«Wenn ich mir das so anschaue, möchte ich im Moment wirklich kein Storch sein.» Marcel Laederach blickt aus dem Fenster auf die verschneite Möhliner Storchenstation.

Einige der Vögel stehen da auf der Wiese, die Köpfe vom Wind abgewandt, die schwarzen und weissen Federn etwas zerzaust. Nur einer steht noch auf seinem Nest. «Normalerweise sind sie alle auf ihren Horsten, aber dort ist es ihnen derzeit wohl zu windig», sagt der Leiter der Storchenstation.

Rund ein Dutzend Störche überwintern jeweils in Möhlin, einige andere sind ausserdem bereits im Januar aus ihren Winterquartieren im Süden zurückgekehrt. Deutlich früher als gewohnt, wie Laederach sagt. «Wohl, weil es im Januar so mild war.» Nun wurden sie vom erneuten Wintereinbruch überrascht.

Wobei sich Storchenvater Laederach keine Sorgen um die Vögel macht. «Die Störche können mit der Kälte umgehen», sagt er. Auch Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt können sie gut überstehen. Das zeige die Erfahrung.

Eher zum Problem werden könnten hingegen der Schnee und die gefrorenen Böden. Störche ernähren sich unter anderem von Regenwürmern, Insekten, Fröschen, Eidechsen oder Mäusen, die sie auf Feldern und Wiesen jagen. «Schnee und gefrorene Böden führen dazu, dass die Störche nicht genügend Nahrung finden», erklärt Laederach.

Ausgeweitete Nahrungssuche

Das hat sich auch im vergangenen Jahr gezeigt. Anfang Januar 2017 waren nämlich plötzlich alle Möhliner Störche ausgeflogen. Laederach vermutet, dass sie an den Flachsee im Freiamt zogen, weil sie dort noch Futter fanden. «Am Flachsee wurden damals dutzende Störche gezählt», so Laederach.

Selber füttern dürfen die Helfer der Storchenstation die Vögel nicht. Das war früher möglich, mittlerweile wird von verschiedenen Organisationen aber davon abgeraten, weil es sich bei den Störchen um Wildvögel handelt. «Sie sollen möglichst unabhängig von menschlicher Betreuung sein», sagt Laederach.

Der Storchenvater ist zuversichtlich, dass die Vögel den Wintereinbruch unversehrt überstehen. In den kommenden Wochen erwartet er auch die anderen Störche aus ihren Winterquartieren zurück.

Dann beginnt im April die Brutzeit. Marcel Laederach ist schon jetzt gespannt – auch auf neue Einblicke: Eine Kamera liefert seit einigen Tagen ein Livevideo aus einem der Horste. Auf der Homepage der Storchenstation kann es angeschaut werden.