Fricktal
Fahrzeuge stehen seit Monaten still: So erging es den Carreise-Unternehmen der Region im Coronajahr

Die Fricktaler Carreise-Unternehmen blicken auf ein katastrophales 2020 zurück – und rechnen nicht mit einer schnellen Besserung.

Nadine Böni
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Die Reiseunternehmer Rainer (rechts) und Stefan Kaufmann mit ihrer Flotte – derzeit stehen die Fahrzeuge praktisch komplett still.

Die Reiseunternehmer Rainer (rechts) und Stefan Kaufmann mit ihrer Flotte – derzeit stehen die Fahrzeuge praktisch komplett still.

zvg

Das Jahresprogramm ist bereits auf der Website aufgeschaltet. «Finnisch Lappland» stünde als Erstes an, Mitte März. Wenige Tage später dann «Frühling am Gardasee» und «Ostern in Luxemburg». Nur: Ob die Carfahrten des Fricktaler Reiseunternehmens Schwarb Reisen auch tatsächlich so durchgeführt werden können, ist derzeit mehr als fraglich. Am kommenden Montag treten die verschärften Massnahmen gegen das Corona­virus in Kraft und gelten voraussichtlich mindestens bis Ende Februar.

«Wir können derzeit nur die Entwicklung der Infektions­zahlen und Schutzmassnahmen in der Schweiz sowie in Ziel­ländern verfolgen – und hoffen, dass es bald besser wird», sagt Rainer Kaufmann, Geschäftsführer von Schwarb Reisen. Der Start ins neue Jahr verläuft für die Reiseunternehmen so, wie schon ein Grossteil des vergangenen Jahres war: katastrophal.

Branchenverband warnt vor vielen Konkursen

«Während des Lockdowns und bis in den Sommer hinein konnten gar keine Reisen oder Ausflüge durchgeführt werden, ebenso nach der Verschärfung der Massnahmen im Oktober», sagt Christoph Brem von «Brem Carreisen» in Wölflinswil. Dazwischen waren Fahrten möglich, Tagesausflüge und gar einige mehrtägige Reisen. Insgesamt aber reichte es nur zu rund einem Viertel der Fahrten im Vergleich mit einem normalen Jahr. «Entsprechend sehen auch die Umsatzzahlen aus», sagt Kaufmann.

Die meisten Fahrzeuge standen monatelang still. «Wir haben die Nummern abgenommen und die Fahrzeuge abgemeldet», sagt Brem. Auch Kaufmann ging so vor. Damit konnte wenigstens ein Teil der laufenden Kosten eingespart werden. Für die einzige Angestellte hat Kaufmann ausserdem Kurzarbeit angemeldet. Die Carfahrer bei Brem konnten derweil als Postauto-Chauffeure arbeiten. Das Unternehmen betreibt drei Buslinien im Fricktal. «Wir haben glücklicher­weise eine gute Lösung gefunden, sodass wir nur während weniger Wochen Kurzarbeit anmelden mussten», sagt Brem. «Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.»

Bei Rainer Kaufmann ist die Situation schwieriger: «Lange darf die aktuelle Situation nicht mehr andauern, sonst wird es kritisch.» Aktuell lebe man von den Reserven. Aber: «Es geht an die Existenz.» Erst diese Woche warnte der Schweizerische Nutzfahrzeugverband in einem Brief an Bund und Kantone, jedem dritten Car- und Taxiunternehmen drohe bis Ende Februar der Konkurs. Der Verband forderte, dass die Härtefallhilfe nun sofort ausgeschüttet wird. Kaufmann unterstützt das: «Es ist wichtig, dass wir jetzt schnell Hilfe erhalten.»

Dank der Kunden bleiben die Unternehmer positiv

Die Reiseunternehmen hoffen, dass im Frühjahr irgendwann das Licht am Ende des Tunnels auftaucht. Sprich: Dass bald wieder Reisen durchgeführt werden können. «Wir prüfen laufend, was wann möglich sein könnte», sagt Brem. «Wir wollen bereit sein für den Neustart.» Und auch Kaufmann tönt zuversichtlich: «Wir geben jetzt nicht auf – das sind wir auch unseren treuen Kundinnen und Kunden schuldig.» Dank ihnen gelinge es, positiv zu bleiben. Erst diese Woche kontaktierte er Kundinnen und Kunden, welche die Lappland-Reise im März gebucht haben. «Ich fragte, ob sie angesichts der aktuellen Situation überhaupt noch Interesse an der Reise haben. Fast alle sagten sofort Ja.»