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Die Schweizer Filme starten im Fricktal durch

Eine packende Geschichte: Luna Mwezi als Tochter und Sarah Spale als Mutter überzeugen in «Platzspitzbaby».

Eine packende Geschichte: Luna Mwezi als Tochter und Sarah Spale als Mutter überzeugen in «Platzspitzbaby».

«Zwingli» war im letzten Jahr der am meisten gesehene Film in Fricks Monti. Aktuell räumt «Platzspitzbaby» ab.

Die Fricktaler setzen auf den Schweizer Film. Auf Platz 1 der am meisten besuchten Filme landete in Fricks Monti 2019 «Zwingli», ein Film über das Leben des Zürcher Reformators. Und auch Platz 3 ging an eine Schweizer Produktion: «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes», einen eindrücklichen Film über den Umwelt- und Menschenrechtsaktivisten und seinen unermüdlichen Kampf um den Erhalt des Regenwaldes.

Die beiden Produktionen sind gut gemacht, dennoch überrascht ihre Spitzenplatzierung. Bei «Zwingli» kam sie auch dadurch zu Stande, dass viele Schulen spezielle Schülervorstellungen gebucht und besucht haben.

Möglich macht dies das Projekt «Kinomagie». Dabei gibt jeder etwas – und so profitieren alle. Der Kinobetreiber vergünstigt den Eintritt um fünf Franken, der Kanton zahlt aus einem Fördertopf ebenfalls fünf Franken – und die Schüler können für einen Fünfliber ins Kino. «Eine tolle Sache», sagt Philipp Weiss, der zusammen mit Martina Welti Fricks Monti führt.

Dass der Manser-Film in Frick so gut lief, führt Weiss auf den regionalen Bezug zurück: Bruno Manser wuchs in Basel auf. Gesamtschweizerisch sei der Film zwar ebenfalls gut gelaufen, so Weiss, habe aber eine Spitzenposition verpasst.

«Die Eiskönigin» auf Platz 2

Zwischen den beiden Schweizer Quotenbringern nahm im letzten Jahr in Fricks Monti eine Königin Platz: der Disney-Animationsfilm Frozen, besser bekannt als «Die Eiskönigin». Auf Platz 4 landete in Fricks Monti die französische Filmkomödie Monsieur Claude, auf Platz 5 das Drama «Green Book – Eine besondere Freundschaft». Was die Spitzenplatzierung in Zahlen bedeutet, muss offenbleiben; Philipp Weiss veröffentlicht keine Besucherzahlen.

Klar ist jedoch: Der Manser-Film hätte im Topranking sogar noch besser abgeschnitten, wäre er nicht über den Jahreswechsel im Kinoprogramm gewesen. So teilen sich die Besucher auf 2019 und 2020 auf.

Überrascht hat Weiss im letzten Jahr «Joker». Der Film sei gut gemacht, sagt Weiss, und Joaquin Phoenix als Joker «brillant». Für den Fricker Kinobetreiber ist klar: «Phoenix wird sich den Oscar für den besten Schauspieler holen.» Auch für den Oscar als bester Film hat Weiss einen klaren Topfavoriten: «1917», der Kriegsfilm, der für zehn Oskars nominiert ist.

Eher enttäuschend schnitten in Frick dagegen die grossen Science-Fiction-­Kisten wie «Star Wars» ab. «Diese Filme sprechen vor allem ein urbanes Publikum an», weiss Weiss. In den Landkinos wie seinem dagegen ziehen Schweizer Filme sowie Familienproduktionen mehr.

So aktuell die Schweizer Produktion «Platzspitzbaby». Es ist die bewegende Geschichte der elfjährigen Mia, die nach der Schliessung der offenen Zürcher Drogenszene 1995 mit ihrer drogenabhängigen Mutter in ein Dorf im Zürcher Oberland zieht.

Alles wartet auf 007, den Quotengaranten 2020

«Der Film ist packend gemacht und gibt Einblick in die tragische Geschichte einer drogenabhängigen Mutter und ihrer Tochter», sagt Weiss, den der Film selber «sehr beeindruckt» hat und der die schauspielerischen Leistungen von Luna Mwezi als Tochter und Sarah Spale als Mutter «top» findet.

Gutschweizerisch geht es auf der Leinwand auch danach weiter: Im Februar starten die beiden CH-Produktionen «Moskau einfach», ein Film zur Fichenaffäre, und «Jagdzeit», ein Film über einen Topmanager, der alles verliert – und zuletzt nur noch einen Ausweg sieht: Suizid. «Der Film macht betroffen», sagt Weiss.

Dass gerade in diesen Wochen derart viele Schweizer Produktionen (an)laufen, hat einen einfachen Grund: Die Solothurner Filmtage, die diese Woche zu Ende gingen. «Auf diesen Termin hin wollen die Macher ihre Filme fertig haben.»

Dass sich in einem Jahr, wenn Weiss die Film-Hitparade 2020 zusammenstellt, wie jetzt wieder eine Schweizer Produktion die Topposition holen wird, ist nicht zu erwarten. Denn im April kommt der Mega-Blockbuster und Quotengarant schlechthin ins Kino: der neue James Bond. In «No Time To Die» wird Daniel Craig – vermutlich – das letzte Mal in unmöglicher Mission unterwegs sein. «Das ist das Film-­Highlight des Jahres», sagt Weiss und ist sich sicher: «Der Film wird voll durchstarten.» Geschüttelt oder gerührt.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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