Frick

Fleischkäse mit Nägeln versetzt Hundehalter in Angst – steckt ein Tierquäler dahinter?

Ein Plakat warnt in Frick vor Ködern mit Nägeln drin.

Ein Plakat warnt in Frick vor Ködern mit Nägeln drin.

In Frick wurde ein mit Nägeln präpariertes Stück Fleischkäse gefunden. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Dennoch rät sie von Warnplakaten ab.

«Bitte achtet auf eure Hunde, es können noch mehr vorhanden sein», steht auf einem Plakat an einem Baum am Oberen Rainweg in Frick. Die Rede ist von Hundeködern, konkret: Fleischkäse mit Nägeln drin. Ein solcher Köder sei Ende Juni im Gebiet gefunden worden, heisst es auf dem Plakat weiter. Die Kantonspolizei Aargau weiss um den Fall. «Der gefundene Köder wurde auf dem Polizeiposten abgegeben», sagt Sprecherin Aline Rey. «Die Ermittlungen laufen.» Eine Meldung über verletzte Tiere liege nicht vor.

Stellt sich die Frage, wer eine solche Tat verübt. Eine Frage, die sich auch der bekannte Gerichtspsychiater Josef Sachs stellt. Es sei schwierig, nur aufgrund der Tat und ohne weitere Informationen genaue Rückschlüsse zu ziehen, sagt er. Für ihn kommen mehrere mögliche Motive infrage. Zum einen könnte es sich um eine sadistisch veranlagte Täterschaft handeln. «Das sind Leute, die sich daran weiden, wenn andere Menschen oder Tiere leiden», erklärt er. Für ihn wäre dies der «worst case», denn: «Es zeigt sich, dass eine Mehrheit der Menschen, die eine schwere Gewalttat gegen Menschen verüben, zuvor Tiere gequält haben.» Da komme unweigerlich die nächste Frage auf: Zu was ist die Täterschaft noch fähig?

Als weitere Möglichkeit für ein Motiv sieht Sachs, dass der Täter oder die Täterin ein Problem damit hat, den eigenen Ärger zu kontrollieren. Diese Menschen hätten «nicht eine grundsätzlich böse Einstellung», so Sachs. Aber sie hätten die Wut nicht im Griff und verschafften sich ihrem Ärger über Hunde so Luft. «Eine ähnliche, wenn auch mildere Dynamik finden wir, wenn jemand gegen ein Auto kickt, weil er sich über den Autofahrer nervt», sagt Sachs. Möglich sei aber auch, dass sich der Ärger gar nicht gegen die Hunde selber richte, sondern gegen deren Halter. «Wie das Sprichwort sagt: Den Sack schlägt man, den Esel meint man.»

Eine solche Tat erfolgt nicht ohne Vorlaufzeit

Als Auslöser sieht Sachs in diesen Fällen eine «allgemeine Unzufriedenheit» mit dem Leben. Stichwort: Wutbürger. Eine solche Tat werde ausserdem nicht ohne eine gewisse Vorlaufzeit verübt. «Ein Mensch muss sich zuerst einige Zeit in seiner Fantasie mit der Frage beschäftigen, wie er jemandem eins auswischen und seiner Wut Ausdruck verleihen kann. Die Idee ist ja nicht naheliegend, da muss ein Mensch zuerst drauf kommen.» Einen Giftköder auszulegen – das sei eine Tat, von der man vielleicht mal am Stammtisch spreche. «Aber sie dann tatsächlich umzusetzen, ist noch einmal ein grosser Schritt.»

Derzeit seien aus der Region keine weiteren Fälle bekannt, sagt Rey. Im Frühjahr aber gab es im Fricktal schon mal eine ähnliche Warnung. Damals wurden in Rheinfelden ebenfalls Warnplakate aufgehängt – allerdings wurde die Polizei nicht eingeschaltet, weshalb bis heute unklar ist, ob es sich bei den gefundenen Fleischstücken tatsächlich um Giftköder handelte.

Meist rate die Polizei vor Warnplakaten ab, sagt Rey. «Sie sorgen für grosse Verunsicherung statt wirklich zu helfen. Und gerade, wenn sie auch auf den sozialen Medien geteilt wird, lässt sich die Verbreitung einer solchen Warnung kaum steuern.» Vielmehr rät Rey Hundehaltern, sich beim Spaziergang auf den Hund zu fokussieren und sich nicht ablenken zu lassen, etwa vom Smartphone. «So lässt sich in den allermeisten Fällen verhindern, dass der Hund unbemerkt etwas frisst. Wir appellieren da an die Eigenverantwortung», so Rey.

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Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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