Immer wieder sorgen die vielen und vor allem lärmigen Krähen in der Kaiseraugster Liebrüti für Ärger. Die Gemeinde und auch die LiebrütiVerwalterin Varioserv haben seit dem letzten Sommer schon einiges versucht, um die Krähenpopulation zu reduzieren: Ein Falkner wurde eingesetzt, auf dem Dach eines Hochhauses wurden künstliche Dornen, sogenannte Spikes, angebracht, um die Vögel daran zu hindern, sich dort niederzulassen. Zudem wurden auch Krähen geschossen, Baumkronen zurückgeschnitten und Nester entfernt. Letzteres wohl sogar zu intensiv: Die Regionalpolizei Unteres Fricktal ermittelt derzeit, weil eine Anzeige wegen Entfernens von Krähennestern während der Schonzeit – sie läuft seit dem 16. Februar und noch bis Ende Juli – eingegangen ist. Entsprechende Vorwürfe hatte die AZ bereits im März publik gemacht.

Gut 80 abgeschossene Krähen

«Leider haben die bisherigen eingeleiteten Massnahmen nicht die gewünschte und erhoffte Wirkung erzielt», schreibt die Gemeinde nun in den Gemeindemitteilungen dieser Woche. Die Falkenflüge hätten leider keine permanente Vergrämung bewirkt.

Erfolgreicher war die Dezimierung durch die Jagdgesellschaft. 80 bis 90 Krähen habe man letztes Jahr geschossen, so Niklaus Schmid von der Jagdgesellschaft Kaiseraugst. Die Krähenjagd erfolgte auf den Feldern in der Umgebung der Liebrüti. Allerdings ist der Bestande «infolge der natürlichen Vermehrung» gesamthaft dennoch in etwa gleich gross geblieben, wie der Gemeinderat schreibt. Dennoch halte er weiter an der Dezimierung fest. Diese soll nach der Schonzeit weitergeführt werden.

Zudem soll nach der Schonzeit zur Vergrämung der Krähen auch ein Multikopter, eine als Falke umgebaute Drohne, eingesetzt werden. Diese Massnahme sei bisher zur Krähenvergrämung schweizweit noch nicht umgesetzt worden, heisst es in der Mitteilung der Gemeinde. «Sie ist jedoch im Flughafenbereich erfolgreich getestet worden.»

Futterstellen eindämmen

Zudem ist auf dem Block 3 der Liebrüti ein Brutkasten für Wanderfalken montiert worden. «Dieser soll ein Wanderfalkenpärchen dazu bewegen, den Brutkasten als ‹Heim› in der Liebrüti anzunehmen», schreibt der Gemeinderat. Urs Wullschleger, der beim Natur- und Vogelschutzverein Kaiseraugst das Ressort Vögel betreut, sagt, dass es in der Region beispielsweise in Basel Wanderfalken gäbe.

«Vor Jahren gab es auch in Kaiseraugst ein Pärchen», erinnert er sich. Die Wanderfalken jagen Vögel, etwa Tauben, aus der Luft. «Das Nahrungsangebot wäre also sicher vorhanden», so Wullschleger. Eine Möglichkeit, ein Falkenpärchen gezielt anzulocken, gebe es allerdings nicht, sagt er. Für eine Ansiedlung brauche es vor allem eines: «Glück».

Auch während der Schonzeit will der Gemeinderat nicht untätig bleiben. Ziel ist es, die Futterstellen in Kaiseraugst zu reduzieren. Einerseits fänden die Krähen ihre Nahrung auf den umliegenden Feldern, sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Andererseits aber auch in offenen Grünmulden, in frei zugänglichen Abfallmulden sowie vereinzelt in Kehrichtsäcken an Abfuhrtagen.

Die Gemeindeverwaltung prüfe nun, «ob es möglich ist, die Grünmulden mit Deckeln zu versehen», so Rehmann. Erste Abklärungen hätten jedoch ergeben, dass der Einsatz von gedeckelten Mulden die Zugänglichkeit der Mulden stark einschränkt und die Befüllung nicht optimal erfolgen kann. Unabhängig von den Mulden weist Rehmann darauf hin, dass die Krähen nicht gefüttert und die Kehrichtsäcke am Entsorgungstag und nicht vorzeitig bereitgestellt werden sollten.