Etzgen

Gesundheit ist mehr als ein negativer Coronatest: Aargauer Spitex-Mitarbeiterin hofft auf anderen Umgang mit der Pandemie

Die Coronakrise hat gezeigt, wie wichtig Pflegekräfte für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung sind. (Symbolbild)

Die Coronakrise hat gezeigt, wie wichtig Pflegekräfte für die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung sind. (Symbolbild)

Die Fricktaler Pflegefachfrau Marianne Straub aus Etzgen hat sich entschlossen, ihre Gedanken zur Coronasituation in einem Erfahrungsbericht aufzuschreiben und öffentlich zu machen. Sie sorgt sich um die Gesundheit der Bevölkerung.

«Vom Bauernhaus bis zur Villa, ich komme überall hin», sagt Marianne Straub, Pflegefachfrau in einer Aargauer Spitex-Organisation. Der Vielfalt wegen hat sie sich vor mehr als 30 Jahren entschieden, in der mobilen Pflege zu arbeiten. Senioren, akut und chronisch Kranke, Menschen mit Behinderungen  – das ist ihre Klientel. Sie zählen zu den Corona-Risikogruppen.

Jetzt hat sich die Fricktaler Pflegefachfrau entschlossen, ihre Gedanken zur Coronasituation aufzuschreiben und öffentlich zu machen. Ihr Motiv: die Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung. Denn «die meisten meiner Klienten sind heute in einem schlechteren Gesundheitszustand als im März», vor dem Lockdown. Die seit fast einem halben Jahr laufenden Pandemie-Massnahmen mögen dazu beigetragen haben, Corona einzudämmen. «Wir hatten bisher bei uns keinen einzigen Fall, weder bei Patienten noch bei Mitarbeitern.» Dennoch ist für die Fachfrau der Preis dafür zu hoch. Denn für sie steht fest: «Gesundheit ist wesentlich mehr, als auf gar keinen Fall mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert zu werden.»

Ungesund ist für sie, wenn sich Menschen freiwillig isolieren oder in Heimen isoliert werden. Ungesund ist für sie, wenn andere Krankheiten im Schatten der Krise keine Beachtung mehr finden. Ungesund ist für sie, wenn in der Pandemie Menschen mit ihren Ängsten und Depressionen allein dastehen. Gesundheit ist für sie «immer ein Austausch mit anderen. Geistig und körperlich und dazu gehört Vertrauen, ein offenes Gesicht, Nähe und Berührung.»

Das Sterben erfolgreich aus unserem Leben verdrängt

Zu ihrer Arbeit gehört der Umgang mit dem Tod. «Ich habe in meiner beruflichen Tätigkeit mehr als 200 Menschen im Sterben begleiten dürfen», schreibt Straub. Doch sie denkt auch, dass wir als Gesellschaft das Sterben und den Tod erfolgreich aus unserem Leben verdrängt hätten. «So ist es vielleicht auch nicht so bekannt, wie häufig gestorben wird», schreibt sie.

In der Schweiz seien im letzten halben Jahr 95,5 Prozent aller Verstorbenen nicht an Corona gestorben. «Ich sage nicht, dass Corona nicht gefährlich sein kann. Ich will nur, dass mehr darüber diskutiert wird und auch kontroverse Studienergebnisse und Meinungen zu Wort kommen.»

Ihr Erfahrungsbericht ist mit «Wohin gehen wir?» überschrieben. Die Frage treibt Straub um. Wie lange sollen noch Maskenpflicht und Social Distancing gelten? Ist ein Impfstoff das Allheilmittel? Welche Schäden nehmen wir in Kauf, wenn wir mit diesen Massnahmen so lange weitermachen, bis wir den Impfstoff haben?

Marianne Straub stellt viele Fragen. Aber sie formuliert auch Wünsche. «Dass wir aus der Schockstarre aufwachen und gemeinsam kreative Lösungen suchen, wie wir künftig miteinander, mit diesem und anderen Viren leben wollen.» Und: Auch wenn Corona ein Virus ist, sollten nicht nur Virologen zur Lösung beitragen, sondern auch Soziologen, Psychologen, Pflegende, Allgemeinmediziner, Immunologen und Ethiker.

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