Rheinfelden

Gegen Vorurteile: Migranten erzählen ihre Geschichten

Lelia Hunziker ist die Leiterin der Anlaufstelle Integration Aargau. (Alex Spichale)

Lelia Hunziker ist die Leiterin der Anlaufstelle Integration Aargau. (Alex Spichale)

Die Anlaufstelle Integration organisiert am 21.März zusammen mit der Stadtbibliothek eine «Living Library». Menschen können zum Gespräch «ausgeliehen» werden.

Bei einer «Living Library» leihen die Besucher nicht Bücher zum Lesen aus, sondern Menschen für ein Gespräch. Die menschlichen Bücher haben eines gemeinsam: Sie alle haben Migrations- oder Fluchthintergrund und werden in der Gesellschaft oft stereotypisiert wahrgenommen.

Es wird viel über sie geredet oder geschrieben. Sie sind Thema in den Medien, am Stammtisch, in der Politik oder beim Treffen mit Freunden. Nur selten aber kommt es zu direkten Begegnungen mit diesen Menschen.

Hier setzt die «Living Library» an: «Im persönlichen Gespräch erhalten die Besucher die Möglichkeit, alles zu fragen, was sie zu einem Menschen, seiner Situation, seinen Erfahrungen und seiner Meinung interessiert», schreiben die Veranstalter in einer Mitteilung. Die «Living Library» stelle Stereotypen infrage und baue Vorurteile ab. «Durch den direkten Dialog erhalten die Besucher die Gelegenheit, die Bilder in ihrem Kopf mit wirklichen Menschen zu konfrontieren.»

Und so funktioniert die «Living Library» in Rheinfelden: Am Eingang der Bibliothek können sich Besucher an der Ausleihtheke über das Angebot an «menschlichen Büchern» informieren. Kurze Einführungstexte geben einen Überblick über die verfügbaren Buchtitel. Anschliessend werden sie von der Bibliothekarin in die Räumlichkeiten der Bibliothek zum ausgewählten menschlichen Buch begleitet.

Die Buchausleihe dauert maximal 30 Minuten. Während dieser Zeit dürfen die Besucher alles fragen, was ihnen durch den Kopf geht. Auch persönliche oder kritische Fragen sind erlaubt. Das «menschliche Buch» hat aber das Recht, eine Frage nicht zu beantworten oder Gegenfragen zu stellen.

Das Konzept der «Living Library» stammt ursprünglich aus Dänemark. Im Jahr 2000 organisierten junge dänische Aktivisten eine viertägige «Menneskebiblioteket» mit über 50 verschiedenen Menschenbüchern. Die «Living Library» ist seither zu einer globalen Bewegung geworden. Von Tunesien über Russland bis nach Australien und den Philippinen - in allen Ecken der Welt wurden und werden «Living Libraries» durchgeführt.

Der Anlass in der Stadtbibliothek Rheinfelden findet am Dienstag, 21. März, von 17 bis 20 Uhr im Rahmen der Aktionswoche gegen rassistische Diskriminierung statt. Parallel werden auch Medien zum Thema Vielfalt und Diversität ausgestellt. 

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