Nordwestschweizerisches

In Wittnau lachte nicht nur das Schwingerherz

Rund 4000 Zuschauer verfolgten packende Wettkämpfe am 112. Nordwestschweizerischen Schwingfest.

Von «A» wie Anschwingen bis «Z» wie Zwilchhosen hat am  Sonntag in Wittnau alles gepasst – inklusive strahlendem «W» wie Wetter. Als die Bösen – die besten Nordwestschweizer Schwinger – in der vollen Arena mitten im Dorf ihre Auftritte hatten, herrschte bäumige Stimmung. Erst recht, wenn ein Einheimischer in den Sägemehlring stieg. Als David Schmid vom Schwingklub Fricktal im vierten Gang gegen Reto Nötzli siegt, jubelt das ganze Stadion zu. Und das bei etwa 30 Grad, die am besten mit Hut oder unter dem Sonnenschirm auszuhalten waren. Die Schwinger aber, die ihre Wettkämpfe auf vier Sägemehlringen austrugen, bekamen die Hitze voll ab.

Von den Zuschauerrängen aus gab es die beste Aussicht. Wer näher ans Geschehen rückte, erlebte Emotionen pur. Freude und Enttäuschung lagen oft nahe beieinander, manchmal war der Traum vom Sieg in einem Sekundenbruchteil ausgeträumt. Von der Seite aus erhielten die Schwinger Zuspruch. «Muesch draglaube!», rief ein enthusiastischer Mann, «machs no einisch! Zieh!». Die Schwinger hatten ihre Anhänger dabei: der Schmid-Buebe-Fanclub fieberte mit David und Samuel Schmid, ebenso diejenigen, die mit Christoph Bieri angereist waren. «Mer setze ofe Bieri» war auf deren Shirts zu lesen. Andere setzten auf Schatten und kühle Getränke, die in der Arena auf Veloanhängern transportiert wurden.

«Seit zwei Wochen war in Wittnau ein richtiges Fieber zu spüren», berichtete OK-Mitglied Marcel Brogli. «Die Arena ist für 4000 Leute ausgebaut, jetzt ist sie voll», freute er sich. Der Turnverein Wittnau hat das Nordwestschweizerische Schwingfest als Trägerverein zum ersten Mal durchgeführt. «Grössenwahnsinn» sei dem Verein zuerst nachgesagt worden, so Brogli. Der TV Wittnau hat dann nach zwei Jahren Vorbereitung – zusammen mit dem Schwingklub Fricktal – das grosse Besteck ausgepackt, alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit aus dem Schwingfest ein einmaliges Erlebnis wird. Die Motivation der Veranstalter war auch am Sonntag zu spüren. Trotz zwei Unfällen im Sägemehlring am Vormittag blieb die Stimmung den ganzen Tag sportlich-friedlich.

Schwingfest Wittnau wird zum Schmid-Fest

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Der Druck bei David Schmid als einheimischem Titelverteidiger war gross. Nebst seinen vielen Fans unterstützten ihn auch seine Familie und seine Partnerin bei diesem Heimauftritt.

Die Gäste konnten den Tag, wenn sie denn nicht in der Arena weilten, in verschiedenen Festbeizen verbringen. Oder einen Blick in die Stallung mit den drei Lebendpreisen werfen. Unter ihnen der zweijährige Muni «Jehlwi», 900 Kilo schwer, aber gut zu führen, geduldig, bis er an den Sieger übergeben wurde. Gezüchtet wurde der Red-Holstein-Muni im Stall von Marcel Belser in Wölflinswil.

Zurück in der Arena ging es hoch her. Das Sägemehl flog in der Hitze weit fort, während pausierende Schwinger sich am Brunnen erfrischten. Zwischendurch traten der Jodlerklub Frick und der Jodlerklub Echo vom Glaubenberg auf und zeigten Fahnenschwinger ihr Können, das alles bei laufendem Wettkampf. Um 17.40 Uhr kochte die Arena über, als David Schmid den Freiämter Andreas Döbeli im Schlussgang besiegte. «Jehlwi» muss also gar nicht weit verreisen.

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