«Man muss schon etwas Idealist sein, wenn man so etwas macht», sagt Geri Keller. Er sitzt gemeinsam mit Ehefrau Esther in der Gaststube des Gasthauses Bären in Hottwil. Vor genau zehn Jahren haben sie nach einem intensiven Familienrat – das jüngste der drei Kinder kam damals gerade in die 1. Klasse – beschlossen, den Genossenschaftsbetrieb «Bären» zu pachten. «Die Entscheidungsfindung war eine Berg- und Talfahrt», so Esther Keller. Schliesslich ging es ja um die Existenzfrage. Sicherheit oder gar eine Garantie, dass es funktioniert, gab es nicht. «Wir haben uns dafür entschieden, weil wir spürten, dass es für uns das Richtige ist. Die Verbundenheit zur Region und der Reiz, etwas weiter zu entwickeln, gab letztlich den Ausschlag.» Geri Keller kündigte seinen Führungsjob bei der Jehle AG in Etzgen. «Der Bären ist sozusagen mein Elternhaus, für mich ist es deshalb auch ein Stück Heimkommen.» Er ist in dem Gasthaus aufgewachsen, seine Eltern wirteten hier von 1956 bis 1974.

Wirteprüfung und Umbau

Mit dem Entschluss vor zehn Jahren begann eine intensive Zeit. Esther Keller, gelernte Köchin mit Zusatzausbildung Diätköchin, absolvierte die Wirteprüfung. Gleichzeitig wurde mit dem Umbau im Untergeschoss des «Bärens» begonnen. Lange war in dem Betrieb nur das Nötigste gemacht worden. Jetzt wurde die Küche komplett modernisiert, der Gastraum sowie der Eingangsbereich erhielten eine umfassende Sanierung. Im Gästebereich dominieren heute die Farben Mintgrün und Gelb. Sie sorgen für Frische und eine feine Brise modernen Flairs. Erhalten geblieben ist das «Heimelige» des 1539 erbauten Hauses.

Flösserweg und Gastro Aargau

Bereits früher hat Geri Keller mit Gleichgesinnten den Flösserweg von Laufenburg bis Stilli initiiert. Heute können die Wanderer als zusätzliche Bereicherung auf der historischen Route der einstigen Flösser Rast im Hottwiler Gasthaus einlegen. Seit zwei Jahren verwaltet Keller zudem das Gästehaus Flösser (ehemaliges Hottwiler Schulhaus). Als Vorstandsmitglied von Gastro Aargau sieht sich Geri Keller als Vertreter der Landgastrobetriebe. Stolz ist das Hottwiler Wirtepaar ausserdem, weil der «Bären» ein Genuss-StrasseBetrieb von Jurapark Aargau ist. Regelmässig organisiert das Bären-Team auch verschiedene Gruppenreisen, Events, Genussreisen oder nimmt an Veranstaltungen wie beispielsweise die Brugger Expo teil. Der Reinerlös fliesst jeweils vollumfänglich in definierte «Bären»-Projekte.

Nach dem Verkauf des Gasthauses durch Geri Kellers Vaters, geriet der Betrieb in spekulative Hände, bis schliesslich ganz das Aus drohte. Acht Hottwiler liessen das nicht zu und gründeten mit weiteren Initianten 1979 die Genossenschaft. Welchen Wert hat diese für das Pächterpaar Keller? «Wenn es damals nicht Idealisten gegeben hätte, die sich für den Erhalt des Gasthauses eingesetzt hätten, gäbe es den Bären heute nicht mehr. Die Genossenschaft ist sehr wichtig.» Das soll so bleiben, deshalb haben Esther und Geri Keller auch nicht vor, den «Bären» zu kaufen.