Fricktal
Der Lockdown macht auch dem Grippe-Virus das Leben schwer

Corona ist in aller Munde. Aber von der Grippe, die sonst spätestens ab Januar Jahr für Jahr wellenartig übers Land schwappte, spricht 2021 keiner. Die Grippewelle ausgefallen – so tönt es derzeit auch aus Fricktaler Arztpraxen.

Hans Christof Wagner
Merken
Drucken
Teilen
Viele haben sich 2020 gegen die Grippe impfen lassen.

Viele haben sich 2020 gegen die Grippe impfen lassen.

Christian Beutler / KEYSTONE

«Bis auf ganz wenige Fälle von Erkältungen ist bei uns die Grippesaison 2021 ins Wasser gefallen», berichtet Beat Rickenbacher, Facharzt für Allgemeinmedizin in Rheinfelden. Auch Kollegen, die gemeinsam mit Rickenbacher in der Gemeinschaftspraxis am Stadtweg praktizieren, hätten so gut wie keine Patienten mit derlei Symptomen behandelt. Influenza-Viren, welche für die echte Grippe verantwortlich sind, seien überhaupt keine verzeichnet worden, so der Arzt.

Dabei ist die Praxis am Sentinella-Überwachungssystem angeschlossen, bei dem Arztpraxen dem BAG Grippe-Verdachtsfälle melden. Auch Andreas Helg vom Praxiszentrum Frick berichtet auf Nachfrage:

«Bis auf wenige Kinderschnupfen hatten wir 2021 keine schwereren Fälle von Atemwegserkrankungen.»

Thomas Bleile, praktischer Arzt in Laufenburg, bestätigt: «Die Grippewelle ist 2021 ausgefallen.»

Rickenbacher sagt zwar: «Ich weiss nicht, woran es genau liegt.» Aber in einem sind sich die drei Fricktaler Mediziner einig: Maskenpflicht, Abstandhalten, Handdesinfektion machen es nicht nur dem Corona-, sondern auch dem Influenza-Virus schwer, sich zu verbreiten. Bleile erklärt:

«Es ist doch kein Wunder. Das öffentliche Leben ist heruntergefahren, die Leute sind im Homeoffice isoliert, fahren kaum noch mit Bus und Bahn, verzichten auf den Händedruck, das wirkt sich schon aus.»

Unklar aber ist, ob sich auch die hohe Zahl an Grippeimpfungen vergangenes Jahr ausgewirkt hat. «Wir haben 2020 30 bis 40 Prozent mehr geimpft als 2019», sagt Helg. «Bei uns waren es rund anderthalb Mal so viele wie sonst. Wir hatten schon Angst, es reicht nicht für alle», so Rickenbacher. «Zu mir kamen 2020 auch junge Männer und Frauen zum Impfen, für die das zuvor nie ein Thema war», so Bleile.

Die Impfwilligkeit war hoch

Die Vorstellung, man könnte sich doppelt infizieren, mit Grippe und Corona gleichzeitig, hat die Impfwilligkeit nach oben schnellen lassen. Den drei befragten Fricktaler Ärzten sind auf Nachfrage aber keine solchen Fälle begegnet. Helg sagt ausserdem:

«Ich glaube nicht, dass die vergleichsweise hohe Zahl an Impfungen viel mit den wenigen Grippe-Fällen zu tun hat.»

Seiner Ansicht nach hat der Grund vielmehr mit Corona zu tun: Durch den weltweiten Lockdown hätten die Grippe-Viren ihre in der Regel von Australien ausgehende Reise rund um den Globus erst gar nicht antreten können.

Masken als bleibende Begleiter auch nach Corona

Rickenbacher, Helg und Bleile sind sich einig: Die Grippe-Saison 2021 ist durch, da kommt nichts mehr. Für die Zukunft, für die Zeit nach Corona, wünschen sie sich eines: Dass die Menschen zumindest einen Teil der inzwischen schon gewohnten Schutzvorkehrungen beibehalten, auch im Sinne der Grippe-Prävention. «Die Masken werden uns weiterhin begleiten», glaubt Beat Rickenbacher. «Eine gewisse Vorsicht wird bleiben», schätzt auch Andreas Helg. Beide empfehlen den Blick nach Asien, wo die Maske ja auch schon vor Corona zum guten Ton gehört habe.