Der Gemeinderat Möhlin möchte das Gebiet Leigrube nicht auszonen. Er wird das Geschäft an der kommenden Wintergemeindeversammlung zwar, wie von den Wachstums-Gegnern gewünscht, traktandieren, aber: Er empfiehlt das Geschäft zur Ablehnung. Das ist einem Aktendossier zu entnehmen, das seit Mitte Woche für die Gruppierungen und Ortsparteien auf der Bauverwaltung aufliegt. Stattdessen beantragt der Gemeinderat einen Planungskredit. Das Gebiet soll «im ursprünglichen Sinne der Gemeindeversammlung von 2011» überbaut werden, heisst es im Dossier. Will heissen: Es soll ein Einfamilienhaus-Quartier entstehen.

Dem Gemeinderat geht es in einem nächsten Schritt nun darum, die Bevölkerung – allen voran die wachstumskritischen Gruppierungen «IG Leigrube», «ProKulturland» und «Zukunft Möhlin» – vom Projekt zu überzeugen. Gemeinsam mit den Ortsparteien und den Gruppierungen will er das Vorhaben Mitte Oktober besprechen.

Sind die 12 Millionen realistisch?

«Bis dahin werden wir unsere Hausaufgaben gemacht haben», sagt Roman Ackeret, Vertreter der «IG Leigrube». Die IG war es, die an der Gemeindeversammlung im Juni den Antrag auf Auszonung stellte. «Die Mitglieder der IG werden sich das Dossier in den nächsten Wochen anschauen. Es ist wichtig, für uns zu wissen, was der Gemeinderat vorhat, um selber die nächsten Schritte zu planen», so Ackeret.

Ein Grund, weshalb der Gemeinderat gegen eine Auszonung ist, ist eine drohende Millionen-Klage. Denn sowohl der Kanton als auch ein Rechtsanwalt kommen in ihren Stellungnahmen zum Schluss: Wird das Gebiet ausgezont, stünde den Grundeigentümern eine finanzielle Entschädigung zu. Es sei mit einer Forderung von weit über 12 Millionen Franken zu rechnen, heisst es im rechtlichen Gutachten.

Auch die «IG Leigrube» hat nach der Gemeindeversammlung im Juni eine rechtliche Abklärung der Situation angestossen. «Die aktuellen Informationen aus dem Dossier werden wir zusätzlich einfliessen lassen», so Ackeret. «Derzeit können wir nicht abschätzen, ob die vom Rechtsgutachten aufgeworfenen 12 Millionen Franken realistisch sind. Diese möglichen Konsequenzen müssen wir aber in die Überlegungen einfliessen lassen.» Wie die IG zu einem Einfamilienhaus-Quartier steht, lässt er offen.

Überbauung oder Kulturland?

Dezidierter äussert sich Hans Delz von «ProKulturland», dem Zusammenschluss vieler Landwirte aus dem Dorf. «Wir werden sicher ganz genau hinschauen und ebenfalls entsprechende Abklärungen zu einer Entschädigung treffen», sagt Delz. Er kritisiert vor allem, dass nun – «nach jahrelangen Diskussionen» – doch ein Einfamilienhaus-Quartier möglich ist. «Das lässt die Gemeinde und den Kanton unglaubwürdig erscheinen.»

Trotzdem: Sollte die Gemeindeversammlung im Winter dem Planungskredit des Gemeinderats für die Überbauung zustimmen, würde Delz dies akzeptieren: «Unser Ziel ist es, das Kulturland zu schützen. Wenn es das Stimmvolk anders will, werden wir damit leben.»
Auch Werner Erni, Sprecher der überparteilichen Gruppierung «Zukunft Möhlin», wird das Dossier möglichst bald einsehen. Erst dann wolle er detailliert Stellung nehmen, sagt er.

Zu einer möglichen Überbauung aber äussert er sich kritisch: «Bei der Leigrube sehen wir den Verlust von bestem Kulturland. Die Überbauung des gesamten Landstücks mit Einfamilienhäusern wäre für mich somit keine gute Lösung.» Zu einer Auszonung und der möglichen Entschädigung sagt er hingegen: «Eine Entschädigung in Form einer Rückzahlung der bisher bezahlten Steuerdifferenz für Bauland an die privaten Besitzer wäre meines Erachtens selbstverständlich.»