Laufenburg

Ein Ort voller Souvenirs: vielseitig und kurios

Die Ausstellung «Wunderkammer/Souvenir» im Rehmann Museum Laufenburg ist eröffnet. Im Mittelpunkt: Malerei von Carl Walter Liner und ganz viele kuriose Mitbringsel aus aller Welt.

Das Rehmann Museum hat zwar wenig Ähnlichkeit mit einem Schiff, dennoch wurde es an der ersten Vernissage nach Ausbruch der Coronapandemie mehrfach damit in Verbindung gebracht. Weil die neue Ausstellung um das Reisen kreist, das gelegentlich auf Schiffen stattfindet, und weil Reisen bilden, inspirieren. Das Museum also als Schiff, mit einer Crew und dem Publikum in der Passagierrolle. Das alles, so Stiftungsratspräsident Rudolf Lüscher, «in einer Zeit, in der wir nicht reisen sollten».

Am Freitag hiess es «Leinen los», das Rehmann Museum begab sich auf Fahrt mit einer sehenswerten Schau. Obwohl die Bezeichnung «Skulpturenmuseum» an Land blieb, da ein Maler quasi das Schiff gekapert hat: Carl Walter Liner, 1914 in St. Gallen geboren, 1997 in Appenzell gestorben. Der gelernte Grafiker hatte sich früh der bildenden Kunst zugewandt, besuchte von 1937 bis 1939 die Ècole Nationale Superieure des Beaux-Arts in Paris, in der später auch Erwin Rehmann zu Gast war.

Begegnet sind sich die beiden dort nicht. Dennoch bildet die Pariser Schule eine Schnittstelle zwischen dem Maler und dem Bildhauer. Verbindungen der Künstler gibt es in der Ausstellung sonst kaum. Mit Ausnahme der Reiseziele. Liner und Rehmann waren in den USA im Bundesstaat Arizona unterwegs, besuchten sogar dieselbe Stadt, Tucson. Zwei Jahre nach Liners USA-Reise erwarb die Universität von Tucson ein Werk von Rehmann, das sich noch heute dort befindet.

Vom Teufelchen bis zur Stadt in einer Hand

«Wir haben das Konzept geändert», berichtete Rudolf Lüscher an der Ausstellungseröffnung, «wir haben mehr Fläche erzeugt.» Konkret: Das Bistro ist vom Obergeschoss ins Erdgeschoss gewandert, wodurch das Museum wieder seinen ursprünglichen Charakter einnimmt. Diese wiederhergestellte räumliche Ordnung tut der Ausstellung gut. Ebenso die Überraschungen, die sie birgt.

Im ehemaligen Giessraum ist eine Figur mit Kostüm und Maske der Narro Alt-Fischerzunft zu sehen, dazu läuft ein Film über die Laufenburger Fasnacht. In den Vitrinen im Obergeschoss befinden sich Figuren, Objekte, Puppen, Masken, Reise-Souvenirs aus den Beständen des Fricktaler Museums Rheinfelden und des Museums der Kulturen Basel.

Da lehnt sich ein kleiner beflügelter Teufel lässig zurück oder ragt eine kleine Stadt aus einer Hand. Alte Postkarten, Puppen, ein sizilianischer Wagen, ein Spielzeugschiff und ein Mini-Stierkampf bilden die Kontraste zu teilweise expressiven Gemälden von Carl Walter Liner, die gleichfalls als Reiseerinnerungen gesehen werden können.

Kurator Tyrone Richards und dem Museumsteam gelang das Kunststück, aus Mitbringseln und gemalten Reiseimpressionen eine Wunderkammer aufzubauen. Indem Richards Dinge, die nicht unbedingt zusammengehören, kombiniert, hat er einen Ort der Vielseitigkeit und Kuriosität geschaffen.


Rehmann Museum «Wunderkammer/Souvenir» dauert bis 21. Februar 2021. Infos unter www.rehmann-museum.ch

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1