Frick
Gespendete Notebooks sollen verhindern, dass Bedürftige digital abgehängt werden

Von der Aktion sollen sowohl Mensch als auch Umwelt profitieren.

Hans Christof Wagner
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Laptop-Lager im Dachgeschoss des ehemaligen Merenschwander Pfarrhauses. Symbolbild.

Laptop-Lager im Dachgeschoss des ehemaligen Merenschwander Pfarrhauses. Symbolbild.

Toni Widmer

Digitaler Unterricht ist nicht erst seit der Coronakrise das Gebot der Stunde. Aber was tun, wenn es zu Hause an den dafür notwendigen Computern fehlt? Wenn sich Familien, die ganz oder teilweise von Sozialhilfe leben, keine digitalen Endgeräte leisten können?

Hier setzt eine Spendenaktion an, die jetzt in Frick entstanden ist. Dort hat die Multimedia Fricktal GmbH ihren Sitz. Schon seit vielen Jahren bieten die beiden Co-Geschäftsführer Roland Obrist und Mario Kalt ihren Kunden einen Service an: die Rückgabe und anschliessende Entsorgung des Altgerätes beim Kauf eines neuen Notebooks.

«Wenn ein Kunde bei uns ein neues Gerät kauft, bringt er das alte mit zum Datentransfer», sagt Obrist. Danach habe er die Wahl: entweder das Altgerät wieder mitnehmen oder es dalassen zwecks Entsorgung und Recycling. Bis Obrist fand: ­«Warum eigentlich drei- bis vierjährige und noch voll funktionsfähige Topgeräte zu Elek­troschrott machen? Die sind doch viel zu schade dafür.»

So entstand die Idee, die beim Sozialdienst der Gemeinde Frick gleich auf offene Ohren stiess. «Roland Obrist kam auf uns zu und wir fanden schnell heraus, dass Multimedia Fricktal ein Unternehmen mit grossem ­sozialen Gedanken dahinter ist», sagt Leiterin Gabriela ­Reimann.

Schon vier Geräte an neue Besitzer vermittelt

Inzwischen haben mit Hilfe des Projekts schon vier Notebooks glückliche neue Besitzer gefunden, die sich sonst keinen Laptop hätten leisten können. Laut Reimann sind es Kinder und Jugendliche, die den Computer zum Lernen brauchen wie auch Erwachsene, die damit Lebensläufe und Bewerbungen schreiben. Das Ziel: wieder Jobs, eigenes Einkommen und ein geregeltes Leben finden. Bedarf gibt es auch in Frick genug, wo laut Reimann im Jahr 2019 211 Personen Sozialhilfe bezogen, darunter 68 Kinder und Jugendliche.

Laut Obrist werden die Lebenszyklen von Computern immer kürzer. Immer mehr kauften sich schon nach wenigen Jahren Nutzung einen neuen – Potenzial genug also für seine Benefiz-Aktion in Frick. Die Geräte, die dafür in Frage kommen, mögen nicht mehr die brandneuesten sein. Aber mit einer modernen und robusten SSD-­Festplatte versehen, reichten die Geräte für die allermeisten Anwendungen aus. Denn eine neue Festplatte muss Obrist zufolge aus Datenschutzgründen in die Notebooks rein. «Nur so können wir sicher sein, dass nicht doch etwas an Daten des früheren Besitzers überlebt.» Die Kosten dafür übernimmt sein Unternehmen. Die ausgebauten Festplatten würden noch eine Weile aufbewahrt, dann mechanisch zerstört und recycelt.

Vorerst soll das PC-Sozialprojekt auf Frick beschränkt bleiben. Obrist kann sich vorstellen, es auf weitere Fricktaler Gemeinden auszuweiten: «Das wird davon abhängen, wie gross der Bedarf ist und wie viele Geräte zur Verfügung stehen.»