«Es ist einfach unmöglich», wusste schon der sizilianische Schriftsteller Leonardo Sciascia, «ein Volk von Rom aus geistig zu regieren, in dem jedermann, was Frömmigkeit betrifft, mehr zu wissen glaubt als das Heilige Offizium und der Papst in Person».

Die mit Überzeugung verinnerlichte und gelebte Religiosität ist tief im Alltagsleben der Sizilianer verwurzelt. Sie ist fester Bestandteil ihrer Lebensauffassung. So verwundert es nicht, dass prachtvolle religiöse Feste aus der Jahrtausenden alten sizilianischen Kultur nicht wegzudenken sind.

«La festa di San Giuseppe» – traditionell feiern die Sizilianer am 19. März in vielen Städten das Fest des heiligen Josef. San Giuseppe gehört zu einem der meist verehrten Heiligen der Insel.

Bereits seit dem 12. Jahrhundert wird der 19. März als Fest des heiligen Josef begangen. Papst Sixtus IV. erklärte 1479 denn auch den 19. März zum offiziellen Festtag des Heiligen. Nach dem 30-jährigen Krieg und der darniederliegenden Moral wurde die «Heilige Familie» entdeckt – mit «Seppi» als einer starken Vaterfigur.

Einwanderer aus der sizilianischen Kleinstadt Leonforte brachten die sizilianische Tradition des Festes nach Laufenburg mit. Seit mehreren Jahrzehnten veranstaltet die Gruppo San Giuseppe in Laufenburg das Fest von San Giuseppe und gestaltet den Altar, um den Tod des heiligen Patriarchen und des letzten Abendmahls zu gedenken.

Ziel ist die religiöse und kulturelle Förderung des Festes des heiligen Josefs. Da die Gruppe ohne Gewinnabsichten arbeitet, ist sie auf die Arbeit von freiwilligen Helfern und die Spenden der Gläubigen angewiesen. Die Bevölkerung soll für eine tiefe religiöse Tradition und für die Nächstenliebe und Solidarität mit dem Ärmeren sensibilisiert werden.

Nach dem Gottesdienst in der römisch-katholischen Stadtkirche zog die Prozession mit der Statue von San Giuseppe durch die Altstadt bis zur Stadthalle. «Buonasera a tutti», hörte man von einigen Teilnehmern. Getragene Töne der Stadtmusik Laufenburg begleiteten die Prozession durch die Altstadt.

Essen, Wein und Lebensfreude

Viele warteten schon ungeduldig auf das Eintreffen des Prozessionszuges. Feste feiern können die Sizilianer und die Sizilianerinnen. Zu jedem Fest gehören schliesslich gutes Essen, guter Wein und viel Lebensfreude. Der Duft von frischgebackenem Brot und allerlei süsser Köstlichkeiten erfüllte die Strasse und die Halle.

Sizilianer lieben es, wenn es am dunklen Himmel funkelt. Eine grandiose Feuerwerksshow stimmte auf den weiteren Abend ein. Nach dem Verzehr von ausgesuchten Spezialitäten und passenden Getränken standen die zahllosen italienischen Gäste diskutierend, schmausend und trinkend bis zum Morgengrauen in der Halle.