Er ist seit 31 Jahren ein Garant dafür, dass das Fricktal im Bundesparlament vertreten ist: Maximilian Reimann, 76. 1987 wurde er in den Nationalrat gewählt, war zwischenzeitlich, von 1995 bis 2011, Ständerat und vertritt den Aargau seit 2012 wieder in der grossen Kammer.

Der SVP-Politiker, der älteren Semestern noch als TV-Ansager in Erinnerung ist, tritt in diesem Herbst erneut an. Allerdings nicht auf der Liste seiner Partei, sondern auf einer von ihm initiierten Seniorenliste «Team 65+». Dies deshalb, weil die SVP die Nominationsanforderungen verschärft hat; wer älter als 63 und länger als 16 Jahre im Amt ist, muss beim Nominationsparteitag eine Zweidrittelmehrheit erreichen, um nochmals nominiert zu werden. Dieser Ausmarchung wollte sich Reimann nicht stellen.

Seine Wahlchancen sind durchaus intakt. Der Gipf-Oberfricker erzielte in der Vergangenheit immer eines der besten Ergebnisse im Aargau und wird auch diesmal viele Stimmen in- und ausserhalb der SVP sammeln. Die Hürde, dass Reimann weiterhin im Nationalrat sitzt, ist eine andere: dass seine Liste, auf der bislang sechs Namen figurieren, genügend Stimmen für einen Sitz macht. Dazu braucht eine Partei rund 6,2 Prozent der Stimmen. Diese Hürde ist für das «Team 65+» hoch – wenn sie denn alleine bleibt. Im Gespräch sind unter den bürgerlichen Parteien und Gruppierungen verschiedene Listenverbindungen; hinter den Türen sind alle Parteien am Rechnen, in welcher Konstellation sie vermutlich besser fahren, ob alleine oder im Päckli – und wenn im Päckli, mit wem sie dieses am besten schnüren.

Schafft es Reimann nicht, wird es schwierig, den «Fricktaler» Sitz zu halten. Zwar treten neben Reimann noch 21 weitere Fricktaler auf den diversen Haupt-, Jung- und Seniorenlisten an, doch viele Stimmen über die Region hinaus werden nur wenige generieren – oder dann politisieren sie für eine Partei, die keinen oder nur einen Sitz hat.

Zu letzterer Fraktion gehört Alfons P. Kaufmann. Der Wallbacher sitzt für die CVP im Grossen Rat und gibt als Fraktionschef eine gute Figur ab. In dieser Funktion gewinnt Kaufmann kantonal zunehmend an Format. Nur eben: Die CVP hält derzeit nur einen Sitz im Nationalrat. Diesen hält Ruth Humbel, die wieder antritt. Sollten die Christdemokraten einen zweiten Sitz holen, führt kein Weg an Parteipräsidentin Marianne Binder vorbei; sie ist dank ihrer Funktion kantonal bekannt und hat mit Baden erst noch eine beachtliche Hausmacht im Rücken. Sollte Binder allerdings in den Ständerat gewählt werden, könnte sich für Kaufmann eine Türe öffnen.

Eine solche Hausmacht, wie sie Aarau und Baden in die Waagschale werfen können, fehlt den Kandidierenden im Fricktal; mit seinen gut 80 000 Einwohnern ist es stimmenmässig eine eher kleine Region. Dies dürfte auch der zweite CVP-Kandidat aus dem Fricktal zu spüren bekommen, Grossrat Werner Müller (Wittnau).

SVP-Kandidaten mit vielen Stimmen

Reichlich Stimmen dürften dagegen die beiden SVP-Kandidaten Désirée Stutz (Möhlin) und Christoph Riner (Zeihen) sammeln – nicht zuletzt, weil sie die wählerstärkste Partei im Rücken haben. Die Frage bei der SVP, bei der es im Herbst zu einer massiven Blutsverjüngung kommt – von den 7 Bisherigen treten nur 3 nochmals an –, ist hingegen jene, ob sie ihre sieben Sitze halten kann. Ist dem so und schafft Hansjörg Knecht obendrein den Sprung in den Ständerat, kann sich insbesondere Stutz Hoffnungen machen – gerade auch, weil sie in Möhlin, der zweitgrössten Gemeinde im Fricktal, viele Stimmen holen wird. Riner hat es da schwerer; Zeihen ist eine kleine Gemeinde. Er kann jedoch damit punkten, dass er sich bei der Abstimmung zum Neuen Finanzausgleich ebenso hartnäckig wie taktisch klug für die kleineren Landgemeinden eingesetzt hat.

Bei der FDP ist den beiden Fricktaler Kandidaten Gaby Gerber und Bruno Tüscher kaum ein Wahlerfolg zuzutrauen; die Mitkandidierenden sind kantonal entweder bereits bekannter oder verfügen über die stärkere Hausmacht. Doch auch wenn es den beiden aktuell nicht für einen Sprung nach Bern reichen dürfte, verfügen sie doch über ein beachtliches politisches Potenzial. Tüscher beweist dieses aktuell als Gemeindeammann von Münchwilen. In vier Jahren kann es also anders aussehen.

Chancen bei drittem Sitz?

Ebenfalls keine grossen Chancen auf einen Sitz dürfen sich die beiden Fricktaler SP-Kandidaten Carole Binder (Magden) und Rolf Schmid (Mettauertal) ausmalen, treten doch bei den Sozialdemokraten mit Yvonne Feri und Cédric Wermuth zwei Schwergewichte an. Allerdings könnte sich unter einer Konstellation die Türe nach Bern einen Spalt weit öffnen: dann nämlich, wenn die SP den dritten Sitz holt (die Chancen stehen dank einer Listenverbindung mit den Grünen nicht schlecht) und wenn Wermuth in den Ständerat einzieht. Dann sind zwei SP-Sitze neu zu besetzen. Allerdings treten auf der SP-Liste mehrere Kandidaten an, die in den Stimmen-Ballungsräumen Aarau und Baden leben.

Zwei Fricktaler figurieren auch auf der Nationalratsliste der Grünen: die beiden Grossräte Gertrud Häseli (Wittnau) und Andreas Fischer (Möhlin). Beide machen im Kantonsparlament einen guten Job. Insbesondere Häseli hat sich als ehemalige Parteipräsidentin der Grünen Aargau auch über die Region hinaus einen Namen gemacht und sie fällt immer wieder mit Ideen und Positionen auf, die nicht auf der Mainstream-Linie verharren und gerade deshalb oft zum Nachdenken anregen. Für einen Sitz dürfte es dennoch nicht reichen, tritt doch neben der bisherigen Nationalrätin Irène Kälin auch Ruth Müri an. Die Grossrätin hat in Baden eine starke Basis und wird davon profitieren, dass sie zugleich die Ständeratskandidatin der Grünen ist.

Bei den Kleinparteien ist das Fricktal auf der BDP-Liste nicht vertreten, dafür auf der GLP-Liste mit zwei Kandidaten: Den beiden Rheinfeldern Béa Bieber und Michael Derrer. Beiden ist ein gutes Wahlergebnis zuzutrauen; Bieber hat unter anderem als Stadträtin (20 Jahre) viel für die Stadt und die Region getan, Derrer sorgt mit seinem Kampf gegen Kriminaltourismus und seinem Einsatz für mehr Sprachaustausch mit der Romandie national für Schlagzeilen.

Den Einzug in die grosse Kammer werden aber trotzdem beide kaum schaffen, zumindest dann nicht, wenn es bei dem einen Aargauer Sitz bleibt. Denn auf diesem sitzt aktuell Beat Flach – und er will auch auf ihm sitzen bleiben. Dies dürfte problemlos gelingen; zum einen, weil die GLP schweizweit zulegt, zum anderen, weil Flach gleichzeitig als Ständerat kandidiert und ihm dies zusätzliche Bekanntheit bringt.

Zwei weitere Fricktaler treten bei zwei weiteren Kleinparteien an, die heute nicht im Nationalrat vertreten sind und für die ein Sitz kaum erreichbar ist. Fritz Imhof (Zuzgen) kandidiert auf der EVP-Seniorenliste, Nancy Holten (Gipf-Oberfrick) bei den Piraten, dies nachdem ihr Gastspiel bei den Grünen nur kurz währte und sie sich dann selber bei den Piraten als Kandidatin meldete.