Damit wurden im letzten Jahr sechs Ehen mehr geschlossen als 2017. Gegenüber 2016 sind es sogar 17 Hochzeiten mehr.

«Heiraten hat wieder an Attraktivität gewonnen», glaubt Martina Wirthlin, Leiterin des regionalen Zivilstandsamtes Laufenburg. Die Zahlen sprechen für diese These: Im oberen Fricktal steigt die Zahl der Hochzeiten seit 2014 kontinuierlich an (siehe Grafik). Wobei in dieser Zeit, dies gilt es «gegenzurechnen», die Zahl der Einwohner im Bezirk Laufenburg um gut 2000 auf 32'000 gestiegen ist.

Die AZ hat zusammen mit Wirthlin 14 Fakten und Emotionen zum Thema «Heiraten im oberen Fricktal» zusammengetragen.

1. Wieder mehr Jüngere

Auch bei Jüngeren ist Heiraten wieder in. «Wir haben viele Paare zwischen 20 und 30 Jahren», sagt Wirthlin. Den Grossteil der Hochzeiten machen Paare zwischen 30 und 35 Jahren aus.

2. Mit 97 Jahren geheiratet

Der älteste Bräutigam, den Wirthlin bislang getraut hat, war 97 Jahre alt. Er heiratete 2016 seine 75-jährige Lebensgefährtin. «Das war schon sehr speziell», sagt Wirthlin. Was hingegen häufiger vorkommt, sind Hochzeiten von Paaren, die über 50 sind. «Es ist oft ihre zweite Hochzeit», so Wirthlin.

3. Die Schnapszahl sorgte für den Rekord

2004 wurden die Zivilstandsämter regionalisiert. Am meisten Trauungen führten die beiden Zivilstandsbeamtinnen – neben Wirthlin arbeitet Nicole Schädeli auf dem Zivilstandsamt in Laufenburg – 2008 durch. «Der 8.8. war dabei der absolute Höhepunkt mit 16 Trauungen», so Wirthlin. Die Paare haben sie zu dritt an zwei Orten getraut. «Das ging schon an die Substanz.»

4. 932 Ehen geschlossen

Martina Wirthlin arbeitet seit 2004 auf dem Zivilstandsamt in Laufenburg. Seither hat sie 932 Ehen geschlossen – die 1000. wird damit wohl in diesem Jahr fällig. «Ich werde dem Paar sagen, dass es meine 1000. Trauung ist», sagt Wirthlin. Zur Routine ist die Arbeit trotz der vielen Trauungen nie geworden. «Das darf es auch nicht», ist Wirthlin überzeugt. Denn für jedes Paar sei dies ein ganz besonderer Tag. «Das muss er auch für mich sein.» Sie bereitet sich entsprechend auf jede Trauung individuell vor.

5. Vier Trauorte

Neben dem Trauzimmer im Zivilstandsamt können für Hochzeiten auch das Sitzungszimmer des Gemeinderates, die Sophie-Rüscher-Stube im Museum Schiff oder die Stadthalle gebucht werden. Das historische Ambiente im Museum Schiff sei gefragt, sagt Wirthlin. Allerdings ist der Platz beschränkt; mehr als 15 Personen passen nicht in den Museumsraum. Die Stadthalle eignet sich für Hochzeiten mit einer sehr grossen Festgemeinde. Bislang hat die Stadthalle noch niemand für die Trauung gebucht; für das Fest hinterher hingegen schon.

Ab 2020 wird das Zivilstandsamt in der dannzumal umgebauten und erweiterten Grimmerliegenschaft einquartiert sein. «Das Traulokal wird dort einen direkten Zugang zur Grimmermatte haben», sagt Wirthlin. Sie rechnet denn auch damit, dass mit dem neuen, idyllisch gelegenen Trauort die Zahl der Hochzeitspaare von auswärts gesteigert werden kann. Aktuell liegt der Anteil bei rund zehn Prozent.

6. Einfühlungsvermögen wichtig

Nicht immer ist die Situation, in der die Trauung stattfindet, einfach. Manchmal ist ein Elternteil kurz vor der Hochzeit verstorben, manchmal ist einer der beiden Heiratswilligen schon schwer krank. Hier die richtigen Worte zu finden, das Schwere mit dem Leichten zu verbinden, sei «eine grosse Herausforderung».

7. Die Sache mit den Emotionen

Nein, sagt Wirthlin lachend, in Tränen sei sie noch nie ausgebrochen. «Es kam allerdings auch schon vor, dass ich feuchte Augen hatte», räumt sie ein. Deutlich öfters muss sie Brautleute abholen, die nahe am Wasser gebaut sind. «Ihnen die Zeit zu geben, sich zu sammeln, ist wichtig.» Auch gelacht wird im Trauzimmer. «Die Trauung soll schliesslich lebendig sein.»

8. Freie Trauungen im Trend

Da viele Paare nicht mehr kirchlich heiraten, haben Ziviltrauungen an Bedeutung gewonnen. «Die Erwartungen an eine Ziviltrauung sind höher als früher», sagt Wirthlin. Im Trend sind zudem «freie Trauungen», die anstelle der kirchlichen Hochzeit nach der Ziviltrauung abgehalten werden und oft in der freien Natur stattfinden. «Das Angebot an Traurednern boomt», hat Wirthlin festgestellt.

9. Immer wieder freitags

Beliebte Trautage sind der Mittwoch und natürlich der Freitag. Einmal pro Monat können sich Paare in Laufenburg zudem am Samstag trauen lassen. «Diese Termine sind meist ausgebucht», so Wirthlin.

10. Der Mai ist gefragt

Als Hochzeitsmonat am Beliebtesten ist, daran hat sich seit Jahrzehnten wenig geändert, der Mai. Die Hochzeits-Hauptsaison beginnt im April und dauert bis im September.

11. Noch nicht ausgebucht

Wie viel im Voraus jemand den Trautermin reserviert, ist unterschiedlich. Es gibt Paare, die reservieren nur wenige Wochen vor der Trauung. Andere würden am liebsten schon zwei Jahre vorher einen Termin fixieren. Das geht in Laufenburg nicht, denn reservieren kann man einen Trautermin nur sechs Monate im Voraus. Paaren, die weiter hinaus planen wollen, sagt Wirthlin, dass sie dies auch können. «Wenn sie sich gleich zu Beginn der sechsmonatigen Frist melden, klappt das mit dem Wunschtermin auch.» Derzeit ist im ersten Halbjahr 2019 noch kein Termin ausgebucht.

12. Die vergessenen Ringe

Zweimal hat Wirthlin erlebt, dass ein Paar die Ringe nicht dabei hatte. «Jeder dachte, der andere habe sie eingesteckt oder dem Trauzeugen gegeben.» Da Laufenburg zwischen den Trauungen immer genügend Zeit einräumt, konnten die Ringe zu Hause geholt werden. Gröbere Patzer dagegen sind noch nie vorgekommen.

13. Die Ring-Alternative

Einen Ring zu tauschen, ist nicht Pflicht. Manchmal ist es auch ein Ohrenring, manchmal ein Tattoo. «Das kann ein tätowierter Ring am Ringfinger sein, das kann aber auch der Name mit Datum über den ganzen Unterarm sein», so Wirthlin. Bei einer Scheidungsquote von rund 50 Prozent ist dies nicht ungewagt.

14. En attendant

Verspätungen erlebt Wirthlin häufiger. «Die Paare sind meist rechtzeitig, die Trauzeugen oder Gäste verspäten sich aber leider nicht selten.» Dass ein Paar die Trauung verschwitzt hat, «ist zum Glück noch nie vorgekommen».

Im Flur des Zivistandsamtes in Laufenburg hängen unzählige Fotografien von Paaren, die Wirthlin und Schädeli getraut haben. Ein fettes «Danke!», steht auf vielen von ihnen. «Solche Rückmeldungen sind der schönste Lohn», sagt Wirthlin.