Frick

Doppelmörder, Asyl und zu viel Licht im Kornhauskeller

Stephan Bürgi und Viviane Schnetzler zogen das Publikum im Kornhauskeller Geschichten und Musik in ihren Bann. Peter Schütz

Stephan Bürgi und Viviane Schnetzler zogen das Publikum im Kornhauskeller Geschichten und Musik in ihren Bann. Peter Schütz

Schauspieler Stephan Bürgi las im Kornhauskeller Weihnachts- und Wintergeschichten der anderen Art vor.

Eigentlich hätte Stephan Bürgis Auftritt im Kornhauskeller ein Heimspiel sein können. Denn der 1966 geborene Schauspieler für Theater, Musical, Film und Fernsehen mit Wohnsitz in Berlin ist im «Rebstock» in Frick aufgewachsen.

Aber als er am Samstagabend vor das Publikum trat, gestand er, wie komisch es doch für ihn sei, dass er alle willkommen heisst, wo es doch eher andersherum und er der Gast sei. Und überhaupt: «Sie sind ein besonderes Publikum und das macht mich nervös», sagte er. Unter diesen Umständen machte er seine Sache aber prima – ein Profi halt, dem die Nerven keinen Streich spielen und wenn doch, dann so, dass es niemand merkt.

Unsentimentale Geschichten

Vielleicht hatte ihn zuvor der Gang über den Fricker Weihnachtsmarkt geerdet. Dabei habe er sich Gedanken über Weihnachtstraditionen gemacht und sich gefragt, was denn zu Weihnachten gehört. Schöne Geschichten, klar, aber welche sind wichtig? Bürgi: «Viele Geschichten sind pathetisch, kitschig, sentimental.» Was ihn mehr reizte, insbesondere für die von der Kulturkommission Frick organisierte Lesung, waren die unsentimentalen Geschichten über Winter und Weihachten.

Aus der Zusammenarbeit mit der Fricker Buchhandlung Letra ergab sich eine superbe Auswahl von diversen Autoren, die von einem Ladendieb, einer Brieftasche und abgewiesenen Asylbewerbern, von einem Doppelmörder und zu viel Licht auf diesem Planeten, über gute Vorsätze und seltsame Unglücksfälle handelten. Bürgi, gekleidet in ein rotes Hemd und grauem Jackett, benötigte keine Requisiten.

Es genügten ihm ein Tisch, ein Mikrofon und eine kleine Flasche Wasser mit Glas. Sein Vortrag entsprach dem Tempo der Geschichten. Bürgi las kurzweilig, manchmal forsch, gab Gas, wo die Ereignisse nach vorne drängten, und legte Pausen ein, wo sie angebracht waren.

Schweizerdeutsch in Berlin

Dass er eben erst aus Berlin angereist war und sogleich wieder dorthin zurückreisen wird, um am Dienstag schon wieder eine Lesung mit Weihnachtsgeschichten zu halten, war ihm nicht anzumerken. Ob er dann gleich wie in Frick vorgeht, wusste er am Samstag noch nicht.

Denn er las nicht nur in hochdeutscher, sondern auch in schweizerdeutscher Sprache, womit das Berliner Publikum vielleicht ein wenig Mühe haben wird. Aber den Versuch wird es wert sein. Vor allem die in Mundart verfasste, am Stammtisch handelnde Geschichte von der Inszenierung der Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2., zu der er übrigens eine enge Beziehung hat. Als Beizenbueb könne er bestätigen, so Bürgi, «dass solche Stammtischgespräche tatsächlich stattfinden».

In die Wege geleitet hatte Bürgis Auftritt Hedy Stalder, Kulturmanagerin und Vorstandsmitglied der Kulturkommission Frick. Viviane Schnetzler gab dem Abend am Cello den passenden musikalischen Rahmen. Ein gelungener Anlass der etwas anderen vorweihnachtlichen Art.

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