Rheinfelden

Er will den Herbst in der Stadt verschönern – mit heissen Marroni

Seit dieser Woche verkauft Raffaele Marino in der Marktgasse vor seinem Feinkost-Laden heisse Marroni.

Raffaele Marino verkauft seit Kurzem vor seinem Feinkostgeschäft in der Marktgasse Marroni. Damit will er keinen grossen Umsatz machen, sondern Rheinfelden und seinen Kunden in der kalten Jahreszeit etwas Warmes bieten.

Wenn die Blätter bunt werden, die Tage kürzer und die Temperaturen anfangen zu purzeln, ist Marroni-Zeit. Zugegeben: Im Fricktal sucht man in den allermeisten Gemeinden nach den heissen Herbstfrüchten vergebens. Nicht so in Rheinfelden. In der Marktgasse vor dem Feinkost-Laden von Raffaele Marino, 33, glüht die Holzkohle unter den braunen Früchten.

So zieht seit dieser Woche der Marroni-Duft durch die Altstadtgassen und lockt den einen oder anderen Passanten an Marinos Grill. «Der Stand ist eine kleine Aufwärmstation. Zu meinen Marroni, die aus Italien kommen, gibt es dampfenden Kaffee to go», sagt Marino.

Seit fünf Jahren lebt der gebürtige Italiener mit seiner Frau in der Schweiz. Marino verkaufte vor zwei Jahren zum ersten Mal Marroni in der Marktgasse. Im Gegensatz zu den vergangen zwei Jahren, lässt der Herbsteinbruch in diesem Oktober auf sich warten. Dass der Marroni-Verkauf deswegen noch etwas schleppend läuft, kann Marino nicht verhehlen. «Bei den noch relativ milden Temperaturen kaufen die Kunden viel mehr Glace als Marroni», sagt er. Richtig Lust auf heisse Marroni bekämen die Leute erst, wenn die Temperaturen einstellig würden.

40 Kilogramm in vier Stunden

Es sei so, dass er den Marroni-Stand nicht aus primär ökonomischen Gründen betreibe. «Die Gewinn-Marge ist nicht sehr hoch», sagt er. Das Kilo kauft er für zwölf Franken ein, dazu kommen die Kosten für ein bis zwei Säcke Kohle pro Tag. Pro verkauften Kilo macht er einen Umsatz von 35 Franken. «Mein Ziel ist es, pro Tag mindestens drei Kilogramm zu verkaufen, an einem herbstlichen Wochenende 30 Kilogramm», sagt er. Zum ersten Mal Marroni in dieser Saison hat Marino am Herbstmarkt in Rheinfelden am vergangenen Samstag verkauft. T

rotz der Konkurrenz von drei anderen Ständen hat er innert vier Stunden knapp 40 Kilogramm verkauft. «Das lag auch am Heimvorteil. Viele Leute kennen mich halt», sagt er.
Wichtiger als der Umsatz sei es ihm jedoch, mit seinem Marroni-Stand der Stadt ein «kleines Genschenk» zu machen und mit den Herbstfrüchten dafür zu sorgen, dass passend zur Jahreszeit mehr Atmosphäre in die Marktgasse einkehrt.

Marroni zu rösten ist ganz einfach, so Marino. Man müsse mit Liebe an die Arbeit gehen, das mache den besonders guten Geschmack aus, schmunzelt er. «Ich bringe die Kohle zum Glühen und lege die Kastanien auf den Rost. Wenn die Marroni essbereit sind, platzen sie auf.» Natürlich achtet er darauf, dass er die faulen Marroni aussortiert, bevor sie bei einem Kunden in der Tüte landen, sagt er.

Immer Zeit für ein Schwätzchen

Wiegen muss Marino die von ihm eingetüteten Marroni mittlerweile nicht mehr – zumindest bei seinen Stammkunden. «Die vertrauen mir oder packen sich die bei mir georderte Menge an Marroni gleich selbst in die Tüte.» Bei den Touristen sehe dies anders aus. Da müsse er natürlich kurz in seinen Laden gehen und die Tüte auf die Waage stellen.

Zwischen 10 und 12 Uhr steht Marino, der alleine arbeitet, hinter dem Tresen seines Feinkost-Ladens. «Dort läuft dann am meisten», sagt er. Gleichzeitig müsse er aber natürlich auch das Schaufenster seines Marroni- und Glace-Standes im Auge behalten. «Manchmal geht es rein, raus, rein, raus», sagt er. Dennoch: Aus der Ruhe bringen lasse er sich nicht und Zeit für ein kleines Schwätzchen nehme er sich auch immer. «Das gehört zum Verkauf dazu», so Marino.

Autor

Dennis Kalt

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