Strassenverkehr

«Elterntaxis sind meist die grösste Gefahr»: Die Regionalpolizeien im Fricktal schlagen Alarm

Bei der Aktion Schulbeginn wurde für Schulkinder im Strassenverkehr sensibilisiert.

Bei der Aktion Schulbeginn wurde für Schulkinder im Strassenverkehr sensibilisiert.

Die Regionalpolizeien im Fricktal sind zufrieden mit dem Schulstart – sehen aber durchaus auch noch Verbesserungspotenzial. Ein Dauerbrenner sind einmal mehr die Elterntaxis.

Die Regionalpolizeien im oberen und unteren Fricktal beteiligten sich auch in diesem Jahr an der Aktion Schulbeginn. So waren Beamte in den vergangenen Wochen seit Schulstart etwa an neuralgischen Fussgängerstreifen präsent und haben den Kindern, wo nötig, beim sicheren Überqueren der Strasse geholfen. Ausserdem fanden Verkehrs- und Geschwindigkeitskontrollen statt, unter anderem im Bereich von Schularealen oder auf dem Schulweg.

Das Fazit fällt einerseits erfreulich aus. So sagt etwa Werner Bertschi, Chef der Regionalpolizei Oberes Fricktal: «Die Reaktionen der Lenkerinnen und Lenker waren praktisch durchweg positiv. Alle sind wir uns einig, dass wir auf unsere jüngsten Verkehrsteilnehmer besonders Rücksicht nehmen müssen.»

Andererseits sehen die Regionalpolizeien auch Verbesserungspotenzial. Sowohl im oberen als auch im unteren Fricktal mussten mehrere Ordnungsbussen ausgestellt werden wegen überhöhter Geschwindigkeit. Aargauweit wurden innerhalb zweier Wochen über 5500 Fahrer gebüsst, 52 Automobilisten mussten wegen massiver Tempoübertretungen oder anderer grober Vergehen sogar an die Staatsanwaltschaft verzeigt werden.

Elterntaxis bereiten der Polizei Sorgen

Ein Dauerbrenner sind ausserdem die Elterntaxis. Die Zu- und Wegfahrten sowie die Wendemanöver auf den Schularealen oder in deren Nähe sind den Regionalpolizeien schon seit längerem ein Dorn im Auge. «Wir haben bei den Kontrollen gezielt das Gespräch mit den Eltern gesucht und darauf hingewiesen, dass die Elterntaxis meist die grösste Gefahr auf dem Schulweg darstellen – zwar nicht für die eigenen Kinder, aber für alle anderen», sagt Andreas Hollenstein, Postenchef bei der Regionalpolizei Unteres Fricktal.

Aber nicht nur das sei ein Problem. «Vielen Eltern ist nicht bewusst, dass ihre Kinder das sichere Bewegen im Strassenverkehr nicht im Auto der Eltern erlernen können», sagt Bertschi. Dafür sei vielmehr eben genau der Schulweg entscheidend.

«Wir müssen sicherlich weiterhin ein Auge auf dieses Thema haben», sagt Hollenstein. Denn, obwohl viele Eltern im Gespräch Verständnis zeigten und Besserung gelobten, weiss auch er: So einfach lässt sich das Phänomen nicht aus der Welt schaffen. Bereits bei einer ersten Nachkontrolle musste die Polizei denn auch eine Busse ausstellen, weil ein Elternteil das Auto auf einem Trottoir bei einem Fussgängerstreifen abstellte – also mitten im Halteverbot.

Verkehrsunterricht wichtig für Unfallprävention

Hollenstein ist deshalb skeptisch, ob Massnahmen wie etwa das Aufstellen einer Halteverbotstafel wirklich Wirkung zeigen würden. Stattdessen verlagere sich das Problem so wohl einfach einige Meter weiter, glaubt er. «Wir werden deshalb weiterhin versuchen, die Eltern für unser Anliegen zu sensibilisieren.» Die Aktion der Schule Möhlin, bei den Schulhäusern Hinweistafeln mit der Aufschrift «Gefahr Elterntaxi» aufzustellen, begrüsst er.

Wichtig sei ausserdem der Verkehrsunterricht an den Schulen. «Im Verbund mit den Eltern und den Lehrpersonen bringen wir den Kindern stufengerecht bei, wie sie sich sicher im Strassenverkehr bewegen können – dies nicht nur zu Fuss, sondern auch mit dem Kickboard oder später mit dem Velo», sagt Bertschi. «Das hat einen hohen Wert in der Unfallprävention», so Hollenstein.

Während des Lockdowns fiel der Unterricht allerdings komplett aus. So konnten etwa die Veloprüfungen nicht durchgeführt werden. Seit den Sommerferien nun findet der Unterricht wieder statt – wobei die Instruktoren der Polizei bei Bedarf Masken tragen. Die Veloprüfungen sollen soweit möglich nachgeholt werden.

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