Fricktal

Eventtechniker auf dem Bau – oder: Wie sich die Veranstaltungsbranche über Wasser halten will

Das Equipment der Daytona Event ist auf Grossanlässe – hier ein Konzert vor Corona – ausgelegt und wurde 2020 kaum gebraucht.

Das Equipment der Daytona Event ist auf Grossanlässe – hier ein Konzert vor Corona – ausgelegt und wurde 2020 kaum gebraucht.

Es wird für die Eventbranche ein desaströses Jahr. Zurzeit kommen nur spärlich Anfragen und Aufträge rein – auch wegen der grossen Ungewissheit rund um das Coronavirus. Zwei Eventtechniker wissen sich zu helfen.

«Katastrophe», «Kurzarbeit», «Konkurs». Das waren die Worte, welche die Fricktaler Eventtechniker im Frühjahr benutzten, als das Coronavirus die Schweiz erreichte und die Eventbranche regelrecht zusammenbrach. Da wusste noch niemand, wie lange die Krise andauern würde. Jetzt, gut sieben Monate später, ist klar: Es wird für die Eventbranche ein desaströses Jahr. 80 Prozent weniger Umsatz als in einem normalen Jahr vor Corona etwa verzeichnet die Möhliner SSE Eventtechnik. Der Rückgang würde noch höher ausfallen, hätte die Firma nicht «einen sehr guten Januar und Februar» verzeichnet – damals noch dank der Fasnacht in der Region, wie Geschäftsführer Martin Gruber sagt.

Auch bei der Daytona Event GmbH in Frick liegt der Umsatzrückgang irgendwo zwischen 80 und 90 Prozent. «Uns wurden ja praktisch alle Aufträge storniert und es kommen auch keine neuen Anfragen rein», sagt Co-­Geschäftsführer Andreas Zwahlen. Lediglich über den Sommer hätten ein paar wenige Events durchgeführt werden können, «aber dies waren nur sehr kleine», so Zwahlen.

Die Fixkosten werden möglichst tief gehalten

Die Firmen versuchen, die schwierige Situation so gut wie möglich zu meistern – auch wenn sie in ihrem Fachgebiet Events kaum alternative Geschäftsmöglichkeiten haben. «Es gibt zwar Onlineevents mit Videostreaming», sagt Zwahlen. Aber: «Das ergibt jedoch nur eine sehr kleine Auslastung des ganzen Equipments, das hauptsächlich auf Veranstaltungen und Messen mit vielen Besuchern ausgelegt ist.» Stattdessen ist es ein Ziel, die Fixkosten tief zu halten. «Wir haben dieses Jahr keine Neuinvestitionen gemacht und zur Kostensenkung sogar Fahrzeuge ausgelöst», sagt Zwahlen.

Martin Gruber und sein Geschäftspartner haben derweil eine ganz andere Einnahmequelle gefunden, um zumindest die Betriebskosten und einen Teil der Löhne decken zu können: Sie arbeiten derzeit auf dem Bau. «Wir waren beide schon früher im Baugewerbe tätig. Das sind jedoch nur sporadische Einsätze», so Gruber. Er ist ehrlich: «Wir haben keine Angestellten, ansonsten hätten wir diese entlassen müssen.»

Keiner will Events planen

Die Daytona Event GmbH hat für ihre Mitarbeitenden Kurzarbeit beantragt. «Wir mussten bis jetzt noch keine Stellen streichen», sagt Andreas Zwahlen. Das Unternehmen arbeitet allerdings gerade bei Grossaufträgen auch mit Freelancern, also freien Mitarbeitern, zusammen. «Da diese meist selbstständig sind, fehlt ihnen nun ihr Einkommen.»

Wie lange die Coronapandemie und die damit verbundenen Restriktionen für Events noch andauern werden, ist noch immer unklar. Entsprechend ungewiss sind die Aussichten in der Veranstaltungsbranche. «Zurzeit kommen spärlich Anfragen rein», sagt Zwahlen. «Niemand weiss, wie es weiter- geht. Aus diesem Grund verstehe ich natürlich auch, dass keiner einen Event planen will.» Die SSE Eventtechnik hat immerhin für einige grössere Events Zusagen erhalten. Allerdings: «Diese sind immer mit dem Vorbehalt verbunden, dass Corona dann weg ist», sagt Gruber.

«Finanziell ist das ein Desaster», so Gruber. Die Situation ist existenzbedrohend. «Ohne dass sich etwas ändert, ist der Kredit des Bundes Ende nächstes Jahr aufgebraucht und somit auch die Liquidität des Unternehmens.» Aufgeben ist aber kein Thema: «Es liegt mir sehr viel daran, dass unsere Firma wegen Corona nicht in Konkurs gehen wird», sagt Zwahlen.

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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