Mumpf

Im Dreschschopf wird die Sonderausstellung satirisch

Kurator Gerhard Trottmann hat die Sonderausstellung «Satirische Zeichnungen von Mathilde Riede-Hurt» organisiert. Dennis Kalt

Kurator Gerhard Trottmann hat die Sonderausstellung «Satirische Zeichnungen von Mathilde Riede-Hurt» organisiert. Dennis Kalt

Im Dorfmuseum wird eine Sonderausstellung mit Zeichnungen von Mathilde Riede-Hurt unter dem Titel «Mut zur Verantwortung» veranstaltet.

Der internationale Museumstag am 21. Mai trägt den Titel «Mut zur Verantwortung». Für Gerhard Trottmann, Kurator des Mumpfer Dorfmuseums «Alter Dreschschopf», war deshalb schnell klar, eine Sonderausstellung mit satirischen Zeichnungen und Versen der Mumpfer Künstlerin Mathilde Riede-Hurt auf die Beine zu stellen: «Sie war eine Querdenkerin. Ihre kritischen Zeichnungen und Verse entspringen aus ihrer Streitlust, aber eben auch aus dem Mut zur Verantwortung, sich politisch zu äussern», erklärt Trottmann.

1934 ist es, als die Handarbeitslehrerin von Mumpf aufgrund ihrer Heirat mit einem Deutschen die Schweizer Staatsbürgerschaft aufgibt und ins deutsche Ludwigsburg immigriert. Sie erlebt dort die Gräueltaten der NS-Zeit. Als sie 1947 zurückkehrt, erlangt sie erst nach mehreren Anläufen die Schweizer Staatsbürgerschaft zurück. «Diese Erfahrungen haben sie geprägt und zu einer scharfen Beobachterin des politischen und gesellschaftlichen Geschehens gemacht», sagt Trottmann.

Der Feminismus hat Grenzen

So nahm sie sich beispielsweise der Frauenbewegung an und stellte den radikalen Feminismus, der die Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen forderte, künstlerisch an den Pranger: In einer Zeichnung von 1971 sind drei unbeholfene Frauen mit Vorschlaghammer, Gewehr und Maurerkelle zu sehen. Eine Frau hat Plattfüsse, weil ihr der schwere Hammer auf die Füsse gefallen ist (siehe Bild). «Der gesunde Feminismus hatte für Riede-Hurt Grenzen. Dies zeigt sie mit diesem Bild auf witzige Weise», sagt Trottmann.

Auch das politische Establishment bekam sein Fett weg: «Hirnvernagelt in der Tat, sieht man hier den Bundesrat», dichtet die Künstlerin 1987 zu einer Zeichnung, auf der die damaligen Bundesräte ein Brett vor ihren Köpfen tragen, aus dem Nägel hervorstehen. Besonders der Bundesbeschluss zum Beitritt in die UNO war Riede-Hurt ein Dorn im Auge. Als es daraufhin 1986 zu einer Volksabstimmung kam, versuchte die Künstlerin, das Volk von einem Nein zum UNO-Beitritt zu überzeugen. So karikierte sie den damaligen Bundesrat Leon Schlumpf, der vergeblich versucht, vor der UNO eine Lanze über seinem Knie zu brechen, und dichtete dazu: «Als wär’s für ihn die grösste Tat, so kämpft der ganze Bundesrat. Doch zum Krampf wird der Kampf, wenn mit seinem ganz’ Gewicht, selbst Herr Schlumpf die Lanze bricht. Kann Herr Schlumpf denn gar nicht sehen, wie die UNO-Fahnen wehen. Ja leider nein, er will es nicht! Er sieht es nicht, ihr falsch Gesicht.»

Internationaler Museumstag: «Mut zur Verantwortung!»: Sonntag, 21  Mai, 14 bis 16.30 Uhr, Dorfmuseum «Alter Dreschschopf».

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