Fricktal
Aargauer Grossrätin fordert mehr Busse über die Landes- und Kantonsgrenzen

Das Fricktal boomt dank der Pharmaindustrie. Das bringt der Region aber auch viel Mehrverkehr. Wie kann der drohende Verkehrskollaps abgewendet werden? Die Rheinfelder GLP-Grossrätin Béa Bieber bringt zusätzliche Busverbindungen ins Spiel. Kommt die Idee ins Rollen?

Thomas Wehrli
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Im Feierabendverkehr stauen sich die Autos oft an den Grenzübergängen.

Im Feierabendverkehr stauen sich die Autos oft an den Grenzübergängen.

Dennis Kalt/Aargauer Zeitung

Die gute Nachricht: Das Fricktal prosperiert nach wie vor stark und gehört zu den wachstumsstärksten Regionen im Kanton. Regelmässig schneiden die beiden Bezirke auch bei nationalen Ratings exzellent ab – vor allem auch dank der beiden Pharmacluster in Kaiseraugst und Stein.

Auch die Aussichten sind rosig: Im Sisslerfeld liegt eine der grössten noch unüberbauten Industrieflächen des Kantons, eine Perle, die man gerne zum Glänzen bringen möchte. Das entpuppte sich in den letzten Jahrzehnten indes als knifflige Aufgabe, vor allem auch, weil mehrere Grundeigentümer und Gemeinden am Prozess beteiligt sind.

Im Sisslerfeld hat es noch viel Platz für neue Unternehmen.

Im Sisslerfeld hat es noch viel Platz für neue Unternehmen.

Gerry Thönen/Aargauer Zeitung

Derzeit läuft eine Testplanung. Klar ist dabei: Im Sisslerfeld sollen wertschöpfungsintensive Firmen angesiedelt sein. Naheliegend wäre – im Umfeld von Novartis, DSM und Syngenta – Firmen aus dem Pharma- und Chemiebereich ins Fricktal zu holen. Die Sprache ist hier von einem Life-Science-Cluster. Novartis macht es auf seinem Areal vor: Hier entsteht in den nächsten Jahren ein Life-Science-Park, wie der Pharmariese vor kurzem bekanntgab. Insgesamt ist in den nächsten Jahren mit einigen tausend zusätzlichen Arbeitsplätzen im Sisslerfeld zu rechnen.

Neue Arbeitsplätze bringen mehr Verkehr

Das wird viele Zuzüger bringen – und damit auch Mehrverkehr. Bereits heute sind viele Strassen in der Rushhour an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Tägliche Staus rund um die Grenzübergänge – im Fricktal arbeiten viele Pendler aus Deutschland – und auf der A3 bei Rheinfelden sind die Regel.

Die Sorge, dass der Verkehr zunehmend ins Stocken gerät, treibt auch GLP-Grossrätin Béa Bieber um. Zusammen mit neun Grossrätinnen und Grossräten quer durch fast alle Parteien hat die Rheinfelderin am Dienstag eine Interpellation im Grossen Rat eingereicht. Darin mahnen die Politiker die Schaffung von zusätzlichen Verbindungen zwischen Wohnorten, Bahnhöfen und Arbeitsplätzen an. Denn:

«Andernfalls droht an vielen Stellen im Fricktal morgens und abends der Verkehrszusammenbruch.»
Béa Bieber ist GLP-Grossrätin.

Béa Bieber ist GLP-Grossrätin.

zvg/Aargauer Zeitung

Die Grossräte warten gleich auch mit einem Vorschlag auf: Zusätzliche Buslinien sollen die Strassen entlasten und Pendler grenzüberschreitend und interregional zur Arbeit bringen. Eine solche Lösung kann sich Bieber unter anderem vom geplanten Bahnhof in Warmsbach, einem Stadtteil in badisch Rheinfelden, zur Roche in Kaiseraugst vorstellen. Bieber ist überzeugt:

«Die Förderung umweltfreundlicher Mobilität darf nicht an der Grenze enden, weil auch die Verantwortung für die Erreichung der Klimaziele über Grenzen hinausgeht.»

Für Bieber ist aber auch klar: Für den Aus- und Aufbau zusätzlicher Angebote, die insbesondere auch Pendlern zugutekommen, soll nicht alleine die öffentliche Hand zahlen. Aus Sicht der Interpellanten «müssen Unternehmungen und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sich an Mobilitätskonzepten massgeblich beteiligen, dies im Zusammenarbeit mit dem Kanton».

Zehn Fragen an den Regierungsrat

In einem ersten Schritt stellen Bieber und ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter dem Kanton ein Bündel Fragen. So wollen sie wissen, wie sich der Grenzverkehr in den letzten 20 Jahren entwickelt hat, wie viele Personen aktuell über den Rhein pendeln und wie gross der Pendelverkehr in die Nachbarkantone ist.

Gefragt wird auch, wie sich der Regierungsrat dereinst die Organisation des Pendelverkehrs zum Sisslerfeld vorstellt und ob er Überlegungen anstellt, die Pendlerströme aus Deutschland und den umliegenden Kantonen ins Fricktal auf Busse zu verlagern. Und eben:

«Wie gedenkt der Kanton Aargau, die Wirtschaft/Industrie in das Verkehrskonzept einzubinden und an den Kosten der Busverbindungen zu beteiligen?»

Wobei dies Bieber und ihre Mitstreiter nicht eindimensional als finanzielle Belastung der Firmen sehen, sondern im Gegenzug erwarten, dass die Unternehmen finanziell entlastet werden – beispielsweise bei der vorgeschriebenen Zahl der Parkplätze.