Chancengleichheit

Integration ganz spielerisch – «eine Investition in die Zukunft»

Ein Pilotprojekt zur Sprachförderung startet in Stein.

Ein Pilotprojekt zur Sprachförderung startet in Stein.

Der Kanton will in einem Pilotprojekt die Deutschkenntnisse von Kindern noch vor dem Chindsgi fördern. Die Gemeinde Stein macht dabei mit.

Sollen Vorschulkinder, die kein oder wenig Deutsch können, zur Sprach­förderung verpflichtet werden? Diese Forderung steht auf der politischen Agenda. Jetzt will der Kanton Erfahrungen sammeln, in einem 2021 startendem Pilotprojekt auf freiwilliger Basis. Die Gemeinde Stein macht mit. 27 Bewerbungen waren beim Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) eingegangen.

«Hintergrund sind parlamentarische Vorstösse, welche die Einführung von gesetzlichen Grundlagen verlangen, um Vorschulkinder mit unzureichenden Deutschkenntnissen zum Besuch von Sprachfördermassnahmen verpflichten zu können», schreibt die Gemeinde Stein auf ihrer Website.

Stein ist für Teilnahme prädestiniert

Und meint damit unter anderem das Postulat der CVP-­Fraktion vom September 2018 im Grossen Rat. Fraktionspräsident Alfons Kaufmann aus Wallbach zum Projekt: «Ich begrüsse das sehr, für mich ist das eine Investition in die Zukunft.» Gerade Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund hörten zuhause oft nur die Muttersprache der Eltern und besuchten Vorkindergarteneinrichtungen unverhältnismässig wenig. «So steht es beim Eintritt in die Primarstufe um deren Deutschkenntnisse eher schlecht», sagt der Fricktaler Grossrat, der sich über den Zuschlag an die Wallbacher Nachbargemeinde Stein freut.

Dass Stein ausgewählt worden ist, soll «die regionale Verteilung und die Unterschiedlichkeit der Gemeinden bei Grösse und Bevölkerungsstruktur» widerspiegeln, sagt BKS-­Sprecherin Simone Strub. Die Eigenschaften der einzelnen Gemeinden hätten keine entscheidende Rolle gespielt. Aber dennoch: Stein mit seinem Ausländeranteil von rund 40 Prozent ist sicher prädestiniert für eine Teilnahme am Projekt.

Projekt startet im Januar 2021

«Wir freuen uns, dass Stein als Pilotgemeinde ausgewählt wurde, und sind jetzt schon gespannt auf die Erkenntnisse», sagt Marie-Noëlle Meier, die stellvertretende Gemeindeschreiberin. Und: «Durch unsere Bevölkerungsstruktur mit einem hohen Anteil an fremdsprachigen Personen ist es bei uns ein Dauerthema, wie Kinder aus diesen Familien möglichst optimal in unser Schulsystem eingebunden werden können.» Für Meier eben über gute Kenntnisse der Schulsprache Deutsch. Meier verweist auf das in der Gemeinde schon bestehende Angebot der MuKi-Deutschkurse (Mutter-Kind).

Das neue Projekt startet im Januar 2021. Auch Eltern in Stein, deren Kinder eineinhalb Jahre vor Kindergarteneintritt stehen, bekommen dann einen Fragebogen zugeschickt. Abhängig von der Beantwortung werden die Kinder mit Förderbedarf ausgewählt und besuchen, sofern die Eltern wollen, ab August für ein Jahr eine Vorkindergarteneinrichtung – Kindertagesstätten, Spielgruppen oder Tagesfamilien. An mindestens zwei Halbtagen pro Woche soll darin Deutsch gelehrt werden. Strub: «Aber eingebettet ins Spiel und den Alltag, nicht in Unterrichtsform.»

In welcher Einrichtung in Stein das Projekt angesiedelt ist, wird laut Meier derzeit abgeklärt. In Frage kämen die Kitas Schatzinsel und Zauberstei sowie die Spielgruppe Chäferli.

Freiwillig oder Pflicht: 2024 wird Bilanz gezogen

Runde 1 des Pilotprojekts startet im August 2021. Nach dreima- liger Durchführung wird im Sommer 2024 Schluss sein mit dem Pilotprojekt. Wie es danach weitergeht, ist offen. «Wir werden das 2024 anschauen», sagt Kaufmann. «Sollten auf freiwilliger Basis zu wenige Kinder erreicht werden, wird es wohl eine Pflicht geben müssen.»

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