«Ich habe immer geschrieben. So kann ich am besten ausdrücken, wie es mir geht. Und was mich beschäftigt», erzählt Marc Hofer. Der 28-jährige Sozialarbeiter und Rapper hat bereits als Achtjähriger seine eigenen Texte verfasst.

Sänger zu werden war aber nie sein Ziel: «Ich habe ziemlich früh gemerkt, dass ich überhaupt nicht singen kann», gibt er verschmitzt zu. Die Erlösung kam während Hofers Pubertät, als er zum ersten Mal die Schweizer Hip-Hop-Band Wurzel 5 aus Bern gehört hat: «Da wurde mir klar: Ich muss ja gar nicht singen können, um meine Texte und Musik miteinander verbinden zu können. Ich kann ja auch rappen!» Unter dem Künstlernamen «Cassel» hat Hofer nun sein erstes Album «Vo de Bar» veröffentlicht.

Cassel -Vo de Bar feat. Céline Bührer

Bartreiben als Inspiration

«Ich halte mich viel in Bars auf, oft auch alleine. Die Gespräche, die die Leute dort führen, inspirieren mich zu meinen Texten. Das sind Alltagsgeschichten, Geschichten aus dem Leben.»

Die Melodien seiner Lieder sind eingängig, die Texte auf Mundart bisweilen auch düster, eine Kritik an unserer Gesellschaft. Das kommt nicht von ungefähr. Der 28-jährige wird ernst, wenn er von seinen Erfahrungen in New York erzählt.

Hofer hat dort vor vier Jahren, bevor er sein Studium in Sozialpädagogik begann, für eine Hilfsorganisation für Schulkinder aus sozial schwachen Schichten gearbeitet.

Diese Schicksale verschwinden seither nicht mehr aus seinem Kopf: «Es gab Kinder, die waren total verwahrlost. Wenn sie dir die Wohnungstür geöffnet haben, hast du gesehen, dass ihre Familie nicht viel mehr besitzt als ein Bett, einen Tisch und einen Fernseher.»

Auf Hofers Initiative hin entstanden Kurse, in denen die Kinder lernten, Graffiti zu sprayen oder Hip-Hop-Texte zu schreiben.

Schreiben, um zu Verarbeiten

Sein Aufenthalt in Amerika hat bei Hofer auch emotionale Spuren hinterlassen: «Als ich aus New York zurückkam, fiel ich in ein Loch. Die Schweizer Mentalität machte mir zu schaffen», erzählt er. Der 28-Jährige meint damit, dass sich viele Schweizer über Dinge beklagen, die in anderen Ländern schlichtweg kein Thema sind.

«Wir Schweizer haben Luxusprobleme», erklärt er. Auch seine Erfahrungen als Sozialarbeiter verpackt Hofer in seinen Texten. So rappt er etwa im Stück «Okay»: «Kei Ahnig, was Familie isch, Vater wäg, Mama het nie Zyt, kei Liebi meh, offeni Wunde, Härze kaputt, lääri Stundä».

Zeilen, die direkt ins Herz schiessen und ein Rattern im Kopf auslösen. Hofer sieht seine Arbeit als Chance, den Jugendlichen eine bessere Zukunft zu ermöglichen: «Sie brauchen jemanden, der an sie glaubt und sie unterstützt. Und ich finde es schön, dass ich diese Person sein kann.»