Gleissende Sterne, glitzernde Punkte und funkelnde Schweife am dunklen Nachthimmel. Geht es um Feuerwerk, ist Martin Düblin aus Oberwil BL in seinem Element. Seit fast 20 Jahren ist der 57-Jährige mit seinem Unternehmen «Fireworks.ch» für das 1.-August-Feuerwerk in Rheinfelden zuständig. Die «Schweiz am Wochenende» hat beim ausgebildeten Pyrotechniker vorbeigeschaut und sich erklären lassen, wie das Lichtspektakel über dem Rhein entsteht.

Wie alles zusammenhängt: Pyrotechniker Martin Düblin erklärt die Vorbereitung eines sogenannten Hochfeuerwerks.

Wie alles zusammenhängt: Pyrotechniker Martin Düblin erklärt die Vorbereitung eines sogenannten Hochfeuerwerks.

Es ist eine alte Fabrikhalle, irgendwo in einem der hintersten Ecken des Kantons Solothurn. Genauer will Düblin seinen Arbeitsplatz nicht beschrieben haben – zu gross ist die Gefahr, dass sich Nachtbuben an den Knallern bedienen wollen. In der Halle ist es angenehm kühl, im Hintergrund läuft dezente Musik. Chiara und Larissa, Tochter und Nichte Düblins, helfen an diesem Morgen beim Vorbereiten des explosiven Materials. Sie vernetzen die einzelnen Feuerwerkskörper zu sogenannten Effektketten und nummerieren diese, damit sie auch beim Aufbau am Ort und im Dunkeln noch problemlos identifiziert werden können.

Stundenlange Arbeit

Am Wochenende vor dem Nationalfeiertag kommen noch weitere Helfer dazu, um alles rechtzeitig fertigzukriegen. Das Unternehmen organisiert dieses Jahr gleich drei 1.-August-Feuerwerke. «Hinter einer Minute Feuerwerk stecken viele Stunden Arbeit», sagt Martin Düblin. Und diese beginnt weit bevor er und sein Team das Material zum ersten Mal anfassen.

Es ist meist gleich nach dem 1. August und der nächste Nationalfeiertag weit weg. Da macht sich der Pyrotechniker erstmals Gedanken darüber, was es denn werden soll. Was im letzten Jahr gut ankam. Was Neues auf dem Markt ist. Und: Was noch ausprobiert werden könnte. «Mein Anspruch ist es, den Zuschauern jedes Mal etwas Neues zu bieten», erklärt Düblin.

Also sammelt er Ideen und mit jeder Idee nimmt das Feuerwerk konkretere Formen an. Inspiration findet Düblin auch in der Musik und auf Reisen. Seine Feuerwerke werden begleitet von Musik, von Klassik bis Pop. Die Höhen und Tiefen, lauteren und leiseren Momente der Lieder nutzt er und koordiniert sie mit den Effekten. «Das Ziel ist, emotionale Höhepunkte entstehen zu lassen», sagt Düblin.

Die Planung des Spektakels geschieht im Austausch mit seinem Team. Simuliert – etwa am Computer – wird das Feuerwerk nie. «Das wäre zwar technisch machbar, die Software aber ist zu teuer und der Aufwand zu gross», sagt Düblin. Viele Lieferanten bieten im Internet ausserdem Videos der Effekte. «Das ist ein visuelles Hilfsmittel bei der Gestaltung der Sequenzen.»

Er verpasst das Feuerwerk

Ist der Ablauf festgelegt, gilt es, das Lager um das benötigte Material zu ergänzen. Düblin kauft bei Lieferanten in Europa und Asien ein. Es folgt die Vorbereitung der Abschusseinheiten, die Programmierung auf dem Computer und am Feiertag selber der Aufbau vor Ort. Es dauert Stunden, bis jede Zündschnur verlegt und angeschlossen ist.

Rheinfelden mag Düblin als Kulisse besonders. «Der Rhein bietet viele Möglichkeiten, etwa mit Effekten im Wasser», sagt er. Das fertige Werk wird Düblin allerdings auch in diesem Jahr nicht sehen: Er ist am Feuerwerk in Lenk engagiert. Sohn Sandro, auch er ausgebildeter Pyrotechniker, übernimmt in Rheinfelden die elektronische Zündung über den Computer.

«Die Helfer vor Ort werden mir anschliessend berichten, wie es war», sagt Düblin. Ergänzt mit Fotos und Videos natürlich. Im Morgengrauen kehren alle jeweils in die Fabrikhalle zurück, gönnen sich ein gemeinsames Morgenessen und lassen den Event Revue passieren. «Neben dem kreativen Prozess beim Erstellen und den Emotionen beim Anschauen eines Feuerwerks ist es dieser soziale Aspekt, der mich fasziniert.»