist die Rückkehr zur Langsamkeit. Ein Privileg in der heutigen Zeit.»

Cristina Ain Wünsch von Ain Yarn Design in Frick wurde schon mit drei Jahren vom «Strickvirus» angesteckt. «Aus Geldmangel habe ich meine Strickarbeit immer wieder aufgelöst und von neuem verstrickt», sagt sie. Wichtig sei ihr nicht das Ergebnis, sondern der Strickprozess gewesen. «So wie andere Kinder im Süsswarengeschäft grosse Augen machen, stand ich im Wollgeschäft und konnte mich an den Farben nicht sattsehen», sagt sie. In einigen Wochen eröffnet sie ihr eigenes Wollgeschäft und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum.

Eine Herzenssache

Obwohl das Stricken ein Revival erlebt, ist das Führen eines Wollladens noch immer mehr Herzenssache denn rentables Geschäft. «Wir sind Dienstleister, die manchmal eine halbe Stunde beraten, um dann zwei Wollknäuel zu verkaufen» sagt Irene Antonini. Für sie sei der Laden ein 24-Stunden-Job. «Rund um die Uhr kreisen meine Gedanken um das, was ich im Geschäft tue, oder tun könnte, damit es läuft.» Nach dreieinhalb Jahrzehnten blickt sie pragmatisch auf den Wollfachhandel. Es sei ein stetiges Auf und Ab. Je nachdem, ob Strickwaren in Mode waren, oder eben nicht, habe sich der Umsatz manchmal fast halbiert.

Von Rentabilität darf man auch beim Stricken selbst nicht sprechen. «Wollte ich als Unternehmerin einen realistischen Preis für selbst gestrickte Socken machen, müsste ich etwa 800 Franken verlangen», sagt Irene Antonini, «Ein selbst gestrickter Pullover ist ein unbezahlbares Stück Handarbeit.»

Die Diskrepanz, zwischen der Wertschätzung, die Selbstgestricktes geniesst, und der Arbeit, die in einem paar Socken oder einem Pullover stecken, stosse ihr manchmal auf, sagt sie.

Mehr als nur Wolle

Zum Konzept ihrer Wollgeschäfte gehören in der Strickeria Gomitolo wie auch bei Ains Yarn Design Strickkurse und Stricktreffen. Hier wird das handwerkliche Wissen gepflegt und weitergegeben. Cristina Ain Wünsch hat viele Modelle für verschiedenste Designer weltweit gestrickt. Sie möchte ihre Kontakte für einen gelegentlichen Besuch eines Designers in ihrem Geschäft nutzen. Ihre Leidenschaft gehört dem freien, intuitiven Stricken. Strickanleitungen sind für sie höchstens eine Inspirationsquelle zu eigenen Entwürfen. «Ich möchte Strickerinnen dazu ermutigen, sich von gängigen Strickmustern zu lösen, um eigene Ideen zu verwirklichen», sagt sie.

So gut wie Yoga

Stricken ist nicht mehr die zweckgebundene Handarbeit der Grossmütter. Natürlich entstehen auch heute Socken, Schals und Pullover; werden Kinder, Enkel und Ehemänner mit Selbstgestricktem «beglückt». «Im Unterschied zu früher, stehen heute aber die Kreativität und das Selbermachen im Vordergrund», sagt Irene Antonini. «Ausserdem hat Stricken etwas Meditatives, Entspannendes. Es ist fast so etwas wie das neue Yoga.»