Wegenstetten

«Ein Drecksloch sondergleichen»: Im Asylheim krabbeln die Kakerlaken – das sagt die Gemeinde

Der hygienische Zustand in der Asylunterkunft Wegenstetten steht in der Kritik – die Gemeinde verweist auf Dienstleister ORS Service AG, an die man die Betreuung der Asylsuchenden umfassend delegiert habe.

Der Fricker Bruno Müller hilft Migranten, dass sie sich in ihrer neuen Heimat schneller zurechtfinden. Einer von ihnen ist Mohammad, 21, aus Afghanistan, der bis vor Kurzem in der kantonalen Asylunterkunft im Werkhof A3 in Frick untergebracht war. Nachdem Mohammad im Dezember die F-Bewilligung – vorläufig aufgenommen – erhielt, wies ihn der Kanton der Gemeinde Wegenstetten zu. Als Müller in der letzten Woche die Asylunterkunft in Wegenstetten betrat, um Mohammad kurz nach seinem Einzug zu besuchen, traf ihn der Schlag. «Das war ein Drecksloch sondergleichen», beschreibt er die Unterkunft drastisch. Die Wände und Fliesen seien verdreckt, die Dusche verkalkt und die Küche versifft.

Auch bemängelt Müller die Platzverhältnisse in der Unterkunft, in der sich zehn Bewohner – zwei von ihnen befinden sich derzeit in Haft, einer wegen einer Messerstecherei – zwei Zimmer, ein kleines Bad und eine heruntergekommene Küche teilen. «Die Unterkunft beim Militär ist Luxus dagegen», so Müller, der Gemeindeammann Willy Schmid in einem Brief auffordert, etwas gegen diese Zustände zu unternehmen.

«Ich will wieder zurück»

Als die AZ mit Mohammad Kontakt aufnimmt, sagt dieser, dass er am liebsten wieder nach Frick in die kantonale Unterkunft zurückgehen möchte. Sein Zimmerkollege, der mit ihm letzte Woche gemeinsam von Frick nach Wegenstetten umzog, will sich ihm anschliessen. «In Frick gab es einen Raum, in dem wir uns hinsetzen und lesen konnten, um Deutsch zu lernen», erzählen beide unisono.

In ihrer jetzigen Unterkunft habe es nicht einmal einen grösseren Tisch, an den man sitzen könne. So wird Deutsch im Bett gelernt, gegessen wird aus Töpfen auf dem Boden sitzend, wie Mohammad erzählt, der auf seinem Smartphone Bilder von Kakerlaken hat, die nachts hervorkommen und über die Böden in der Unterkunft krabbeln. Zu schaffen macht Mohammad und seinem Zimmerkollegen auch der Marihuana- und Zigaretten-Konsum in der Unterkunft. «Es wird im Bad, in der Küche und im Flur geraucht. Der Rauch zieht zu uns ins Zimmer», enervieren sich beide. 

Zu den einzelnen Vorwürfen bezieht der Wegenstetter Gemeinderat keine Stellung. Gemeindeschreiberin Brigitte Schmid verweist auf die ORS Service AG, an die man die Betreuung der Asylsuchenden umfassend delegiert habe. Es fänden regelmässige Treffen zwischen der ressortverantwortlichen Gemeinderätin, der Gemeindeschreiberin und dem Bereichsleiter Betreuung der ORS statt. Dabei würden im persönlichen Gespräch detaillierte Informationen zu den Bewohnern und zur Wohnsituation ausgetauscht und Massnahmen in die Wege geleitet, falls dies notwendig sei, sagt Brigitte Schmid. «Die Zusammenarbeit mit der ORS funktioniert einwandfrei und man ist seitens der Gemeinde mit dieser Lösung sehr zufrieden.»

ORS-Sprecher Lutz Hahn hält fest, dass anders als in einem kantonalen Durchgangszentrum die Bewohner in Individualunterkünften – wie jener in Wegenstetten – zu mehr Eigenverantwortung angehalten sind «und nicht rund um die Uhr betreut werden». Hahn schiebt nach, dass man im Rahmen des Informationsaustauschs mit der Gemeinde mehrfach veranlasst habe, eine Schädlingsbekämpfung durchzuführen. «Diese wurde zwar gemacht, aber aufgrund des schlechten Allgemeinzustands der Liegenschaft konnte bisher nur bedingt Abhilfe geschaffen werden.» Für die Reinigung in der Unterkunft seien die Bewohner verantwortlich. «Sie werden von unserem Betreuungspersonal angeleitet und erhalten Putz- und Reinigungsmaterial zur Verfügung gestellt», sagt Hahn.

Hinsichtlich des Marihuana- und Zigarettenkonsums sagt Hahn, dass man in der Hausordnung ein striktes Rauch- und Alkoholverbot festgeschrieben habe. Bei Nichtbefolgen gebe es Sanktionen, wenn der Verstoss nachgewiesen werden könne. Drogendelikte würden sofort der Polizei gemeldet. «Aufgrund der geforderten Eigenverantwortung der Bewohner und der eingeschränkten Betreuungszeit können Verstösse gegen die Hausordnung aber nur bedingt geahndet werden», so Hahn.

Hinsichtlich des fehlenden Tisches sagt Hahn, dass dieser von den Bewohnern als zu gross empfunden und deswegen eigenständig demontiert wurde. Jeder Bewohner erhalte beim Einzug eine Grundausstattung – Geschirr, Besteck, Kochutensilien, Bett, Matratze und Wäsche. Im Alltag könne es jedoch unter anderem im Rahmen von Konflikten vorkommen, dass Mobiliar und Utensilien demoliert und Geräte fehlbedient würden. «Es obliegt der Gemeinde, wann und in welchem Umfang etwas in der Liegenschaft ersetzt wird. Sie ist für die Liegenschaft verantwortlich», sagt Hahn.

Derzeit stehe die ORS mit den Bewohnern und der Gemeinde in Kontakt, um die Wohnbedingungen der Situation angemessen zu verbessern.

Autor

Dennis Kalt

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