Bözen
Elektra ist 4,8 Mio. Franken wert: Stimmvolk entscheidet am 28. Januar über den Verkauf

Für die einen ist es der Verkauf des «Tafelsilbers» und für die anderen ein logischer Schritt vor dem Hintergrund der neuen Regulierungen am Strommarkt.

Claudia Meier
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Die Stromversorgung in Bözen dürfte teurer werden.

Die Stromversorgung in Bözen dürfte teurer werden.

AZ

Der Gemeinderat Bözen beantragt dem Stimmvolk an der ausserordentlichen Einwohnergemeindeversammlung vom 28. Januar, die gemeindeeigene Elektrizitätsversorgung Bözen für 4,8 Millionen Franken an die AEW Energie AG zu verkaufen. Grünes Licht, überhaupt Verkaufsabklärungen für die Elektra zu treffen, holte sich die Exekutive Ende August an einer Infoveranstaltung über eine Konsultativabstimmung.

Damals wurden drei Szenarien aufgezeigt: erstens Status quo mit der seit 2016 bestehenden technischen Führung durch die IBB, zweitens eine komplett externe Führung der gemeindeeigenen Elektra oder drittens das Aufgleisen eines Verkaufs. Von sechs angegangenen Energieversorgungsbetrieben haben sich drei regional tätige Firmen mit einer Offerte um den Kauf der Elektra beworben.

Die Angebotsphase lief in zwei Runden, in denen die Offerten intensiv geprüft wurden. «Dabei erwies sich die AEW Energie AG als das attraktivste Angebot», heisst es in der Einladung zur ausserordentlichen Versammlung. Die AEW sei vor allem in den entscheidenden Punkten Preis und Tarife die deutlich attraktivere Lösung. Die mit der AEW ausgearbeiteten Verträge können bei der Gemeinde­verwaltung vom 14. bis 28. Januar eingesehen werden.

Die Elektra hat die Aufgabe, im Rahmen der Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit ihre Anlagen zu betreiben sowie elektrische Energie an zirka 425 Kunden in ihrem Versorgungsgebiet zu liefern. Sie produziert keinen Strom, sondern betreibt einen Energiehandel.

Marktentwicklung spricht für einen Verkauf

Aus Sicht des Gemeinderats Bözen und der technischen Kommission sprechen folgende Punkte für einen Verkauf: ungewisse Marktentwicklung sowie hoher Investitionsbedarf in neue Technologien. Und: Mit der Integration in ein grösseres Energieversorgungsunternehmen würden die Stromkunden von einem grösseren Dienstleistungsangebot profitieren, Stellvertretungen sowie Nachfolgelösungen sind einfacher geregelt und Synergien können genutzt werden. Der Verkaufserlös ermögliche «die Realisierung interessanter Projekte» innerhalb von Bözen und ab 2022 in der Fusionsgemeinde Böztal.

Die öffentliche Beleuchtung ist nicht Bestandteil der Elektrizitätsversorgung, sondern der Einwohnergemeinde und gehört zur Verkehrserschliessung. Der Betrieb der öffentlichen Beleuchtung werde nach dem Elektraverkauf zusammen mit der AEW vereinbart, heisst es in der Botschaft weiter.

Bözen wäre der einzige Ortsteil mit eigener Elektra

Werden die im vergangenen August publizierten Tarife für das Jahr 2021 (Netz, Energie ohne Abgaben und Konzession) von Bözen mit den Fusionspartnern Elfingen (IBB) und Hornussen/Elfingen (AEW) verglichen, ergeben sich für Elfingen die höchsten Preise. In Hornussen und Effingen werden die Kunden dieses Jahr 6,4 Prozent weniger bezahlen als in Elfingen. Den geringsten Betrag für Netz und Energie bezahlen die Kunden aktuell in Bözen – ganze 15,6 Prozent weniger im Vergleich zu Elfingen.

Bei einem Nein zum Verkauf der Elektra an die AEW würde das Thema in der Fusions­gemeinde Böztal vermutlich wieder aufs Parkett kommen, da Bözen als einziger künftiger Ortsteil noch eine Elektra besitzt. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt für einen Verkauf. Es gelte nun, die Gelegenheit selbst­bestimmt für Bözen zu nutzen.