Bereits zweimal in diesem Jahr führte der Rhein mehr als 3000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, und auch an den anderen Tag führte der Fluss überdurchschnittlich viel Wasser. «Wir vermuten, dass die Abflussmenge doppelt so hoch ist wie durchschnittlich im Januar», sagt Alexander Lennemann, Leiter Kommunikation der Energiedienst Holding AG. Die Statistik werde derzeit noch erhoben.

Im langjährigen Durchschnitt fliessen an einem Januartag rund 800 Kubikmeter Wasser pro Sekunde rheinabwärts, im sehr trockenen letzten Januar waren es laut Lennemann gar nur 500 Kubikmeter. Gestern betrug die Abflussmenge aber rund 2500 Kubikmeter. Das bedeutet, dass der Rhein mehr Wasser führt, als die Turbinen der Kraftwerke Laufenburg und Rheinfelden verarbeiten können.

Die Ausbauwassermenge, die Menge also, bei der die Turbinen optimal unter Volllast produzieren, liegt in Rheinfelden bei 1500 und in Laufenburg bei 1370 Kubikmetern pro Sekunde.

«Da die Ausbauwassermenge geringer ist als die derzeitige Abflussmenge, müssen wir Wasser über das Stauwehr abgeben», erklärt Lennemann. «Es steht also nicht zur Produktion zur Verfügung.» Gemäss der Konzession sei es nicht zulässig, Wasser zu speichern, denn der Pegelstand vor dem Stauwehr müsse immer gleich sein. Aktuell haben die Kraftwerke mit einem weiteren Problem zu kämpfen.

Nach dem Wehr kann das Wasser nicht so schnell abfliessen wie normal, weshalb das Gefälle geringer ist. «In der Folge sinkt die Produktivität der Turbinen und wir erzeugen weniger Strom», so Lennemann. Derzeit beträgt die Produktion etwa 80 bis 90 Prozent der Volllast.

Aber: «Obwohl wir nicht im optimalen Bereich mit den Turbinen fahren, erzeugen wir für einen Januar, in dem es normalerweise sehr viel weniger Wasser gibt, sehr ordentlich Strom», sagt Lennemann. Die Produktion werde deutlich über dem langjährigen Durchschnitt liegen.

Wegen des Hochwassers schwemmte der Rhein im Januar überdies sehr viel Holz mit sich – vor allem in der ersten Januarwoche, wie Lennemann sagt. «Das Geschwemmsel sammelt sich am Rechen vor den Turbinen. Von dort wird es durch die Kraftwerksmannschaft und die Rechenreinigungsmaschine aus dem Wasser geholt», erklärt der Energiedienst-Sprecher.

In der ersten Januarwoche mussten gar Mitarbeiter aus den Weihnachtsferien zurückgeholt werden, denn bei der Masse an Holz standen die Kraftwerksbesatzungen mehrere Tage im Schichtbetrieb im Dauereinsatz. «Rund 200 Container mit Geschwemmsel sind in unseren drei Kraftwerken Laufenburg, Rheinfelden und Wyhlen angefallen», so Lennemann. Mittlerweile seien die Stämme von einer Häckselmaschine direkt vor Ort zu Pellets verarbeitet worden.

Bilder zum Hochwasser im Aargau: