Fricktal

Hurra, die Schweizer sind da! Das müssen Sie über das Shopping ennet der Grenze wissen

Einkaufen! Schweizer geben im Landkreis Waldshut 386 Millionen Euro aus. Archiv

Einkaufen! Schweizer geben im Landkreis Waldshut 386 Millionen Euro aus. Archiv

Jeder dritte Euro im Einzelhandel stammt im grenznahen Raum aus einem Schweizer Portemonnaie. Die az hat hat sechs wichtige Fakten rund um den Einkaufstourismus zusammengetragen.

An diesem Wochenende ist im süddeutschen Raum wieder Schweizer Grosskampftag, man kann auch sagen: Happy-Shopping-Day. Immer am letzten Samstag im Monat, wenn die Gehälter auf den Konti eingegangen sind und somit wieder mehr Geld als Monat übrig ist, pilgern noch mehr Eidgenossen als sonst zum Shoppen nach badisch Laufenburg, Bad Säckingen und Rheinfelden.

Sie fahren frei nach dem Motto: Zahltag ist Kauftag und Kauftag ist Stautag. Denn das Einkaufserlebnis, das für Nicht-Einkaufstouristen den Sexappeal einer Tomate hat, will verdient sein.

Stau an der Grenze; schier endlose Parkplatz-Such-Schleife mit erbarmungslosem Wegschnappmechanismus; Rückstau beim Wägelistand; Wägelikolonne im Laden mit latenter Kollisions-, Über-den-Fuss-roll- und In-den-Hintern-prall-Gefahr; Stau an der Kasse; Verstauungsprobleme im Auto; Schritttempo bis zum Zoll; Schlange stehen vor dem Schalter, wo ein bisweilen grimmig dreinblickender Beamter mit einem kurzen «Pudumm» seines Stempels dafür sorgt, dass man die Mehrwertsteuer zurückerhält und der Einkauf damit nochmals deutlich billiger wird. Vier Fäuste, pardon: Stempel für ein Halleluja.

Was für den Schweizer Einzelhandel ein grosses Ärgernis ist und zuweilen auch an die Substanz geht, ist für viele deutsche Läden ein florierendes Zusatzgeschäft. Ja: Entlang der Grenze haben sich eigentliche Shoppingarenen herausgeformt, die voll und ganz auf die Kundschaft aus der Schweiz fokussieren.

Neue Studien und Umfragen liefern nun erstmals auch recht konkrete Zahlen aus der Region, wie viele Franken respektive Euro die Schweizer pro Jahr nach Deutschland tragen. Die az hat sechs wichtige Fakten rund um den Einkaufstourismus zusammengetragen.

Die Millionen: Rund 386 Millionen Euro pro Jahr geben Herr und Frau Schweizer allein im Landkreis Waldshut aus, zu dem Bad Säckingen und Laufenburg gehören. Im Landkreis Lörrach mit badisch Rheinfelden sind es sogar 574 Millionen Euro. Das entspricht jeweils 37 Prozent des gesamten Umsatzes, welcher der Einzelhandel dort macht. Mit anderen Worten: Gut jeder dritte Euro, der im Einzelhandel ausgegeben wird, kommt aus einem Schweizer Portemonnaie.

Die Abschöpfung: Die Schweizer geben fünf Prozent ihrer detailhandelsbezogenen Kaufkraft in Deutschland aus. Das bedeutet, «dass von 100 Franken, die ein Schweizer im Detailhandel zur Verfügung hat, fünf Franken im hiesigen Einzelhandel ausgegeben werden», halten die Autoren einer neuen Studie der Industrie- und Handelskammer Hochrhein (IHK) fest. Der Kommentar der Tageszeitung «Südkurier»: «Da steckt also noch Potenzial drin.»

Die Kaufkraft: Dank höherem Lohnniveau und unterschiedlichem Ausgabeverhalten verfügen die Schweizer über eine grössere einzelhandelsrelevante Kaufkraft. Die IHK hat errechnet, dass jeder Einwohner im Landkreis Waldshut pro Jahr im Schnitt für rund 6600 Euro im Einzelhandel einkaufen kann, jedem Aargauer dagegen 10 220 Euro pro Jahr zur Verfügung stehen. Die Basler bringen es gar auf 11 150 Franken.

76 Kilometer zum Einkaufen

Der Anfahrtsweg: Der Einkaufstourismus ist kein reines Grenzraum-Phänomen. Eine GfK-Studie zeigt, dass Herr und Frau Schweizer durchschnittlich 76 Kilometer fahren, um sich auf deutscher Seite ins Einkaufsgetümmel zu stürzen – neun Kilometer weiter als noch 2012. Mit 32 Prozent stellen die Naheinkäufer (Hin- und Rückweg bis zu 26 Kilometer) zwar den Hauptharst der Einkaufs-Blechlawine, aber: 19 Prozent legten für das Shopping-Feeling gesamthaft mehr als 101 Kilometer zurück. Interessant auch: 57 Prozent der Schweizer gaben in der Studie an, mindestens einmal pro Monat im Ausland einzukaufen – 13 Prozent mehr als 2012. In einer Befragung des «Rhy-Express» gaben 33 Prozent der Befragten an, sogar ein- oder mehrmals pro Woche für das Shoppen über die Grenze zu hoppen.

Die Argumente: Die Einkaufstouristen nennen vorab vier Gründe, weshalb sie jenseits der Grenze einkaufen: Den Preis, die Qualität, die Ladenöffnungszeiten – die Einkaufsparks haben oft bis 22 oder gar 24 Uhr geöffnet – und die grössere Produkteauswahl. Der gewichtigste Grund ist und bleibt jedoch der Preis, der bei den Konsumgütern im Schnitt um 30 Prozent unter jenem in der Schweiz liegt.

Die Hitliste: Am häufigsten werden Lebensmittel eingekauft, gefolgt von Drogerieartikeln, Kleidern und Schuhen, Baubedarf und Gartenartikeln, Bücher und Zeitungen sowie Möbeln. Aber auch Dienstleistungen werden stark nachgefragt. Neben dem Stuhl im Restaurant setzen sich viele Schweizer oft und gerne auch auf jenen beim Friseur, bei der Kosmetikerin, im Reisebüro und beim Zahnarzt – wobei es mit dem «gerne» bei Letzterem so seine Sache ist: Der Schmerz kennt keine Grenzen.

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