Fernsehen inszeniert, Fernsehen glättet, blendet aus. Was die Nation vom «Wanderer der Nation» auf dem Bildschirm zu sehen bekommt, ist geschnitten und geschönt. So hat der TV-Moderator in all den Jahren seiner Touren durch die Schweiz viel Material gesammelt: Geschichten, Begegnungen, Szenen, die nicht gesendet wurden, welche die Fernsehleute «Outtakes» nennen.

Nik Hartmann sagte sich: Ich trage inzwischen so viel mit mir herum, warum packe ich das nicht mal auf der Bühne aus – live, solo, ohne Team im Schlepptau und näher «bi de Lüt» als je zuvor. Spontan sein, mit dem Publikum spielen, improvisieren – auch für ihn Neuland.

Das ganz grosse Publikum in der Stadthalle war Hartmann nicht vergönnt – so manche Stuhlreihe war leer. Der Künstler, ganz Profi, griff es auf: «Das ist ja herzig, so familiär, da hättet ihr ja eigentlich zu mir nach Hause kommen können, ich hätte sowieso noch einiges dort zu tun.»

Nein – so wenige Zuschauer waren es dann doch nicht in der Stadthalle, der Hartmann einen sakralen Charakter bescheinigte. («Ich habe noch nie zuvor in einer Kirche gespielt») Und Quantität ist ja auch nicht alles, auch die Qualität muss stimmen.

Beim heiteren Alpenpässe-Raten erwies sich das Publikum jedenfalls als äusserst landes- und fachkundig. Für jede richtige Antwort warf Hartmann Biberli-Päckli in die Reihen. Einer wusste sogar, wer General Suworow war.

Klassische, schenkelklopfende Comedy war es nicht, was Hartmann auf der Bühne ablieferte. Sein Sujet ist das Spiel mit regionalen Eigenarten, mit Dialekten und Mentalitäten. Womit er gut ankam, auch in Laufenburg, ist die Offenheit, sich und sein Metier ein Stück weit selbst zu entzaubern.

Zum Beispiel, dass es nach der Besteigung des Piz Bernina zu spät war für den Abstieg und er sich samt Team vom Helikopter abholen liess, zurück in die Ebene, wo die «Arschlochquote» am höchsten ist.

Für einmal nachdenklich

Das Publikum erlebte einen nachdenklichen Mittvierziger Nik Hartman, der, auch familiär bedingt, nicht mehr ganz der Sonnyboy vergangener Jahre ist, der auch zum Schwyzerörgeli griff, das schon seit 15 Jahren bei ihm zu Hause herumsteht.

Seine Solo-Tour ist eine Hommage an die Vielfalt der Schweiz, eine Tour de Suisse auf die langsame Art und ein Blick in die Kochtöpfe dieses Landes, in denen Capuns und Maluns, Pizokel und Ossobuco schmoren.

Zum Schluss gab der Weitgereiste dem Publikum noch etwas auf den Heimweg: Ich habe in den zehn Jahren Wanderschaft viel gesehen. Ich kann sagen: Die Schweiz ist gross, die Schweiz ist stark und es hat genug Platz für alle.