Rheinfelden

Eine Operation live auf der Leinwand: Undenkbar? Schon lange Realität

Bei der Entfernung von Bauchspeicheldrüsen und der Speiseröhre bevorzugen die Patienten Privatspitäler. Keystone

Bei der Entfernung von Bauchspeicheldrüsen und der Speiseröhre bevorzugen die Patienten Privatspitäler. Keystone

In Deutschland wird immer wieder öffentlich operiert, so auch im Kreiskrankenhaus Rheinfelden. Das wäre auch im Gesundheitszentrum Fricktal möglich.

Leicht erhöht auf einer Art Galerie hinter einer Scheibe sitzen sie. Die jungen Doktoren aus Fernsehserien wie «Greys Anatomy» oder «Emergency Room». Sie lästern übereinander, knabbern Chips und diskutieren, was unten im Operationssaal passiert. Etwa, wenn gerade ein Doktorkollege einem Patienten ins Gehirn blickt. Blut und Drama – dies- und jenseits der Galerie-Scheibe – inklusive.

200 Zuschauer im Nebenraum

Ganz so muss man sich die Szene nicht vorstellen, die sich am Donnerstag-Nachmittag im Kreiskrankenhaus in Rheinfelden (D) abspielen wird. Aber: Auch dort gibt es ab 14 Uhr eine Operation live zu sehen – öffentlich, auf Leinwand.

«Live-OP-Event» nennt das Kreiskrankenhaus das. Bereits zum dritten Mal findet sein solcher Anlass statt. Nach den Implantationen eines künstlichen Hüft- sowie Kniegelenks steht nun eine Operation an der Wirbelsäule an. Rund 200 Zuschauer werden erwartet, die in einem Nebenraum das Geschehen verfolgen.

«Hauptsächlich wollen wir das Vertrauen der Leute in unser Kreiskrankenhaus und in die orthopädische Chirurgie stärken», sagt Professor Stefan Endres, der die öffentliche Operation durchführen wird, gegenüber dem «Südkurier».

«Sie sollen uns kennenlernen und die Möglichkeit haben, hautnah mitzuerleben, was bei einer Operation mit ihnen geschieht.» Fachkräfte moderieren die Operation für die Zuschauer und auch Endres wird über ein Mikrofon die Vorgehensweise erklären. Er lobt die positive Resonanz, auf die die öffentlichen Operationen stossen.

Das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) verzichtet trotzdem darauf. Obwohl öffentliche Live-Operationen laut Elke Mayer, leitende Assistentin CEO, «grundsätzlich möglich und denkbar» wären.

«Operationen zu filmen, ist dazu gedacht, dass man der Öffentlichkeit einen Einblick hinter die Kulissen gewährt und so die Fertigkeiten der Chirurgen und des OP-Teams aufzeigen kann», sagt Mayer. Das alles geschieht in der Hoffnung, eben durch diese Transparenz Vertrauen zu schaffen und Ängste abzubauen.

Angst abbauen, Vertrauen schaffen

Die Idee wird schon seit Jahren umgesetzt. Operations-Dokumentationen sind kein Novum. Auch das Schweizer Fernsehen hat schon in Operationssälen gefilmt und die Aufnahmen ausgestrahlt. Sogar das Online-Filmportal Youtube bietet Einblicke in den menschlichen Körper.

Mayer hinterfragt vielmehr den Mehrwert des Live-Faktors. «Klar, die Zuschauer wissen, es läuft in ‹Echtzeit› ab, da kann man nichts editieren», so Mayer.

Im Umkehrschluss müsse man dann aber fragen, welche Eingriffe sich ein Spital überhaupt live zu übertragen getrauen würde. «Allzu komplexe Eingriffe wohl auch nicht, da Komplikationen auftauchen könnten, die zu einem Vertrauensverlust und Reputationsschaden führen könnten», sagt Mayer.

Persönlicher Kontakt ist wichtig

Beim GZF setzt man in der Öffentlichkeitsarbeit ebenfalls auf Transparenz und eine breite Informationsphilosophie. Auch hier finden viele Publikumsveranstaltungen statt. «Dort werde OP-Verfahren teilweise auch gezeigt in Bildern oder Videos sowie Behandlungsmöglichkeiten erläutert», sagt Elke Mayer.

Das Wichtigste sei, dass die Patienten die Operateure persönlich kennenlernen, ihnen ihre Fragen stellen und sich mit ihnen austauschen könnten. «Im Kern ist es doch so: In der Schweiz und natürlich auch in Deutschland sind Mediziner und Chirurgen top-kompetent und hervorragend ausgebildet. Am Ende entscheidet die ganz subjektive und persönliche Frage, ob sich jemand von dieser Person operieren lassen möchte», sagt Mayer.

HINWEIS: Das folgende Video zeigt eine Operation an der offenen Hüfte

Hüftprothese: Durch Mini-Öffnung eingesetzt - Minimalinvasiv durchs Schlüsselloch

Hüftprothese: Durch Mini-Öffnung eingesetzt - Minimalinvasiv durchs Schlüsselloch

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